Bachelorarbeit, 2013
58 Seiten, Note: 1,1
1 Theorie
1.1 Moralische und selbst-bewusste Emotionen
1.2 Scham und Schuld
1.3 Verlegenheit
1.4 Messung von dispositioneller Scham-Neigung in der vorliegenden Studie
1.5 Fremdschämen - Definition und aktueller Erkenntnisstand
1.6 Mögliche Entstehungsprozesse von Fremdschämen - ein Ordnungsversuch
2 Fragestellungen und Überlegungen
3 Methode
3.1 Pilotstudie: Auswahl und Validierung des Stimulusmaterials
3.1.1 Stichprobe
3.1.2 Versuchsmaterial
3.1.3 Versuchsdurchführung
3.1.4 Experimentelles Design
3.1.5 Datenanalyse
3.1.6 Ergebnisse
3.1.7 Diskussion und Implikationen für die fMRT-Studie
3.2 fMRT-Studie
3.2.1 Stichprobe
3.2.2 Einwilligung und Information der Probanden
3.2.3 Versuchsmaterial
3.2.4 Versuchsdurchführung
3.2.5 Experimentelles Design
3.2.6 Datenanalyse
4 Ergebnisse
4.1 Verhaltensdaten
4.2 Bildgebungsdaten
5 Diskussion
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Fremdschämen, seine neuronalen Grundlagen sowie mögliche Zusammenhänge mit interindividuellen Unterschieden im Schamerleben durch den Konsum von Reality-Fernsehformaten. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Identifizierung neuronaler Aktivierungsmuster beim Beobachten normverletzender, peinlicher Situationen.
1.6 Mögliche Entstehungsprozesse von Fremdschämen - ein Ordnungsversuch
Relativ unbeantwortet lassen die Forschungsbestrebungen der letzten Jahre allerdings die Frage, welche Prozesse bei der Entstehung von Fremdscham eine Rolle spielen. Daher wird im Folgenden ein theoretischer Versuch unternommen, aus einer Auswahl vorhandener Erkenntnisse zum Phänomen Fremdschämen vier verschiedene Prozesse herauszuarbeiten, die möglicherweise bei der Entstehung von Fremdscham eine Rolle spielen könnten. Dies soll dazu dienen, infolge dessen theoretische Überlegungen in Bezug auf an der neuronalen Antwort von Fremdschämen möglicherweise beteiligte Areale zu schließen.
Bei der Entstehung von Fremdscham ist möglicherweise ein ideosynkratischer Bewertungsprozess beteiligt. Damit ist gemeint, dass das beobachtete normverletzende Verhalten in Bezug zu eigenen moralischen und normativen Grundsätzen gesetzt wird und ein Vergleichsprozess zwischen verschiedenen mentalen Repräsentationen stattfindet. Resultiert der Vergleichprozess in einer starken Abweichung des beobachteten Verhaltens von den eigenen Moralvorstellungen, wird Fremdscham ausgelöst. Fremdscham könnte in diesem Sinne ein salienter affektiver Indikator für die soziale Relevanz der wahrgenommenen Unterschiedlichkeit der mentalen Repräsentationen sein, die in den Vergleichsprozess mit einbezogen werden. Für die Existenz eines solchen oder ähnlichen Bewertungsprozesses sprechen u.a. die Ergebnisse von Marcus et al. (1996). Sie zeigen, dass Fremdschämen ein deutlich subjektiver Prozess ist und das Ausmaß der empfundenen Fremdscham eher vom Beobachter abhängig ist, als von der Charakteristik der beobachteten Situation. Auch die Erkenntnis von Krach et al. (2011), dass nur der Beobachter den normverletzenden Charakter der beobachteten Situation verstehen muss, damit Fremdscham entsteht, spricht für die Beteiligung eines eher subjektiv geprägten Bewertungsprozess. Epley, Keysar, Van Boven und Gilovich (2004) zeigten, dass auch der Prozess der Perspektivübernahme zu weiten Teilen einer egozentristischen Verzerrung unterliegt. Die eigene Perspektive wird dabei als Anker genutzt und schrittweise in Richtung der vermuteten des Gegenübers adjustiert. Diese Adjustierung ende, sobald eine einigermaßen plausible Antwort generiert wurde. In diesem Sinne wäre vorstellbar, dass im Fall des Fremdschämens die schrittweise Adjustierung durch das Erleben der aversiven Emotion Fremdscham vorzeitig abgebrochen werden könnte, was die starken Beobachtereffekte erklären würde.
Theorie: Vermittlung des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes zu moralischen Emotionen wie Scham, Schuld und Verlegenheit sowie eine Einordnung des Begriffs Fremdschämen.
Fragestellungen und Überlegungen: Darlegung der Forschungsziele bezüglich der neuronalen Prozesse bei Fremdscham und der möglichen Korrelation mit dispositioneller Scham-Neigung.
Methode: Detaillierte Beschreibung des Vorgehens bei der Pilot- und fMRT-Studie, inklusive der Auswahl und Validierung des Stimulusmaterials.
Ergebnisse: Präsentation der erhobenen Verhaltensdaten aus den Ratings sowie der Bildgebungsdaten aus der fMRT-Analyse.
Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse, Einordnung in den theoretischen Kontext und Ausblick auf zukünftige Forschungsansätze.
Fremdschämen, Reality-Fernsehen, fMRT, neuronale Grundlagen, Scham, Schuld, Verlegenheit, Empathie, soziale Normen, Persönlichkeitspsychologie, soziale Kognition, Stimulusmaterial, Validierung, interindividuelle Unterschiede, Verhaltensdaten.
Die Arbeit untersucht das Phänomen Fremdschämen, insbesondere wie es durch den Konsum von Reality-Fernsehsendungen ausgelöst wird und welche neuronalen Prozesse dabei eine Rolle spielen.
Die Themen umfassen die psychologische Differenzierung von Scham, Schuld und Verlegenheit, die Validierung von Stimulusmaterial sowie die Untersuchung neuronaler Korrelate mittels fMRT.
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das komplexe soziale Phänomen Fremdschämen zu gewinnen und neuronale Aktivierungsmuster beim Beobachten von peinlichen sozialen Situationen zu identifizieren.
Es wurde eine Kombination aus Pilotstudie zur Materialvalidierung und einer fMRT-Untersuchung (funktionelle Magnetresonanztomografie) durchgeführt, ergänzt durch Fragebogenerhebungen zur dispositionellen Scham-Neigung.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, methodische Vorgehensweisen zur Datenerhebung und die anschließende Analyse und Darstellung der Verhaltens- und Bildgebungsdaten.
Zentrale Begriffe sind Fremdschämen, Reality-Fernsehen, fMRT, neuronale Grundlagen, soziale Normen und Empathie.
Es zeigten sich systematische Aktivierungen im subgyralen Bereich des Parietal- bzw. Frontallappens (rechte Hemisphäre), im linken superioren temporalen Gyrus sowie im Grenzgebiet von medialem frontalen Gyrus und Gyrus cinguli.
Die Pilotstudie diente dazu, geeignetes Stimulusmaterial aus Reality-Fernsehformaten auszuwählen und zu validieren, um sicherzustellen, dass die ausgewählten Ausschnitte konsistent Fremdschämen auslösen.
In der vorliegenden Studie konnten keine signifikanten Zusammenhänge zwischen der dispositionellen Scham-Neigung (erhoben mit dem TOSCA-3) und dem Erleben von Fremdschämen gefunden werden.
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