Bachelorarbeit, 2013
42 Seiten, Note: 1,8
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
2. Ideologische Voraussetzungen für die Gesundheitspolitik im „Dritten Reich“
3. Der polykratische Staat Adolf Hitlers
3.1. Die Verwaltung der Stadt Dessau in der Zeit des Nationalsozialismus
4. Das Gesundheitswesen im Nationalsozialismus am Beispiel der Stadt Dessau
4.1. Die Umformung des Gesundheitswesens in der Zeit von 1933 bis 1945
4.1.1. Parteiliches vs. staatliches Gesundheitswesen – der Konflikt zwischen Dr. Gerhard Wagner und Dr. med. Arthur Gütt bis 1939
4.1.2. Der Einfluss des Zweiten Weltkrieges ab 1939
4.2. Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und die Anpassung von Justiz und Ärzteschaft
4.3. Die „Freigabe zur Vernichtung lebensunwerten Lebens“ – die „Euthanasie“ in der Anstalt Bernburg
5. Schlussbetrachtungen
Die vorliegende Arbeit untersucht den tiefgreifenden Wandel des Gesundheitswesens während der nationalsozialistischen Diktatur, wobei der Fokus exemplarisch auf der Stadt Dessau liegt. Ziel ist es, die Transformation von einer regulären medizinischen Versorgung hin zu einer rassistisch geprägten Erbgesundheitspolitik aufzuzeigen und die Rolle lokaler Ämter bei der Radikalisierung der NS-Ideologie zu analysieren.
3.1. Die Verwaltung der Stadt Dessau in der Zeit des Nationalsozialismus
Um die Entwicklung des Gesundheitswesens am Beispiel der Stadt Dessau erklären zu können, soll vorerst ein kurzer Überblick über die Situation der Stadt und auch über ihre Rolle im Land Anhalt und somit im „Dritten Reich“ geschaffen werden. Das Hauptaugenmerk soll hierbei auf der durch Gesetze und Verordnungen geschaffenen Veränderungen der Verwaltung und dem steigenden Einfluss der NSDAP auf die kommunale Politik liegen.
Bereits im Jahr 1923 hatte die Stadt zwischen Mulde und Elbe eine eigene NSDAP-Ortsgruppe. Der stetige Machtgewinn der NSDAP wird ebenfalls dadurch ersichtlich, dass schon 1928 ein Abgeordneter der Partei im anhaltischen Landtag saß und nur wenige Jahre darauf – im Jahre 1931 – bereits 15 Mitglieder der NSDAP im Dessauer Gemeinderat vertreten waren. Die Stadt Dessau wird somit zurecht als eine frühe „Hochburg des Nationalsozialismus“ bezeichnet. Am 24. April 1932 gewann die NSDAP dann die Wahlen zum anhaltischen Landtag mit 41,6% der Stimmen. Im darauf folgenden Monat sollte dann eine von der Partei geführte Landesregierung für den Freistaat Anhalt errichtet werden, die vom Ministerpräsidenten Alfred Freyberg geleitet wurde. Mit der Machtübertragung im Jahr 1933 sollte dann auch die vollkommene Machtentfaltung der NSDAP in der Hauptstadt des Gaues Magdeburg-Anhalt spürbar werden: der liberale Oberbürgermeister Fritz Hesse wurde seines Amtes enthoben und durch den SS-Sturmbannführer Hans Sander ersetzt. Durch den Erlass des „Gesetzes zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich“ im April 1933 wurde der noch bestehende anhaltische Landtag dann politisch gleich geschaltet um eine weitere Konsolidierung der Macht zu gewährleisten. Alle Abgeordneten, die nicht der NSDAP oder der DNVP angehörten, wurden entlassen. Im Zuge der Zentralisierung der Verwaltung und durch den Erlass des „Gesetzes über den Neuaufbau des Reiches“ wurde der anhaltische Landtag noch im selben Jahr aufgelöst, wodurch Alfred Freyberg zum alleinigen Staatsminister in Anhalt erhoben werden konnte.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, den Wandel des Gesundheitswesens von 1933 bis 1945 anhand des Beispiels Dessau zu untersuchen und die ideologischen sowie administrativen Hintergründe zu beleuchten.
2. Ideologische Voraussetzungen für die Gesundheitspolitik im „Dritten Reich“: Dieses Kapitel behandelt die rassenhygienischen und sozialdarwinistischen Gedankenströmungen, die als Basis für die NS-Gesundheitspolitik dienten.
3. Der polykratische Staat Adolf Hitlers: Hier werden die Herrschaftsstrukturen, der Dualismus zwischen Partei und Staat sowie die daraus resultierende administrative Unordnung im NS-System analysiert.
3.1. Die Verwaltung der Stadt Dessau in der Zeit des Nationalsozialismus: Dieser Abschnitt beschreibt die Machtübernahme der NSDAP in Dessau und die daraus folgenden Umstrukturierungen der kommunalen Verwaltung.
4. Das Gesundheitswesen im Nationalsozialismus am Beispiel der Stadt Dessau: Das Kernkapitel beschreibt die grundlegende Umgestaltung der Gesundheitspolitik unter den Bedingungen der NS-Herrschaft.
4.1. Die Umformung des Gesundheitswesens in der Zeit von 1933 bis 1945: Hier wird der Wandel von kurativer Medizin hin zur rassenhygienischen Bevölkerungspolitik dargestellt.
4.1.1. Parteiliches vs. staatliches Gesundheitswesen – der Konflikt zwischen Dr. Gerhard Wagner und Dr. med. Arthur Gütt bis 1939: Dieses Kapitel analysiert die konkurrierenden Vorstellungen über die organisatorische Struktur des Gesundheitswesens auf Reichsebene.
4.1.2. Der Einfluss des Zweiten Weltkrieges ab 1939: Untersucht werden die kriegsbedingten Veränderungen, insbesondere die Rolle von Karl Brandt und der Personalmangel in den Verwaltungen.
4.2. Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und die Anpassung von Justiz und Ärzteschaft: Beleuchtet wird die Bedeutung des GzVeN als Basis für Zwangssterilisationen und die Indoktrination der beteiligten Berufsgruppen.
4.3. Die „Freigabe zur Vernichtung lebensunwerten Lebens“ – die „Euthanasie“ in der Anstalt Bernburg: Das Kapitel widmet sich der Planung und Durchführung der Tötung kranker Menschen am Beispiel der Anstalt Bernburg.
5. Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtung fasst die Erkenntnisse über die Radikalisierung des Gesundheitswesens und die Verflechtung von Ideologie, Bürokratie und Technik zusammen.
Nationalsozialismus, Gesundheitswesen, Dessau, Rassenhygiene, Erbgesundheitspolitik, Sozialdarwinismus, Zwangssterilisation, Euthanasie, Aktion T4, Anstalt Bernburg, NS-Verwaltung, Eugenik, Volkskörper, Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, Gesundheitspolitik
Die Arbeit untersucht den Wandel des deutschen Gesundheitswesens unter der nationalsozialistischen Herrschaft, mit einem spezifischen Fokus auf die regionalen Entwicklungen in der Stadt Dessau.
Die Arbeit behandelt die ideologischen Grundlagen der Rassenhygiene, die komplexen Machtstrukturen des NS-Staates, die gesetzliche Verankerung von Zwangssterilisationen sowie die administrativen Abläufe der „Euthanasie“-Aktionen.
Ziel ist es, ein konkretes Bild des Wandels von einer Gesundheits- zu einer Erbgesundheitspolitik zu schaffen und aufzuzeigen, wie Ämter und Personen in diesen Prozess der Radikalisierung eingebunden waren.
Die Untersuchung basiert auf einer historischen Quellenanalyse, insbesondere unter Heranziehung von Geschäfts- und Verwaltungsberichten des Dessauer Fürsorgeamtes sowie fachwissenschaftlicher Monographien zur NS-Medizingeschichte.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Umformung des Gesundheitswesens von 1933 bis 1945, den Konflikt um die Organisation der Gesundheitsämter, die Umsetzung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und die Verwicklung Dessaus in die „Euthanasie“-Aktionen.
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Erbgesundheitspolitik, Rassenhygiene, Dessau, Euthanasie, Aktion T4 und NS-Gesundheitswesen beschreiben.
Die Anstalt Bernburg diente als Tötungsort für psychisch kranke Menschen, wobei die Gauhauptstadt Dessau zum Einzugsgebiet gehörte und das Dessauer Fürsorgeamt in die administrative Abwicklung involviert war.
Der Krieg führte zu erheblichem Personalmangel, einer Verschlechterung der Versorgungsbedingungen und einem Anstieg der Aufgaben im Bereich der Fürsorge, wodurch der alltägliche Betrieb der Ämter und Kliniken in Dessau zunehmend erschwert wurde.
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