Diplomarbeit, 2010
154 Seiten, Note: 1,0
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1. Einleitung
1.1 Bedeutung des Begriffs „Maxi“
1.2 Die Geschichte der Maxi
1.3 Siedlungsgebiete und Beschäftigungen der Maxi
1.4 Glauben und Religionen der Maxi
1.5 Die Maxi-Sprache
1.5.1 Sprachzugehörigkeit der Maxi
1.5.2 Alphabet der Maxi-Sprache
1.5.2.1 Vokale
1.5.2.2 Konsonanten
1.5.2.3 Digraphen
1.5.2.4 Weitere Besonderheiten
2. Die Märchenkultur der Maxi
2.1 Bedeutung des Begriffs „Maxi-Märchen“
2.2 Schwierigkeiten bei der Märchensammlung
2.3 Probleme bei der Transkription und Übersetzung der gesammelten Märchen
2.4 Zum Stand der Erforschung der Maxi-Märchen in Benin
2.5 Darstellung der aufgezeichneten Maxi-Märchen und ihre Transkription und Übersetzung ins Deutsche
2.5.1 Märchen Nr. 1: Das Waisenmädchen und seine Stiefmutter
2.5.2 Märchen Nr. 2: Das hartnäckige Mädchen
2.5.3 Märchen Nr. 3: Die drei Prinzessinnen
2.5.4 Märchen Nr. 4: Der Jäger und die Büffelkuh
2.5.5 Märchen Nr. 5: Das kinderlose Ehepaar
2.5.6 Märchen Nr. 6: Der Jäger und seine zwei Frauen
2.5.7 Märchen Nr. 7: Adjado, der Leprakranke und seine Frau
2.5.8 Märchen Nr. 8: Die jüngste Königin und ihre Mitfrauen
2.5.9 Märchen Nr. 9: Die Hexe und ihre Mitfrau
2.5.10 Märchen Nr.10: Der gewissenhafte Mann und seine Frau
2.6 Zu den gesammelten Märchen
2.6.1 Erzähltechnik bei den Maxi
2.6.2 Erzählstruktur in den Maxi-Märchen
2.6.3 Typologie der Maxi-Märchen
2.6.4 Funktionen der Maxi-Märchen
3. Das deutsche Märchen
3.1 Definition des Begriffs „Märchen“
3.2 Das Märchen und die anderen Genres der Oralität
4. Die weibliche Linie in den Maxi-Märchen mit Parallelen und Unterschiede zu den Grimmschen Märchen
4.1 Das Waisenmädchen
4.2 Die Tochter der Stiefmutter
4.3 Das Mädchen
4.4 Die Prinzessin
4.5 Die Ehefrau
4.6 Die Stiefmutter
4.7 Die Königin
4.8 Die alte Frau
4.9 Die Schwiegermutter
4.10 Die Hexe
5. Auswertung
5.1 Synthetischer Rückblick
5.2 Typisches Frauenbild in den Maxi-Märchen: die böse Mitfrau
5.3 Typisches Frauenbild in den Märchen der Brüder Grimm: die Spinnerin
Ziel dieser Arbeit ist eine vergleichende Untersuchung des Frauenbildes in den traditionellen Märchen der Maxi (Benin) und in den Märchen der Gebrüder Grimm. Dabei sollen sowohl die soziokulturellen Hintergründe beider Erzähltraditionen beleuchtet als auch spezifische weibliche Rollenmodelle analysiert werden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und literarischen Darstellung der Frau herauszuarbeiten.
2.5.1 Märchen Nr.1: Das Waisenmädchen und seine Stiefmutter
Mein Märchen springt hin und her und setzt sich endlich auf zwei Mitfrauen, die in einem Dorf lebten.
Einst lebten zwei Mitfrauen. Beide hatten Kinder. Im Laufe der Zeit verstarb die ältere Frau und verließ ihr Kind. Nach einiger Zeit starb ihr Mann auch.
So musste das Mädchen in Obhut seiner Stiefmutter kommen und wie ein Pferd arbeiten. Alle Hausarbeiten wurden ihm übertragen, seien es Geschirrspülen, Bodenkehren, Wasser- oder Holzholen und sogar Kochen; und die Tochter der Stiefmutter machte gar nichts. Obwohl das Mädchen das alles verrichtete, wurde ihm niemals von der Stiefmutter gedankt.
Das Allerschlimmste daran war, dass das Waisenmädchen eines Tages beim Geschirrspülen die Kalebasse der Stiefmutter aus Versehen zerbrach. Als die Stiefmutter das sah, schrie sie das Mädchen an: „Warum hast du meine Kalebasse zerbrochen? Besorge baldmöglichst eine neue! Eine Kalebasse mit ihrem Wasserinhalt muss ich unbedingt wieder haben, und das Wasser musst du am Fluss Azli holen! Ansonsten übernachtest du heute nicht zu Hause.”
Da sie so sprach, machte sich das Waisenmädchen weinend auf den Weg zum Fluss Azligbo, den es vorher noch nie gesehen hatte. Der Azligbo war aber ein großer Fluss und lag weit entfernt.
1. Einleitung: Diese Einleitung legt das Ziel der Arbeit dar, das Frauenbild in deutschen und beninischen Märchen vergleichend zu untersuchen, und begründet die Wahl des Maxi-Textkorpus.
2. Die Märchenkultur der Maxi: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung und Sammlung von Märchen bei den Maxi und bietet einen Einblick in die Transkriptionsproblematik sowie die Einbettung der Märchen in den soziokulturellen Kontext.
3. Das deutsche Märchen: Hier werden Definition und Wesen des deutschen Märchens sowie dessen Abgrenzung zu anderen oralen Gattungen theoretisch fundiert.
4. Die weibliche Linie in den Maxi-Märchen mit Parallelen und Unterschiede zu den Grimmschen Märchen: Der Hauptteil der Arbeit analysiert verschiedene weibliche Märchenfiguren wie das Waisenmädchen, die Stiefmutter oder die Hexe im interkulturellen Vergleich.
5. Auswertung: Dieses Kapitel fasst die komparatistischen Ergebnisse zusammen und erarbeitet die spezifischen Frauenbilder des jeweiligen Kulturraums.
Märchen, Frauenbild, Maxi-Märchen, Brüder Grimm, interkulturelle Märchenforschung, Stiefmutter, Oraltradition, Frauenfiguren, Märchenanalyse, Soziokultur, Benin, Deutschland, Typologie, Transkription
Die Arbeit untersucht das Bild der Frau in der Volksdichtung, konkret vergleicht sie beninische Märchen des Maxi-Volkes mit den bekannten Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
Zentral sind die Untersuchung weiblicher Rollenmodelle (wie Stiefmutter, Waise, Prinzessin) und die Analyse, wie gesellschaftliche Normen und soziale Realitäten in Märchen reflektiert werden.
Das Hauptziel ist es, das Frauenbild in diesen beiden kulturell unterschiedlichen Korpora kontrastiv zu analysieren und nach Gründen für Ähnlichkeiten oder Unterschiede in der Darstellung der Frau zu fragen.
Es wird eine komparatistische und literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die zudem soziologische und kulturanthropologische Aspekte einbezieht.
Im Hauptteil werden spezifische weibliche Archetypen, wie das Waisenmädchen, die Stiefmutter, die Königin oder die Hexe, detailliert auf ihre Eigenschaften, Funktionen und ihr Schicksal hin untersucht und verglichen.
Märchen, Frauenbild, Maxi-Kultur, Brüder Grimm, interkultureller Vergleich und soziologische Märchenanalyse sind prägend für diese Forschung.
Der Autor wählte die Maxi-Märchen aufgrund seiner eigenen Herkunft, seiner Vertrautheit mit der Sprache sowie des Mangels an bisheriger wissenschaftlicher Aufarbeitung dieses speziellen Märchenschatzes.
Die Mitfrau fungiert in den untersuchten Märchen häufig als Gegenspielerin, deren Handeln von Eifersucht, Neid und Missgunst geprägt ist, was oft auf die soziokulturellen Spannungen innerhalb polygamer Strukturen zurückzuführen ist.
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