Magisterarbeit, 2004
120 Seiten, Note: 1,5
Einleitung
Teil a
1. Kulturkrise
1.1 Medien
1.2 Aura
Medien, Aura und die Avantgarde
1.3 Sprachkrise
1.4 Wege aus der Krise
‚Physiologische‘ Entgrenzung – der Rausch
Entgrenzung als Setzung des ‚Anderen‘
2. Performativität
Ereignis
Performanz
Theater als Modell
2.1 Performative Ästhetik
Ästhetik der Avantgarde
Zusammenfassung Teil a
Problematik des Forschungsgegenstands
Teil b
1. DADA-Konzepte
1.1 Kunst und Leben
Schöpferischer Instinkt
Hingabe an das Hier und Jetzt
Eigenwert des Materials
Destruktion und Konstruktion
Vom dualistischen zum ganzheitlichen Subjekt
1.2 Manifestantismus
Manifest
1.3 Sprache
Nonsens-Sprechen
Sprachmagie
1.4 Rückbesinnung auf den mythologischen Ursprung
Primitivismus
1.5 Dadaistischer Realismus
Spontaneität und Zufall
1.6 DADA-Wahrheiten
2. Literarische Produktion
„parole in libertà“
2.1 Simultangedicht
2.2 Lautgedicht
Kunst jenseits des Logos
Das orale Wort als Ereignis
Lautgedicht und Körper
3. DADA-Aktionen
Exkurs. DADA-Geschichtsschreibung
3.1 ‚Gadji beri bimba‘ - Abend im Cabaret Voltaire am 23. Juni 1916
3.2 I. DADA-Abend am 14. Juli 1916 im Zunfthaus zur Waag
3.3 DADA-Abend in der Galerie Dada am 26. März 1917
Die drei Abende
4. Aspekte der DADA-Aufführungen
4.1 Raum
Exkurs. Fest und Karneval
4.2 Stimme und Körper
Tanz
‚Negerkultur‘
4.3 Verschmelzung von Gattungen
4.4 Repräsentation und Präsentation
Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht den Ursprung der DADA-Bewegung in Zürich zwischen 1916 und 1918. Das Hauptziel besteht darin, die provokativen Aktionen der Dadaisten als spezifisch performative ästhetische Praktiken zu analysieren, die eine Abkehr von einer objekthaften hin zu einer prozesshaften Kunstauffassung vollziehen.
Problematik des Forschungsgegenstands
Es wurde bereits unterstellt, dass es sich bei den Manifestationen der Avantgarde um eine bewusste Kunstverweigerung im werkorientierten Sinne handelt.
Im folgenden Abschnitt (b) der Arbeit wird dieser Aspekt nicht aus den Augen verloren. Die DADA-Konzepte und –Aktionen werden hinsichtlich des Aspekts beleuchtet, inwiefern sie eine eigene Ästhetik, auch vor dem Hintergrund einer Krisenerfahrung der Moderne, entwickeln: die Ereignishaftigkeit als Angelpunkt neuer Formen künstlerischen Schaffens.
Walter Benjamin, der das Auraerlebnis für Originale herausstellt, betont, dass Kunstwerke nur in der direkten Konfrontation mit dem Rezipienten erlebt werden können und nicht mithilfe von Reproduktionen:
Das Hier und Jetzt des Originals macht den Begriff seiner Echtheit aus. [...] Der gesamte Bereich der Echtheit entzieht sich der technischen – und natürlich nicht nur der technischen Reproduzierbarkeit.
Was Benjamin für Kunstwerke feststellt, gilt für die Aktionskunst in noch extremerer Weise. Denn das „Hier und Jetzt des Originals“ ist bei dieser einmalig. Die Dadaisten verschreiben sich – vor dem Hintergrund der erweiterten Reproduktionsmöglichkeiten - einer Ereigniskunst, die sich ihrer Form nach der Reproduktion verschließt.
Unternimmt man den Versuch, Elemente einer Ereignisästhetik im Dadaismus zu untersuchen, so ergibt sich strukturell ein Problem, welches im Beschreibungsmodell selbst liegt: die Differenz zwischen Diskurs und Ereignis. Dieter Mersch zufolge ist das Ereignis das bloße Faktum, dass etwas passiert und dass dieses wahrgenommen wird. Es versperrt sich dem ‚Etwas‘, denn die Bedeutungsbeilegung beschneidet das Ereignis in seiner Fülle. Unweigerlich wird kanalisiert, zugeordnet, ausgewählt. Es ist somit undarstellbar bzw. nicht mediatisierbar. Das kollektive Erlebnis verstellt sich der diskursiven Praxis, da sich das Ereignis selbst als unteilbar erweist. Ereignisse sind letztlich nicht zugänglich.
1. Kulturkrise: Dieses Kapitel analysiert die philosophischen und gesellschaftlichen Hintergründe, insbesondere die Sprach- und Medienkrise, die als Vorläufer des Dadaismus dienen.
2. Performativität: Hier wird das theoretische Modell der Ästhetik des Performativen eingeführt, um die prozesshafte Kunstauffassung der Avantgarde methodisch zu erfassen.
1. DADA-Konzepte: Dieser Teil beleuchtet die Kernideen des Dadaismus, wie den schöpferischen Instinkt und die radikale Ablehnung tradierter Werkbegriffe.
2. Literarische Produktion: Der Fokus liegt auf der experimentellen Literatur der Dadaisten, insbesondere auf Simultangedichten und Lautgedichten als Ausdrücke eines neuen Realitätsverständnisses.
3. DADA-Aktionen: Dieses Kapitel untersucht exemplarisch die Aufführungspraxis der Dadaisten an drei historischen Abenden, wobei das Konzept der Performance im Mittelpunkt steht.
4. Aspekte der DADA-Aufführungen: Abschließend werden die konstitutiven Merkmale der Aufführungen wie Raumgestaltung, Körpereinsatz und die interaktive Rolle des Publikums analysiert.
Dadaismus, Zürcher Dada, Performativität, Ereignisästhetik, performative Ästhetik, Avantgarde, Lautgedicht, Simultangedicht, Aktionskunst, Sprachkrise, Kulturkrise, Hugo Ball, Tristan Tzara, Körperlichkeit, Ästhetik des Performativen.
Die Arbeit untersucht die performativen Strategien der Dada-Bewegung in Zürich zwischen 1916 und 1918 vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Kultur- und Sprachkrise.
Zentrale Themen sind die Ästhetik des Performativen, der Bruch mit traditionellen Kunstbegriffen, die Bedeutung von Sprache als Klangmaterial sowie die Rolle von Körperlichkeit und Inszenierung.
Ziel ist es zu zeigen, dass dadaistische Aktionen als performative ästhetische Praktiken zu verstehen sind, die eine Verschiebung von einer objekthaften Kunstbetrachtung hin zu einer prozessualen Ereignisästhetik markieren.
Die Arbeit nutzt Ansätze der Performanztheorie und der Theaterwissenschaft, um das archivierte Textmaterial der Dadaisten nicht nur als Literatur, sondern als Zeugnisse einer performativen Kunstpraxis zu lesen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung dadaistischer Konzepte (wie Manifeste und Sprachmagie), die Analyse der literarischen Produktion und die detaillierte Untersuchung der Aufführungspraxis bei DADA-Soiréen.
Wichtige Begriffe sind Performativität, Ereignisästhetik, Dadaismus, Sprachkritik, Simultan- und Lautgedichte sowie die Dekonstruktion des traditionellen Schöpfersubjekts.
Hugo Ball nimmt eine zentrale Stellung ein, insbesondere durch seine sprachkritischen Schriften, die Konzeption seiner Lautgedichte (wie „Karawane“) und seine theoretischen Überlegungen zur Theaterkunst und zum Mystizismus.
Die Arbeit zeigt, dass die Dadaisten dieses Spannungsfeld nicht auflösen, sondern bewusst als Spielraum nutzen, indem sie Texte für den Moment der Aufführung konzipieren und damit die Grenze zwischen Werk und Ereignis verwischen.
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