Examensarbeit, 2007
102 Seiten, Note: 1,5
2. Einleitung
3. Das Menschenbild des Christentums protestantischer Ausprägung
3.1 Imago Dei
3.2 Erbsünde
3.3 Rechtfertigung
3.3.1. Sola gratia
3.3.2. Glaube - per fidem
3.3.3. Glaube und Werke
3.3.4. Simul iustus et peccator
3.3.5. Propter Christum
4. Das Menschenbild des Islam
4.1 Grundsätzliches zur islamischen Anthropologie
4.2 Zum Verhältnis göttlicher Allmacht und menschlicher Handlungsfreiheit
4.3 Der islamisches Menschenbild auf der Grundlage des Koran
4.4 Ursprung/ Das Wesen und Bestimmung/Ziel des Menschen/menschlichen Lebens
4.5 Das Sündenverständnis des Koran und dessen Konsequenzen für das islamische Menschenbild
4.6 Die Stellung des Menschen vor Gott
5. Das Menschenbild der Aufklärung am Beispiel Lessings
6. Einleitendes zum Thema Toleranz
6.1 Zur Begriffsgeschichte des Terminus Toleranz
6.2 Das Paradox bzw. logische Grenzen der Toleranz
7. Toleranz im Christentum protestantischer Ausprägung
7.1 Wahrheitsgewissheit als Basis von Toleranz
7.2 Die tolerantia Dei als Grundlage (interreligiöser) Toleranz
8. Toleranz im Islam
8.1 Vorüberlegungen und Grundlagen des islamischen Toleranzverständnisses
8.2 Einteilung der Nichtmuslime bzw. der Ungläubigen in verschiedene Kategorien
8.3 Geschichtlich bedingter Wandel in Mohammads Haltung gegenüber Nicht-Muslimen
8.3.1. Die islamische Haltung gegenüber Polytheisten
8.3.2. Die Position des Islam gegenüber Juden und Christen
8.4 Apostasie als Beispiel religiöser Intoleranz im Islam
8.5 Fazit zum Toleranzverständnis im Islam
9. Das Toleranzverständnis der Aufklärung - untersucht auf der Basis/am Beispiel von Lessings Ringparabel
10. Fazit
Die Arbeit untersucht das Verständnis von Menschsein und Toleranz innerhalb dreier einflussreicher Traditionen der abendländischen Kultur – dem Christentum protestantischer Ausprägung, dem Islam und der Aufklärung – um aufzuzeigen, wie unterschiedliche anthropologische Grundlagen jeweils Spielräume oder Grenzen für religiös-weltanschauliche Toleranz definieren.
2.3.1. Sola gratia
Die reformatorische Rechtfertigungslehre, wie sie beispielsweise in CA IV artikuliert wurde, gilt es auf der Grundlage der beiden zuvor erläuterten Paradigmen theologischer Anthropologie, insbesondere der reformatorischen Erbsündenlehre, darzustellen. Im Gegensatz zum katholischen Sündenverständnis, demzufolge die Auswirkungen der Erbsünde sich in einer bloßen Veränderung des Menschen „zum Schlechteren“ erschöpfen, versteht reformatorische Theologie Erbsünde als eine Wirklichkeit, die den Menschen global, in all seinen Lebensvollzügen und auf allen Beziehungsebenen bestimmt, die die Beziehung des Menschen zu Gott einseitig kappt. Den Menschen nach dem Fall zeichnet die reformatorische Seite als Egozentriker im wörtlichen Sinne, insofern als er die Abhängigkeit von seinem Schöpfer negiert. Vor diesem Hintergrund ist es aus reformatorischer Sicht schlichtweg undenkbar, dass der Mensch unter der Sünde einen wie auch immer gearteten eigenen Beitrag zu seiner Rechtfertigung zu leisten vermag. Der Mensch, der dem Einfluss der Erbsünde unterworfen ist, kann aus sich selbst ausschließlich Sünde hervorbringen. Denn falls es dem Menschen möglich wäre, gewissermaßen in Zusammenarbeit mit Gott, sein eigenes Heil zu erwirken, würde die Erlösung der Menschheit nicht exklusiv auf Christus, auf dessen Kreuzestod und Auferweckung gründen. Eine solche Sichtweise, welche die auch nach der Taufe fortbestehende Sündhaftigkeit des Menschen verkennt und damit gleichzeitig auf das Prinzip der Werkgerechtigkeit zurückgreift, ist von reformatorischer Seite klar abzulehnen.
2. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des religiösen Pluralismus ein und umreißt die Untersuchung des Menschenbildes und des Toleranzverständnisses im Christentum, Islam und der Aufklärung.
3. Das Menschenbild des Christentums protestantischer Ausprägung: Dieses Kapitel erörtert die anthropologischen Grundlagen, insbesondere die Bestimmung zum "imago Dei", die Erbsündenlehre und die reformatorische Rechtfertigungslehre.
4. Das Menschenbild des Islam: Hier wird die islamische Anthropologie analysiert, die den Menschen primär als "Diener Gottes" sieht und eine strikte Trennung zwischen der Allmacht Gottes und der menschlichen Handlungsfreiheit wahrt.
5. Das Menschenbild der Aufklärung am Beispiel Lessings: Dieses Kapitel beleuchtet Lessings Schrift "Die Erziehung des Menschengeschlechts" und dessen Rationalismus und Perfektionismus.
6. Einleitendes zum Thema Toleranz: Es erfolgt eine begriffsgeschichtliche Herleitung des Toleranzbegriffs und eine Erörterung seiner logischen Grenzen.
7. Toleranz im Christentum protestantischer Ausprägung: Das Kapitel untersucht Wahrheitsgewissheit und die "tolerantia Dei" als tragfähige Säulen für religiös fundierte Toleranz.
8. Toleranz im Islam: Diese Analyse beleuchtet das ambivalente Verhältnis des Islam gegenüber Nicht-Muslimen, geprägt von rechtlicher Duldung bis hin zu Intoleranz bei Apostasie.
9. Das Toleranzverständnis der Aufklärung - untersucht auf der Basis/am Beispiel von Lessings Ringparabel: Es wird kritisch diskutiert, ob die Ringparabel tatsächlich als Basis für religiöse Toleranz taugt oder eher in einen religiösen Relativismus führt.
10. Fazit: Die Arbeit fasst die zentralen anthropologischen Unterschiede zusammen und bewertet die verschiedenen Toleranzkonzepte im Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit in der pluralistischen Moderne.
Menschenbild, Protestantismus, Islam, Aufklärung, Toleranz, Rechtfertigung, Erbsünde, Wahrheitsgewissheit, tolerantia Dei, interreligiöser Dialog, Ringparabel, Lessing, Apostasie, Religion, Säkularisierung
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von anthropologischen Grundannahmen und Toleranzkonzepten in drei prägenden Traditionen: dem reformatorischen Christentum, dem Islam und der Aufklärung.
Die Schwerpunkte liegen auf der theologischen Begründung des Menschenseins, der Sündenlehre, dem Verständnis von Offenbarung sowie den spezifischen Ansätzen zur Begründung religiöser Toleranz innerhalb der jeweiligen Glaubens- oder Denksysteme.
Es wird untersucht, welcher Spielraum die jeweiligen theologischen und anthropologischen Grundlagen für die Ausübung von Toleranz bieten und wie leistungsfähig diese Ansätze in der pluralistischen Wirklichkeit der Gegenwart sind.
Die Arbeit nutzt die Analyse maßgeblicher Gründungsschriften, reformatorischer Lehrmeinungen, koranischer Textbelege sowie Lessings philosophischer Schriften, um diese in einen historischen und systematischen Kontext zu stellen.
Der Hauptteil gliedert sich in die anthropologischen Entwürfe der drei Traditionen, gefolgt von einer detaillierten Untersuchung ihrer spezifischen Ansätze zur Toleranz, unter besonderer Berücksichtigung der Wahrheitsfrage.
Wesentliche Begriffe sind das Menschenbild, die Rechtfertigung (besonders sola gratia und simul iustus et peccator), der islamische Dhimmi-Status, das Prinzip der "tolerantia Dei" sowie die aufklärerische "perfektibilität" des Menschen.
Der Autor stellt kritisch in Frage, ob die Ringparabel als Basis für religiöse Toleranz taugt, da er Lessings Ansatz als einen Relativismus identifiziert, der die spezifischen Glaubensüberzeugungen ihrer Substanz beraubt.
Der Islam zeigt sich aus Sicht der Arbeit ambivalent: Er bietet einerseits rechtliche Duldungsmodelle für "Schriftbesitzer", zeigt sich aber in innerislamischen Fragen der Apostasie als eine in ihrer Radikalität sehr intolerante Religion.
Das reformatorische Toleranzverständnis stützt sich auf die Wahrheitsgewissheit als souveränen Schöpfungsakt Gottes und auf die "tolerantia Dei", was Christen entlastet und einen respektvollen, aber eindeutigen Dialog ermöglicht.
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