Diplomarbeit, 2010
141 Seiten
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Beschreibung der methodischen Vorgehensweise
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen der Bildungsökonomie
2.1 Inhaltliche Entwicklungslinien im historischen Kontext
2.1.1 Die Anfänge bildungsökonomischer Überlegungen (18. Jahrhundert bis Mitte 20. Jahrhundert)
2.1.2 Die bildungsökonomische Renaissance und die Anfänge der Disziplin (1950-1970)
2.1.3 Brüche, Turbulenzen und Neuorientierungen (1970er - 1980er Jahre)
2.1.4 Die pragmatische Renaissance (1990er Jahre bis heute)
2.1.5 Fazit
2.2 Bildung versus Ökonomie – ein Spannungsverhältnis
2.2.1 Unvereinbarkeit von Bildung und Ökonomie
2.2.2 Vereinbarkeit von Bildung und Ökonomie
2.2.3 Bildung – Zweck oder Mittel
2.3 Bildungsökonomie: Ziele, Forschungsfelder, Definition
2.4 Bildung unter ökonomischen Aspekten
2.4.1 Bildungsökonomie als Verwalterin eines knappen Gutes
2.4.2 Finanzierung und Bereitstellung von Bildung
2.4.2.1 Nichtrivalität und Nichtausschließbarkeit
2.4.2.2 Externe Effekte
2.4.3 Bildung zwischen Staat und Markt
3. Weiterbildung als Erkenntnisobjekt der Bildungsökonomie
3.1 Aktualität und bildungsökonomische Relevanz der Weiterbildung
3.2 Von der Erwachsenenbildung zur Weiterbildung als vierte Säule des Bildungswesens
3.3 Versuch einer Typologisierung und theoretischen Abgrenzung
3.4 Fokus Weiterbildungsorganisation
4. Aktuelle ökonomische Tendenzen in der Weiterbildung
4.1 Das Phänomen der „Ökonomisierung“ in der Weiterbildung
4.2 Weiterbildungsorganisationen mit speziellem Kerngeschäft
4.3 Weiterbildungsorganisationen im Einflussbereich der Ökonomie
4.3.1 Tendenzen der Ökonomisierung auf der Makroebene
4.3.2 Konsequenzen der Ökonomisierung für die Mesoebene
4.3.3 Konsequenzen der Ökonomisierung für die Mikroebene
4.4 Die Bedeutung weiterbildungsrechtlicher Aspekte im Kontext der Ökonomisierung
4.4.1 Die Weiterbildungsgesetze der Länder
4.4.2 Drittes Buch im Sozialgesetzbuch (SGB III)
4.5 Weiterbildungsorganisationen zwischen interner Effizienzsteigerung und pädagogischem Leitmaßstab
5. Qualitätsmanagement – ein Wirtschaftskonzept in der Weiterbildung
5.1 Interessengerichtet, viereckig und mehrdimensional – eine Annäherung an den Qualitätsbegriff
5.2 Qualitätsmanagement in der Weiterbildung
5.2.1 Neuer Umgang mit einem vertrauten Thema: Verlauf und aktuelle Entwicklung der Qualitätssicherung in der Weiterbildung
5.2.2 Qualitätsmanagement – Begriff, Funktionslogik, Ziel
5.3 Wirtschaftsnahes Qualitätsmanagement für Weiterbildungsorganisationen – eine Analyse
5.3.1 Die Normenreihe DIN EN ISO 9000ff.
5.3.1.1 Beschreibung des Modells
5.3.1.2 Diskussion des Modells
5.3.2 Das EFQM-Modell
5.3.2.1 Beschreibung des Modells
5.3.2.2 Diskussion des Modells
5.3.3 Zusammenfassung der Analyse
5.4 Implikationen für das Qualitätsmanagement in Weiterbildungsorganisationen
5.4.1 Entwicklung eines integrativen Qualitätsmanagements
5.4.2 Anforderungen an ein integratives Qualitätsmanagement
6. Resümee und Ausblick
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, eine umfassende Untersuchung der Weiterbildung im Kontext aktueller bildungsökonomischer Tendenzen durchzuführen. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie der zunehmende ökonomische Druck zur Zurückdrängung pädagogischer Prinzipien führt und inwieweit das aus der Wirtschaft stammende Qualitätsmanagement zur Erfassung und Sicherung spezifisch pädagogischer Bildungsqualität anschlussfähig ist.
2.1.1 Die Anfänge bildungsökonomischer Überlegungen (18. Jahrhundert bis Mitte 20. Jahrhundert)
Seit mehreren Jahrhunderten erbringt die Bildungsökonomie nun schon den Nachweis über den Zusammenhang von Bildung und Erziehung einerseits und nationaler Wirtschaftskraft und individuellen Wohlstand andererseits. Identität stiftender Ansatz (vgl. Dewe/Weber 2007, S. 112) ist dabei der des Humankapitals „als Summe aller Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, die der Mensch in den Produktionsprozeß einfließen lassen kann“ (Zacher 2005, S. 42). Erste Überlegungen zum Humankapital eines Menschen gab es schon in den Schriften der Merkantilisten des 17. und 18. Jahrhunderts. Diese rekurrieren auf die Qualität menschlicher Arbeit, in welcher sie (u.a. Johann J. Becher, 1635-1682; Johann P. Süssmilch, 1707-1767 oder H.G. Justi, 1705-1771) einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung der Wirtschaftskraft eines Staates vermuten. Ziel der merkantilistischen Erziehung ist es demnach, Produktivitätssteigerungen durch die Qualität des Humankapitals zu erreichen, wofür der Schulbesuch möglichst aller Volksschichten und damit eine eklatante Verbesserung des Bildungssystems vonnöten ist (vgl. ebd., S. 43).
Adam Smith (1723-1790) baut auf den merkantilistischen Erkenntnissen über das produktive Potential des Menschen als Motor wirtschaftlicher Entwicklungen auf. Smith wird in der einschlägigen Literatur zur Bildungsökonomie oft als ihr eigentlicher „Urvater“ bezeichnet. Daher soll an dieser Stelle kurz auf seine Überlegungen, die bereits die Grundideen der späteren bildungsökonomischen Fachdisziplin enthalten, eingegangen werden. Seine theoretische Analyse zum Humankapital stützt sich dabei auf die Werttheorie, die sowohl die Quantität als auch die Qualität des Produktionsfaktors Arbeit bewertet. Zur Arbeit zählt er dabei alle menschlichen Fähigkeiten, die die Produktivität bestimmen. Bildung nimmt dabei zur Qualitätssteigerung und damit zur Steigerung der Produktivkraft der Arbeit eine Schlüsselposition ein. Da der Bildungserwerb immer mit Aufwendungen verbunden ist, lässt dieser, Smith zufolge, auch einen Ertrag erwarten. Dieser ist jedoch nicht nur von Quantität, sondern auch immer von der Qualität der investierten Bildungsinhalte abhängig. Smith konstatiert hierzu, dass bei gleichem Zeitaufwand zur Herstellung zweier Produkte unterschiedliche Werte der geschaffenen Güter erbracht werden können (vgl. ebd., S. 43f.).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Ökonomisierung der Weiterbildung und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Vereinbarkeit von ökonomischer Effizienz und pädagogischer Qualität.
2. Grundlagen der Bildungsökonomie: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Bildungsökonomie nach und analysiert das grundlegende Spannungsverhältnis zwischen ökonomischen Rationalitätsansprüchen und bildungstheoretischen Prinzipien.
3. Weiterbildung als Erkenntnisobjekt der Bildungsökonomie: Hier wird der Weiterbildungssektor als spezifisches Feld definiert, seine Relevanz im Bildungssystem hergeleitet und eine Typologisierung vorgenommen, die als Grundlage für die weitere Analyse dient.
4. Aktuelle ökonomische Tendenzen in der Weiterbildung: Das Kapitel untersucht die praktischen Auswirkungen ökonomischer Steuerungskonzepte auf verschiedenen Organisationsebenen und deren Konsequenzen für die pädagogische Arbeit.
5. Qualitätsmanagement – ein Wirtschaftskonzept in der Weiterbildung: Hier werden gängige Qualitätsmanagementansätze (ISO 9000ff., EFQM) auf ihre Eignung für den Bildungsbereich hin analysiert und ein integrativer Ansatz zur Qualitätsentwicklung erörtert.
6. Resümee und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und reflektiert die Möglichkeiten, pädagogische Handlungsrationalität in eine zunehmend ökonomisch geprägte Organisationsstruktur zu integrieren.
Weiterbildung, Bildungsökonomie, Ökonomisierung, Qualitätsmanagement, Humankapital, pädagogische Professionalität, Weiterbildungsorganisation, Effizienz, Lernprozesse, Bildungsmanagement, Bildungspolitik, Dienstleistung, Evaluation, integrative Qualität, Steuerungskonzepte.
Die Arbeit befasst sich mit der zunehmenden Ökonomisierung der Weiterbildung und analysiert, wie Weiterbildungsorganisationen den Balanceakt zwischen wirtschaftlichem Druck und ihrem pädagogischen Bildungsauftrag bewältigen können.
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Bildungsökonomie als theoretischem Fundament, der Analyse ökonomischer Tendenzen in der Weiterbildungspraxis sowie der kritischen Auseinandersetzung mit betriebswirtschaftlichen Qualitätsmanagementmodellen.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern ökonomische Handlungsrationalitäten pädagogische Prinzipien verdrängen und ob ein integratives Qualitätsmanagement dazu beitragen kann, beide Bezugssysteme miteinander zu versöhnen.
Die Autorin wendet primär eine deskriptiv-analytische Methode an, die auf der Auswertung wissenschaftlicher Fachliteratur sowie statistischer Daten basiert und deduktiv vom Allgemeinen zum Spezifischen vorgeht.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Bildungsökonomie, eine Systematisierung des Weiterbildungssektors, die Analyse aktueller ökonomischer Steuerungseinflüsse und eine detaillierte Prüfung von QM-Systemen wie ISO 9000ff. und EFQM.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Weiterbildung, Ökonomisierung, Qualitätsmanagement, Bildungsökonomie, Humankapital, pädagogische Professionalität und das Konzept des integrativen Qualitätsmanagements.
Das SGB III zwingt Organisationen durch marktförmige Beschaffungsinstrumente wie Ausschreibungen dazu, den Preis zur wettbewerbsentscheidenden Komponente zu machen, was häufig zu Lasten der pädagogischen Qualität geht.
Ein integratives Qualitätsmanagement versucht, über rein organisatorische Effizienz hinaus auch pädagogische Prozesse systematisch zu erfassen und zu steuern, um so die pädagogische Handlungsrationalität wieder stärker in den Fokus der Organisation zu rücken.
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