Masterarbeit, 2014
101 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Die Anwerbeabkommen der Bundesrepublik
2.1. Soziale und ökonomische Ausgangslage der Bundesrepublik vor den Anwerbeabkommen
2.2. Das Anwerbeabkommen mit Italien - Vorlage für die kommenden Vereinbarungen
2.3. Die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte als „temporäre Lösung“
2.4. Außenpolitische Aspekte der Anwerbeabkommen
2.5. Der „Anwerbestopp“ von 1973 und seine Folgen
3. Ausgangslage und Entwicklung der „Gastarbeit“ in der Bundesrepublik
3.1. Die sozialökonomische Ausgangslage der Arbeitsmigranten
3.2. Entwicklung der Arbeitsmigration in die Bundesrepublik 1955-1973
4. Analyse der Selbstaussagen von Arbeitsmigranten
4.1. Analysekriterien
4.2. Zur Quellenlage
4.3. Soziale Herkunft und Ausbildung der Befragten
4.3.1. Soziale Herkunft der Befragten
4.3.2. Schulische und berufliche Ausbildung der Befragten vor ihrer Beschäftigung in der Bundesrepublik
4.4. Migrationsmotive der Befragten
4.4.1. Ökonomische Motive
4.4.2. Erfahrungen von Verwandten und Freunden
4.4.3. Wunsch nach größeren persönlichen Freiheiten
4.4.4. Bildungschancen in der Bundesrepublik
4.4.5. Andere Gründe
4.5. Die Lebens- und Arbeitswelt in der Bundesrepublik in der Wahrnehmung der Befragten
4.5.1. Wahrnehmung der Arbeitswelt in der Bundesrepublik
4.5.2. Wahrnehmung von Leben und Kultur in der Bundesrepublik
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwerbeabkommen der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1955 und 1973 sowie die daraus resultierende Arbeitsmigration. Ein zentrales Ziel ist es, über die rein wirtschaftliche Perspektive hinaus die Selbstaussagen und Lebenswelten der Arbeitsmigranten zu analysieren, um ein differenzierteres Bild der sogenannten "Gastarbeiter" zu zeichnen, fernab der Rolle als passive Opfer.
Die Lebens- und Arbeitswelt in der Bundesrepublik in der Wahrnehmung der Befragten
Für viele Arbeitsmigranten standen sowohl die sozialen Verhältnisse der Aufnahmegesellschaft, als auch die hochindustrialisierte berufliche Umgebung in einem starken Kontrast zu den Konstellationen die sie aus ihrer Heimat kannten. Wie bereits beschrieben, stammte ein Großteil der „Gastarbeiter“ aus ländlich geprägten Gegenden, in denen die Subsistenzwirtschaft überwog. Darüber hinaus waren traditionell orientierte Lebensformen weit verbreitet und die Transformation in eine moderne Industriegesellschaft begann gerade erst.
Von diesem „Kulturschock“ vieler Arbeitsmigranten bei ihrer Ankunft in Deutschland berichtete Der Spiegel in einem Artikel von 1970 am Beispiel türkischer „Gastarbeiter“:
„Andere Sitten herrschen sicher hinten in der Türkei. Die Gastarbeiter aus dem anatolischen Hochland und aus den mazedonischen Bergen, wo Fernsehen fast so unbekannt ist wie Flaschenbier, können manchmal wirklich weder lesen noch schreiben; einige illuminieren ihre Lehmhütten tatsächlich noch mit dem Talglicht; und fast alle sind an Zentralheizung ebensowenig gewöhnt wie an Fahrstühle und Müllschlucker.
Die meisten haben die Mohn- und Kürbisfelder einer archaischen Agrarlandschaft verlassen und sind, nach ein paar Dutzend Zugstunden, hineingeraten in eine Industriewelt, die ihnen so fabelhaft vorkommen muß wie die Geschichten von Tausendundeiner-Nacht: Aladins Wunderlampe blitzt an Fließbändern auf, an Stanzmaschinen und am Generator.
Von einem Tag auf den anderen müssen sie die gewohnte Umgebung, das Klima, den tradierten Lebensrhythmus, die Geborgenheit der Großfamilie entbehren. "Die damit verbundene zeitweilige Orientierungslosigkeit" deutet die Soziologin Ursula Kurz als einen "Kulturkonflikt", dem die Gastarbeiter durch einen "Prozeß des Ersetzens traditioneller Wertorientierungen durch solche eines anderen sozial-kulturellen Systems" ausgesetzt sind.“
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Geschichte der Gastarbeit in der BRD und hinterfragt die einseitige Wahrnehmung der Arbeitsmigranten als passive Opfer wirtschaftlicher Interessen.
2. Die Anwerbeabkommen der Bundesrepublik: Dieses Kapitel analysiert die ökonomischen und außenpolitischen Faktoren, die zum Abschluss der bilateralen Anwerbeverträge führten.
3. Ausgangslage und Entwicklung der „Gastarbeit“ in der Bundesrepublik: Hier werden die sozioökonomischen Bedingungen in den Entsendeländern und die statistische Entwicklung der Arbeitsmigration bis 1973 dargelegt.
4. Analyse der Selbstaussagen von Arbeitsmigranten: Das Hauptkapitel untersucht basierend auf Interviews die Hintergründe, Motive, Arbeitserfahrungen und Lebensbedingungen der Migranten.
5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Gastarbeiter eine heterogene Gruppe darstellten, deren Entscheidung zur Migration meist aus einer Mischung aus wirtschaftlicher Notwendigkeit und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit resultierte.
Gastarbeiter, Anwerbeabkommen, Bundesrepublik, Arbeitsmigration, Wirtschaftsgeschichte, Migrationsmotive, Industriegesellschaft, Integration, Lebenswelt, Selbstwahrnehmung, Remigration, Rotationsprinzip, Anwerbestopp, Soziale Herkunft, Qualifikation
Die Arbeit analysiert die Geschichte der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1955 und 1973 und beleuchtet dabei insbesondere die Perspektive der Migranten selbst.
Zentrale Themen sind die politisch-ökonomischen Hintergründe der Anwerbeabkommen, die verschiedenen Motive für die Migration sowie die Wahrnehmung der Arbeits- und Lebenswelt in Deutschland durch die Migranten.
Das Ziel ist es, ein differenzierteres Bild der sogenannten "Gastarbeiter" zu zeichnen, indem die Forschung von der Rolle als passive Opfer wirtschaftlicher Interessen hin zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der Selbstwahrnehmung der Betroffenen gelenkt wird.
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse soziologischer Untersuchungen und Interviews mit ehemaligen Arbeitsmigranten, um deren individuelle Erfahrungen und Selbstaussagen zu bewerten.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Herkunft und Qualifikation der Befragten, ihren Migrationsmotiven – wie ökonomische Verbesserung oder persönlicher Freiheitswunsch – sowie ihrem Erleben der Arbeitsbedingungen und der Lebensumstände in der BRD.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Anwerbeabkommen, Gastarbeiter, Migrationsmotive, industrielle Arbeitswelt, soziale Herkunft und persönliche Freiheit charakterisiert.
Im Vergleich zur oft trostlosen wirtschaftlichen und sozialen Situation in ihren Herkunftsländern bot Deutschland den Migranten bessere Verdienstmöglichkeiten, Zugang zu Infrastruktur und oft auch eine größere individuelle Freiheit abseits traditioneller familiärer Zwänge.
Viele Migranten erlebten den Wechsel von einer agrarisch geprägten Subsistenzwirtschaft in die hochindustrialisierte Welt Deutschlands als einschneidend. Dieser Kontrast führte oft zu einer Neubewertung der eigenen Heimat als "rückständig", während die deutsche Ordnung und Sauberkeit anfangs als erstrebenswert oder überlegen wahrgenommen wurden.
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