Bachelorarbeit, 2013
45 Seiten, Note: 1,3
1 EINLEITUNG
2 HISTORISCHER HINTERGRUND
2.1 CARRERO BLANCO – DIE GRAUE EMINENZ DES REGIMES
2.2 DAS ATTENTAT AUF CARRERO BLANCO UND SEINE FOLGEN
3 THEORETISCHER RAHMEN – ERINNERUNGSKULTURELLE KONZEPTE
3.1 DAS KONZEPT DES KOLLEKTIVEN GEDÄCHTNISSES UND SEINE EIGENSCHAFTEN
3.2 DAS KOMMUNIKATIVE UND KULTURELLE GEDÄCHTNIS NACH ALEIDA UND JAN ASSMANN
3.3 ERINNERUNGSKULTUR
3.4 FUNKTION UND ROLLE DER LITERATUR IM ERINNERUNGSKULTURELLEN KONTEXT
3.5 ANALYSEINSTRUMENTARIUM - DIE FÜNF MODI DES KOLLEKTIVEN GEDÄCHTNISSES NACH ERLL
4 DARSTELLUNG DES ATTENTATS IM ROMAN DEMASIADO PARA GÁLVEZ
4.1 HANDLUNGSÜBERSICHT
4.2 DETEKTIVROMAN ALS SPIEGELBILD DER GEGENWART - ENTSTEHUNGSHINTERGRUND UND WESENTLICHE GATTUNGSMERKMALE
4.3 AUBERLITERARISCHE BEZÜGE
4.4 PARATEXTUELLE GESTALTUNG
4.5 ERZÄHLERISCHE VERMITTLUNG
4.6 SPRACHLICHE GESTALTUNG/INTERMEDIALITÄT
4.7 LITERARISCHE DARSTELLUNGSVERFAHREN
4.8 PERSPEKTIVE DES ICH-ERZÄHLERS –DER ANSCHLAG ALS TEIL EINES KORRUPTIONSNETZWERKS
5 ANALYSE DER DARSTELLUNG IM ROMAN VIVÍ AÑOS DE TORMENTA
5.1 HANDLUNGSÜBERSICHT
5.2 ERINNERUNGSROMAN ALS LITERARISCHE VERGANGENHEITSAUFBEREITUNG – GESELLSCHAFTLICHER ENTSTEHUNGSHINTERGRUND UND WESENTLICHE GATTUNGSMERKMALE
5.3 AUBERLITERARISCHE BEZÜGE
5.3.1 Paratextuelle Gestaltung
5.3.2 Erzählerische Vermittlung – die reflexive Ich-Erzählerin
5.4 DIE KONTRASTIERENDE PERSPEKTIVENDARSTELLUNG
5.4.1 Die Perspektive der franquistischen Elite
5.4.2 Die Perspektive der baskischen Bevölkerung
6 ZUSAMMENFASSUNG UND VERGLEICH DER ERGEBNISSE
7 FAZIT
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die literarische Inszenierung des Attentats auf den spanischen Politiker Carrero Blanco im Jahr 1973 in zwei zeitlich weit auseinanderliegenden Romanen. Ziel ist es, mithilfe der Konzepte zur Erinnerungskultur von Astrid Erll sowie Jan und Aleida Assmann zu analysieren, wie sich die Perspektiven auf dieses historische Ereignis in der spanischen Gegenwartsliteratur verändert haben und welche unterschiedlichen erinnerungskulturellen Funktionen die Romane erfüllen.
1 Einleitung
„Quien vivió con una cierta edad el día del asesinato de Carrero Blanco ha guardado del acontecimiento una huella perdurable en sus recuerdos.“ (Tusell 1993: 433)
Das oben angeführte Zitat des Historikers Javier Tussel bringt den gravierenden Einschnitt, den das Attentat auf den designierten Franco-Nachfolger in der Erinnerung der zeitgenössischen spanischen Gesellschaft hinterlassen hat, zum Ausdruck. Im Dezember 2013 jährt sich zum vierzigsten Male der Anschlag auf den franquistischen Hardliner, der von der baskischen Untergrundorganisation ETA ausgeübt und unter dem Namen „Operación Ogro“ bekannt geworden ist (vgl. Casanova 2008: 145).
Als einschneidendes, zentrales Ereignis der spanischen Geschichte regt das Attentat nicht nur wissenschaftliche Kontroversen bezüglich seiner Tragweite für die weitere demokratische Entwicklung an, sondern findet auch auf vielfältige Weise Eingang in Literatur und Film. Seine Thematisierung nimmt vor allem mit der in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre in Spanien einsetzenden Vergangenheitsaufbereitung stark zu. Im Jahr 2012 widmet das spanische Fernsehen RTV dem Attentat eine eigene Miniserie und einen Dokumentarfilm. Ebenso greifen zahlreiche Romane das historische Ereignis in unterschiedlichen Zusammenhängen erneut auf.
1 EINLEITUNG: Einführung in die historische Bedeutung des Attentats auf Carrero Blanco und Darlegung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der literarischen Aufarbeitung.
2 HISTORISCHER HINTERGRUND: Detaillierte Darstellung der politischen Rolle Carrero Blancos und des Hergangs sowie der Folgen des Attentats für das Franco-Regime.
3 THEORETISCHER RAHMEN – ERINNERUNGSKULTURELLE KONZEPTE: Erläuterung der theoretischen Konzepte zum kollektiven Gedächtnis sowie der Rolle von Literatur als Medium der Erinnerungsbildung.
4 DARSTELLUNG DES ATTENTATS IM ROMAN DEMASIADO PARA GÁLVEZ: Analyse der Inszenierung des Attentats in einem Detektivroman aus dem Jahr 1979 unter Einbeziehung gattungsspezifischer Merkmale.
5 ANALYSE DER DARSTELLUNG IM ROMAN VIVÍ AÑOS DE TORMENTA: Untersuchung der reflexiven und multiperspektivischen Aufarbeitung des Attentats in einem Erinnerungsroman aus dem Jahr 2012.
6 ZUSAMMENFASSUNG UND VERGLEICH DER ERGEBNISSE: Kontrastive Gegenüberstellung der Analyseergebnisse beider Romane hinsichtlich ihrer erinnerungskulturellen Einordnung.
7 FAZIT: Abschließende Reflexion über den Wandel der Erinnerung an das Attentat und die Eignung literarischer Werke als Instrument der Analyse.
Carrero Blanco, ETA, Operación Ogro, Kollektives Gedächtnis, Erinnerungskultur, Astrid Erll, Demasiado para Gálvez, Viví años de tormenta, spanische Literatur, Franquismus, Transición, Vergangenheitsbewältigung, Fiktion, Erzählperspektive, Rhetorik des kollektiven Gedächtnisses.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Inszenierung des Attentats auf Carrero Blanco im Jahr 1973 in zwei verschiedenen spanischen Romanen und untersucht, wie diese das historische Ereignis innerhalb der spanischen Erinnerungskultur verarbeiten.
Die zentralen Themen sind das kollektive Gedächtnis, die Rolle der Literatur als Medium für Vergangenheitskonstruktionen, die Bedeutung des Attentats für die spanische Geschichte sowie die Analyse narrativer Strategien in Romanen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die literarische Darstellung desselben historischen Ereignisses in zwei Romanen, die in unterschiedlichen zeitlichen Abständen zum Anschlag entstanden sind, unterscheidet und welche Rolle dabei erinnerungskulturelle Konzepte spielen.
Die Arbeit stützt sich auf die erzähltheoretische Analyse und insbesondere auf das Konzept der "Rhetorik des kollektiven Gedächtnisses" nach Astrid Erll, um die Funktionsweise der literarischen Vergangenheitsdarstellung zu untersuchen.
Der Hauptteil analysiert zunächst den historischen Hintergrund des Attentats, führt dann in die theoretischen Grundlagen ein und widmet sich anschließend der detaillierten Untersuchung der beiden Romane „Demasiado para Gálvez“ und „Viví años de tormenta“.
Wichtige Begriffe sind unter anderem kollektives Gedächtnis, Erinnerungskultur, Carrero Blanco, ETA, literarische Inszenierung, Zeitgeschichte und narrative Vermittlung.
Der Detektivroman „Demasiado para Gálvez“ integriert das Attentat eher als fiktives Ereignis innerhalb eines Kriminalfalls, während „Viví años de tormenta“ das Ereignis explizit und reflexiv aus unterschiedlichen Perspektiven aufarbeitet, um seine Bedeutung für die spanische Gesellschaft zu hinterfragen.
Die Zeitspanne verdeutlicht einen Wandel: Während der erste Roman aus einer Zeit stammt, die näher am Attentat liegt und eine eher implizite Darstellung wählt, erlaubt die größere zeitliche Distanz des zweiten Romans eine bewusste, reflexive und wertende Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
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