Examensarbeit, 2014
147 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Über die Kinderzeichnung
2.1 Kinderzeichnung und Persönlichkeit
2.2 Kinderzeichnung als Kommunikationsmedium
2.3 Untersuchung und Deutung von Kinderzeichnungen
2.4 Kinderzeichnung und Lebenswelt
3. Über die Kinderzeichnungsforschung: Standpunkte und Perspektiven
3.1 Die Entwicklung der Kinderzeichnungen
3.2 Phasen der Kinderzeichnung
3.2.1 Die Kritzelphase| ab etwa 18 Monaten
3.2.2 Vorschemaphase und Werkreife | ca. ab 4 Jahre
3.2.3 Schemaphase I | ca. 5 bis etwa 8 Jahre
3.2.4 Anmerkungen zur Schemaphase
3.2.5 Schemaphase II | ca. 8 bis 12 Jahre
4. Forschungsinteresse und Forschungsdesign
4.1 Methodische Grundlagen
4.2 Qualitative empirische Forschungsmethoden
4.2.1 Auswertung
4.2.2 Triangulation
4.3 Einzelfallanalyse
5. Biografie
5.1 Biografieforschung als Methode qualitativer Empirie
5.2 Probleme biografisch-ästhetischer Forschung
5.3 Das narrative Interview
5.3.1 Die Rolle von Text als Forschungsmaterial und Erhebungsmedium
5.3.2 Vorgehensweise
5.3.3 Vorbereitung und Konzept
5.3.4 Kontaktaufnahme
5.3.5 Erhebung
5.3.6 Durchführung des Interviews
5.3.7 Auswertung und Interpretation
6. Fallstudie X. - Erforschung bildnerisch-ästhetischer Äußerungen und Prozesse
6.1 Entstehungskontext der Kinderzeichnungen: Haiti zur Zeit des Aufenthaltes
6.1.1 Allgemeine Daten zum Land – Geografie, Wirtschaft, Klima, Religion
6.2 Rekonstruktion einer Biografie durch fotografische und schriftliche Dokumente
6.2.1 Biografie
7. Kategorisierung der gesamten Kinderzeichnungen
7.1 Zum Material
7.2 Einteilung
7.3 Gesamteindruck
7.4 Kritzeleien
7.5 Schablonen oder institutioneller Bezug
7.6 Technikbezug
7.7 Menschen, Tiere und Häuser
7.8 Natur und Umwelt
7.9 Krankheit, Krieg und Tod
7.10 Geografie, Kultur, Identität
7.11 Zusammenfassung
8. Auswertungsmethode nach Schoppe
8.1 Besondere Themen und besondere Probleme: Sehnsucht und Heimat
8.2 Auswertung des Motivs „Sehnsuchts- und Wutbilder“ nach Schoppe
8.2.1 Differenzierung des Motivs
8.2.2 Inhaltlich-intentionaler Gesamteindruck
8.2.3 Blattausnutzung
8.2.4 Quantität/Qualität der Farbe
8.2.5 Stellenwert der Bildtexte für die Motivstruktur
8.2.6 Stellenwert der Menschdarstellung für die Motivstruktur
8.2.7 Die Worte zu den Bildern: Gegenüberstellung
8.2.8 Zusammenfassung
9. Ergebnisse: Bezüge zwischen bildnerischen Darstellungen und der Biografie
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der bildnerischen Entwicklung eines Kindes und dessen biografischem Kontext, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, welche Aussagen über die bildnerische Entwicklung im biografischen Rahmen getroffen werden können. Durch eine qualitative Fallstudie eines Erwachsenen, der seine Kinderzeichnungen reflektiert, wird erforscht, wie sich Lebenswelt und Biografie in ästhetischen Äußerungen widerspiegeln.
2.1 Kinderzeichnung und Persönlichkeit
Bevor ein Kind zu einer bildnerischen Darstellung kommt, kann angenommen werden, dass einige grundlegende Vorerfahrungen vorzufinden sind. Die Motorik hat sich so verfeinert, dass der Gegenstand, welcher eine Spur hinterlässt, gehalten und auf einer Ebene geführt werden kann. Der Zusammenhang zwischen Bewegung und Spur wurde beobachtet und verstanden. Des Weiteren wird die Bewegung nun so bewusst geführt, dass keine willkürliche, sondern die tatsächlich beabsichtigte Figur auf dem Untergrund erscheint. Die Zeichenbewegung, die vorher aus dem ganzen Arm heraus geführt wurde, geschieht nun durch die verfeinerte und kontrollierte Führung der Hand.
Durch eine kontrolliert geführte, aber frei und spontan angefertigte Kinderzeichnung offenbart ein Kind nicht nur kognitive, motorische Fähigkeiten, eine momentane Raumorganisation und Einblick in die subjektive Wahrnehmung, sondern auch Facetten der eigenen Persönlichkeit. Bilder sind gewissermaßen ein Abdruck einer momentanen Gefühlslage und ein Zeugnis von Weltaneignung. Besonders prägende oder bedeutende Erlebnisse wie beispielsweise ein Besuch im Zoo, eine Schifffahrt, ein schönes Weihnachtsfest, ein tolles Geschenk oder Ähnliches finden daher oft Einzug in die Kinderzeichnung. Aber auch Ängste, Wünsche und Eigenarten eines Kindes. Die nicht seltenen Wiederholungen von Elementen oder Teilelementen lassen eine dauerhafte Beschäftigung mit einem bestimmten Inhalt erahnen. Daher lässt sich die Kinderzeichnung als Projektionsfläche der Persönlichkeit betrachten (vgl. Wildlöcher 1995: 98), indem sich anhand von dargestellten Themen und Merkmalen ein authentischer Einblick in die Persönlichkeitsstruktur erhalten lässt. Die Kinderzeichnung wird somit, neben der entwicklungsfördernden und aufzeigenden Komponente, ein Schlüssel zur Persönlichkeit des Kindes.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung nach dem Zusammenhang von bildnerischer Entwicklung und Biografie und begründet das gewählte methodische Vorgehen.
2. Über die Kinderzeichnung: Dieses Kapitel erläutert Grundlagen wie die Bedeutung von Kinderzeichnungen als Kommunikationsmedium und Projektionsfläche der kindlichen Persönlichkeit.
3. Über die Kinderzeichnungsforschung: Standpunkte und Perspektiven: Hier werden theoretische Ansätze der Forschung sowie die wesentlichen Entwicklungsphasen des kindlichen Zeichnens dargelegt.
4. Forschungsinteresse und Forschungsdesign: Das Kapitel beschreibt das methodische Design der Arbeit, basierend auf einer qualitativen Einzelfallanalyse und narrativen Interviews.
5. Biografie: Es wird der theoretische Rahmen der Biografieforschung erörtert und die Relevanz biografischer Daten für die ästhetische Forschung begründet.
6. Fallstudie X. - Erforschung bildnerisch-ästhetischer Äußerungen und Prozesse: Das Kapitel rekonstruiert den Entstehungskontext der Zeichnungen vor dem Hintergrund des Auslandsaufenthaltes auf Haiti.
7. Kategorisierung der gesamten Kinderzeichnungen: Die Gesamtheit des Materials wird kategorisiert und hinsichtlich ihrer quantitativen Entwicklung und thematischen Schwerpunkte analysiert.
8. Auswertungsmethode nach Schoppe: Die spezifische Analysemethode nach Schoppe wird eingeführt und auf das Motiv der "Sehnsuchts- und Wutbilder" angewendet.
9. Ergebnisse: Bezüge zwischen bildnerischen Darstellungen und der Biografie: Das Kapitel führt die Ergebnisse zusammen und beantwortet die zentrale Forschungsfrage zum Einfluss der Biografie auf die bildnerische Entwicklung.
Kinderzeichnung, Biografie, Biografieforschung, Lebenswelt, Ästhetische Forschung, Fallstudie, Entwicklung, Motivstruktur, Haiti, Kommunikation, Selbstbild, Kindheit, Qualitative Forschung, Sehnsuchtsbilder, Bildanalyse
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der bildnerischen Entwicklung eines Kindes über einen Zeitraum von acht Jahren und untersucht, inwiefern sich persönliche Biografieerlebnisse in dessen Zeichnungen widerspiegeln.
Zentrale Themen sind die Verbindung von Kinderzeichnung und Lebenswelt, die methodischen Ansätze der Biografieforschung sowie die kunstpädagogische Analyse spezifischer Motive, die durch biografische Zäsuren wie einen Auslandsaufenthalt geprägt sind.
Das Ziel ist es, herauszufinden, welche Aussagen über die bildnerische Entwicklung eines Kindes im biografischen Kontext getroffen werden können und ob sich Zusammenhänge zwischen Lebensereignissen und der Gestaltung auf dem Papier nachweisen lassen.
Es wird ein qualitativer, rekonstruktiver Ansatz gewählt. Dies umfasst die Kategorisierung von 633 Kinderzeichnungen, eine Einzelfallanalyse sowie die Durchführung und Auswertung narrativer Interviews in Kombination mit biografischen Dokumenten.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Grundlagenteil zur Kinderzeichnungsforschung, eine detaillierte Dokumentation des Einzelfalls (Fallstudie X.) und die systematische Auswertung ausgewählter Bildmotive nach der Methode von Andreas Schoppe.
Wichtige Begriffe sind Kinderzeichnung, Biografieforschung, Lebensweltorientierung, Sehnsuchts- und Wutbilder, qualitative Empirie und ästhetische Prozesse.
Der Aufenthalt auf Haiti stellt eine zentrale biografische Zäsur dar. Er führte zu einer deutlichen Veränderung der Motivstruktur, etwa durch das vermehrte Auftreten von "Sehnsuchts- und Wutbildern", die eine intensive Auseinandersetzung mit der fremden Umgebung und dem Wunsch nach Rückkehr nach Deutschland dokumentieren.
Schoppes Methode wurde gewählt, da sie nicht nur das fertige "Objekt Zeichnung" betrachtet, sondern den Fokus auf das "Subjekt Kind" und dessen Handeln in seiner Lebenswelt legt, was optimal zur biografischen Fragestellung passt.
Die Arbeit betont, dass eine objektive Entschlüsselung unmöglich ist. Interpretationen werden als vorläufige Deutungen verstanden, die durch die Verknüpfung mit den biografischen Äußerungen des Schöpfenden (in Interviews) intersubjektiv nachvollziehbar gemacht werden sollen.
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