Magisterarbeit, 2012
98 Seiten, Note: 2,3
1 Grundlegendes zur Problematik
1.1 Methodik
1.1.1 Fragestellung und Ziele der Arbeit
1.1.2 Probleme der Begrifflichkeiten für den Genozid
1.1.3 Primärtexte und Forschungsstand
1.2 Die Autoren der Primärtexte
2 Literaturtheoretische Thesen
2.1 Michel Foucaults Raumtheorie. Das Konzentrationslager: ein Ort außerhalb des Ortes?
2.2 Ort- und Zeitschaft, Erinnerung und Zeugenschaft
3 Zur Konstruktion des autobiographischen Romans
3.1 Das Gattungsproblem von Literatur über Auschwitz
3.2 Die Autobiographie
3.2.1 Definition
3.2.2 Die Wirklichkeit des autobiographischen Romans und Autofiktion
3.3 Einordnung der Primärtexte in die Definition
3.3.1 Der Roman eines Schicksallosen: Autofiktion - autobiographischer Roman - Bildungsroman?
3.3.2 Tadeusz Borowskis Erzählungen Bei uns in Auschwitz und Bitte die Herrschaften zum Gas
4 Theoretische Thesen bei Kertész im Kontext abendländischer und zeitgenössischer Philosophie
4.1 Zur Grundlage: Aristoteles‘ Nikomachische Ethik
4.2 Die Ethik Adornos im Zeichen von Auschwitz
4.2.1 „Das richtige Leben im falschen“ und die Problematik „nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben“
4.2.2 Imre Kertész‘ „Ethik“ von Auschwitz und seine „Arbeit am Mythos“
4.3 Albert Camus‘ „Ästhetik des Absurden“
4.3.1 Der Mythos von Sisyphos
4.3.2 Kertész‘ Metaphorik und die „Pflicht zum Glück“
5 Analyse
5.1 Roman eines Schicksallosen
5.1.1 Die Sprache nach Auschwitz, eine atonale Sprache
5.1.2 Das „Glück der Konzentrationslager“
5.1.3 „Schicksallosigkeit“
5.1.4 Erzählsituation und Perspektivenwechsel
5.2 Vergleichbare Aspekte mit Tadeusz Borowskis Bei uns in Auschwitz und Bitte, die Herrschaften zum Gas
5.2.1 Perspektivenwechsel: Opfer und Täter zugleich?
5.2.2 Differenzen zwischen polnischem und jüdischem Schicksal
6 Wer zeugt für den Zeugen?
7 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Glücksmomenten in den autobiographischen Zeugnisromanen von Imre Kertész und Tadeusz Borowski. Ziel ist es, unter Einbeziehung philosophischer und literaturtheoretischer Konzepte – insbesondere von Adorno, Foucault und Camus – zu klären, ob in der totalitären Welt der Konzentrationslager Momente der Menschlichkeit existieren können, die analog zu Adornos „richtigem Leben im falschen“ zu verstehen sind.
5.1.2 Das „Glück der Konzentrationslager“
Das Hauptmittel, das zur Entmystifizierung von Auschwitz beigetragen hat, ist zweifellos Kertész‘ Hinweis auf Momente des Glücks in Konzentrationslagern. Wie genau das Glück in diesem Zusammenhang zu verstehen ist, lässt sich an verschiedenen Stellen im Roman eines Schicksallosen genauer einordnen und anschließend zusätzlich mit den Erfahrungen des Psychologen Viktor E. Frankl präzisieren.
Denn sogar dort, bei den Schornsteinen, gab es in der Pause zwischen den Qualen etwas, was dem Glück ähnlich war. Alle fragen mich immer nur nach den Übeln, den ‚Greueln‘: obgleich für mich vielleicht gerade diese Erfahrung die denkwürdigste ist. Ja, davon, vom Glück der Konzentrationslager, müßte ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen. (RS, 382)
László Földényi weiß die Empörung über diese verwirrende Formulierung einzuordnen, bei ihm ist es die „Auflösung des stillschweigenden und deshalb um so bindenderen Konsenses, den man gewöhnlich nicht in Frage stellt.“207 Doch wie ist Glück im Zusammenhang mit dem größten Verbrechen des 20. Jahrhunderts überhaupt zu verstehen?
1 Grundlegendes zur Problematik: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftliche Fragestellung ein, erörtert die Problematik der Begrifflichkeiten für den Genozid und gibt einen Überblick über die behandelten Primärtexte sowie den Forschungsstand.
2 Literaturtheoretische Thesen: Hier werden theoretische Ansätze, insbesondere Michel Foucaults Raumtheorie (Heterotopie) und Aleida Assmanns Gedächtnisforschung, zur Analyse der lagerbezogenen Literatur herangezogen.
3 Zur Konstruktion des autobiographischen Romans: Dieses Kapitel untersucht gattungstheoretische Fragen, das Verhältnis von Fiktion und Wirklichkeit sowie die spezifische Form des autobiographischen Schreibens bei Kertész und Borowski.
4 Theoretische Thesen bei Kertész im Kontext abendländischer und zeitgenössischer Philosophie: Es erfolgt eine philosophische Einordnung anhand von Aristoteles, Adornos Ethik und Camus' Ästhetik des Absurden, um Kertész' Konzept der „Arbeit am Mythos“ zu fundieren.
5 Analyse: Der Hauptteil bietet eine detaillierte Untersuchung der sprachlichen und narrativen Gestaltung, insbesondere des „Glücks der Konzentrationslager“ und des Begriffs der „Schicksallosigkeit“ im Vergleich beider Autoren.
6 Wer zeugt für den Zeugen?: Dieses Kapitel reflektiert die Problematik der Zeugenschaft und die moralische Verantwortung derer, die für die Überlebenden zeugen.
7 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einer Reflexion über die bleibende Relevanz der Auseinandersetzung mit den Lagererfahrungen.
Imre Kertész, Tadeusz Borowski, Auschwitz, Glück, Schicksallosigkeit, Autobiographie, Zeugenschaft, Adorno, Foucault, Camus, Holocaust-Literatur, atonale Sprache, Totalitarismus, Literaturtheorie, Ethik.
Die Arbeit untersucht die autobiographischen Romane von Imre Kertész und Tadeusz Borowski, um zu verstehen, wie Überlebende des Holocaust ihre Erfahrungen literarisch verarbeiten und welche Rolle Konzepte wie Glück und Schicksal in dieser extremen Situation spielen.
Zentrale Themen sind die Darstellung des Grauens, die Möglichkeiten und Grenzen der Sprache nach Auschwitz, die Identitätsproblematik der Überlebenden sowie die ethischen Dimensionen des Lebens in totalitären Systemen.
Die zentrale Forschungsfrage ist, ob in der existentiellen Grenzsituation des Konzentrationslagers Momente existieren, die – analog zu Adornos Begriff – als „richtiges Leben im falschen“ interpretiert werden können.
Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Analyse der Primärtexte mit dem Einbezug philosophischer (Adorno, Aristoteles, Camus) und kulturwissenschaftlicher (Foucault, Assmann) Theorien zur Einordnung und Interpretation der Zeugnisberichte.
Im Hauptteil werden die sprachliche Gestaltung bei Kertész, das paradoxe „Glück“ im Lager, der Begriff der „Schicksallosigkeit“ sowie vergleichende Aspekte zu den Erzählungen von Tadeusz Borowski analysiert.
Zu den prägenden Begriffen zählen Imre Kertész, Auschwitz, Schicksallosigkeit, Zeugenschaft, atonale Sprache und die moralisch-ethische Auseinandersetzung mit dem Unmenschlichen.
Während Kertész Auschwitz durch eine atonale, fiktionalisierende Erzählweise als "Arbeit am Mythos" verarbeitet, zeichnet sich Borowskis Stil durch eine stärkere Objektivierung des Lageralltags aus, die den Protagonisten oft als "Kapo" in eine moralische Grauzone stellt.
Der Begriff ist zentral, um die psychologischen Überlebensstrategien der Häftlinge zu beschreiben. Er wird nicht als positives Wohlgefühl, sondern als subjektive, oft zufällige oder existenzielle Erfahrung ("fortuna") in der totalen Unfreiheit definiert.
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