Bachelorarbeit, 2004
39 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Vorgehen
3 Kollektives Handeln
3.1 Grundlegende Merkmale einer Interessengruppe
3.2 Entstehen von Interessengruppen
3.3 Mittel der Beeinflussung
3.4 Interaktion zwischen Interessengruppen
3.4.1 Wettbewerb
3.4.2 Kooperation
4 Einflussnahme in der Europäischen Union
4.1 Definition des politischen Systems der EU
4.2 Institutionen der EU
4.3 Interessenvertretung in der EU
5 Das Modell
5.1 Formale Darstellung des Lobbyingprozesses
5.1.1 Ablauf des Lobbyingprozesses
5.1.2 Annahmen über die Interessengruppen
5.2 Kooperationsentscheidungen der Interessengruppen
5.3 Einfluss der Institutionen auf die Kooperationsentscheidung
5.3.1 Rat
5.3.2 Kommission
5.3.3 Europäisches Parlament
5.4 Einfluss veränderter Rahmenbedingungen
5.4.1 EU-Erweiterung
5.4.2 Europäische Verfassung
6 Fazit
7 Bibliographie
Die vorliegende Arbeit untersucht das Kooperations- und Wettbewerbsverhalten von Interessengruppen bei der Einflussnahme auf politische Entscheidungsprozesse in der Europäischen Union. Das primäre Ziel ist es, ein Modell zu entwickeln, das erklärt, unter welchen institutionellen Bedingungen Interessengruppen dazu motiviert sind, Allianzen zu bilden, um ihre Interessen effektiv zu vertreten.
3.4.1 Wettbewerb
Interessengruppen stehen im Wettbewerb um den Zugang zu politischen Institutionen und Entscheidungsträgern. Der Zugang ist notwendige Bedingung für eine erfolgreiche Beeinflussung des politischen Entscheidungsprozesses. Tauschgut einer Interessengruppe sind hierbei Informationen zu einem bestimmten Sachverhalt, die den politischen Entscheidungsträgern zugänglich gemacht werden sollen. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Wert der Information einer Interessengruppe bereits bei der zweiten Übermittlung den Wert Null annimmt und eine zweite Interessengruppe mit derselben Information im weiteren Entscheidungsprozess keinen Einfluss auf die politische Maßnahme ausüben kann.
Neben dieser möglichen Konfliktlinie ist zusätzlich das Motiv der Interessengruppe von Bedeutung, aufgrund dessen sie die Information übermittelt. Abbildung 1 zeigt, dass sich die Interessengruppen in einer Konkurrenzsituation befinden, falls sie mit derselben Information unterschiedliche Ziele verfolgen. Konkurrenz besteht also beispielsweise zwischen dem Verband der Energiewirtschaft und dem Landschaftsschutzverband wenn beide eine Stellungnahme zur Planung eines neuen Kohlekraftwerks an den politischen Entscheider einreichen. Kooperation in diesem Beispiel hingegen ist möglich, wenn beide Gruppen den Ausbau einer Umgehungsstraße befürworten und ihre Argumente für den Ausbau aus unterschiedlichen Blickwinkeln darstellen.
Wettbewerb von Gruppen in einem Modell mit zwei Interessengruppen wird besonders deutlich, wenn in distributiven politischen Maßnahmen die eine Gruppe Subventionen erwirkt, die durch die Steuern der anderen Gruppe finanziert werden. Der Erfolg des Lobbyings ist also nicht nur vom Erfolg des eigenen Lobbyings abhängig, sondern viel mehr vom relativen Erfolg im Vergleich zur anderen Interessengruppe (BECKER, 1983: 379f). Hieraus ergibt sich das Phänomen der Verschleuderung von Renten bei konkurrierenden Interessengruppen: Sofern rent-seeking Aktivitäten Kosten verursachen und weder Informationen übermitteln, noch einen Transfer (auch in Form von Parteispenden oder Bestechungsgelder) darstellen, sondern lediglich den Zweck erfüllen, den Einfluss der konkurrierenden Gruppe zu vermindern, so können diese Kosten als Verschwendung aufgefasst werden.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Interessenvertretung in der EU ein und erläutert die Heterogenität der Akteure sowie die Notwendigkeit strategischer Kooperation.
2 Vorgehen: Dieses Kapitel skizziert die theoretische Basis und den methodischen Ansatz, um das Zusammenwirken von Interessengruppen zu analysieren.
3 Kollektives Handeln: Hier werden die theoretischen Grundlagen des kollektiven Handelns, der Anreizstrukturen für Interessengruppen und der Interaktionsformen zwischen diesen, nämlich Wettbewerb und Kooperation, beleuchtet.
4 Einflussnahme in der Europäischen Union: Dieses Kapitel beschreibt das institutionelle Umfeld der EU als Mehrebenensystem und erörtert, wie unterschiedliche Institutionen Lobbying-Signale verarbeiten.
5 Das Modell: Den Kern der Arbeit bildet die formale Modellierung des Lobbyingprozesses sowie die Untersuchung der Kooperationsentscheidungen unter dem Einfluss verschiedener EU-Institutionen und sich wandelnder Rahmenbedingungen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Modellergebnisse zusammen und diskutiert die Erkenntnisse hinsichtlich der strategischen Optionen von Interessengruppen sowie der Grenzen der politischen Einflussnahme.
7 Bibliographie: Dieses Kapitel listet alle verwendeten Fachquellen und Referenzen auf.
Europäische Union, Interessengruppen, Lobbying, Kooperation, Wettbewerb, Mehrebenensystem, Kollektives Handeln, Politische Institutionen, Entscheidungsfindung, Interessenvertretung, Informationsaustausch, Koalitionsbildung, EU-Erweiterung, Europäische Verfassung, Public Choice.
Die Arbeit untersucht, unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen Interessengruppen in der Europäischen Union entscheiden, miteinander zu kooperieren, anstatt im Wettbewerb um politischen Einfluss zu stehen.
Die Themen umfassen die Theorie des kollektiven Handelns, die Funktionsweise der EU-Institutionen und die strategische Modellierung von Lobbyingprozessen.
Das Ziel ist die Entwicklung eines Modells, das die Kooperationsbereitschaft von Interessengruppen im Hinblick auf institutionelle Zugangsbeschränkungen und Veränderungen des politischen Rahmens erklärt.
Die Arbeit nutzt einen spieltheoretisch orientierten, modelltheoretischen Ansatz (Public-Choice-Perspektive), um die Interaktion zwischen Interessengruppen formal abzubilden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der Interessengruppenforschung, eine Beschreibung der EU-Institutionen sowie eine detaillierte formale Modellierung der Kooperationsentscheidungen.
Zentrale Begriffe sind Lobbying, Kooperation, Wettbewerb, EU-Institutionen, Interessengruppen und Public Choice.
Weil jede dieser Institutionen unterschiedliche Entscheidungsregeln besitzt, einen variierenden Bedarf an externem Fachwissen hat und unterschiedlich stark auf Lobbyingaktivitäten reagiert.
Diese Ereignisse dienen als externe Variablen, die den institutionellen Rahmen und somit die Anreize für Interessengruppen verändern, was im Modell durch modifizierte Parameter abgebildet wird.
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