Magisterarbeit, 2014
77 Seiten, Note: 1,7
1 EINLEITUNG
2 DIE KONZEPTUALISIERUNG DER KULTURELLEN IDENTITÄT
2.1 NATION UND IDENTITÄT
2.2 DIASPORA UND IDENTITÄT
2.3 GENDER-„RASSE"-KLASSE UND IDENTITÄT
3 POSTKOLONIALE NEUINTERPRETATION DER KALIBAN-FIGUR
3.1 KALIBAN ALS ALLEGORIE DES WIDERSTANDES (RETAMAR)
3.2 DIE KARIBISCHE VERSION DES KALIBAN KONZEPTS (TORRES-SAILLANT)
4 GEFANGEN ZWISCHEN ZWEI WELTEN: KOLONIALES ERBE, DIASPORA UND DIE PROBLEMATIK DER IDENTITÄT IN LA MARAVILLOSA VIDA BREVE DE ÓSCAR WAO (2007) VON JUNOT DÍAZ
4.1 HANDLUNG UND GLIEDERUNG DES ROMANS
4.2 DIE HISTORISCHE DIMENSION DES ROMANS
4.3 FUKÚ: DAS KOLONIALE ERBE DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK
4.3.1 Fukú: Die ersten Opfer des Trujillato
4.3.1.1 Abelard Luis Cabral
4.3.1.2 Hypatía Belicia Cabral
4.4 GEFANGEN ZWISCHEN ZWEI WELTEN
4.4.1 Lola vs. Beli
4.4.2 Óscar Wao vs. Óscar de León
4.5 ZAFA VS. FUKÚ
5 ZUSAMMENFASSUNG
6 BIBLIOGRAPHIE
Die vorliegende Arbeit untersucht den identitätsstiftenden Einfluss kolonialer Diskurse und der dominikanischen Diasporageschichte im Roman La maravillosa vida breve de Óscar Wao von Junot Díaz. Ziel ist es, durch eine literaturwissenschaftliche Analyse aufzuzeigen, wie postkoloniale Machtstrukturen und das koloniale Erbe, symbolisiert durch den Fluch fukú, die Identitätskonstruktion der Protagonisten in einem hybriden, transkulturellen Kontext prägen und inwiefern der Roman als Gegendiskurs fungiert.
3.1 Kaliban als Allegorie des Widerstandes (Retamar)
Shakespeares Stück The Tempest entstand Anfang des 17. Jahrhunderts, zu Zeiten der kolonialen Entdeckungs- und Eroberungsreisen, die die Welt damals faszinierten. Neben den wirtschaftlichen Interessen war auch die Erforschung fremder Völker und die christliche Missionarisierung Motivation der europäischen Entdecker. Shakespeare inszeniert den Prozess der Kolonialisierung am Beispiel seiner Figuren Prospero und Kaliban. Prospero, ein Herzog aus der westlichen Welt, ist auf einer Insel gestrandet, nimmt sie in seinen Besitz und versklavt den ungezähmten, verunstalteten Ureinwohner und eigentlichen Herrscher der Insel, Kaliban. Im Zuge der steigenden Beteiligungen lateinamerikanischer Schriftsteller und Intellektuellen an der postkolonialen Identitätsdebatte entstand Mitte des 20. Jahrhunderts der Wunsch nach vollständiger Emanzipation vom europäischen Einfluss. Hierzu war ein eigener Diskurs notwendig, der von der sozialen Wirklichkeit der Karibik und Lateinamerika erzählte.
Dies geschah vor allem durch die subversive Neuinterpretation von Shakespeares The Tempest im postkolonialen Kontext.
Die bekannteste postkoloniale Interpretation des Stückes stammt ohne Zweifel von dem bereits genannten Fernández Retamar. In seinem Werk Kaliban. Essays zur Kultur Lateinamerikas (1988) ruft Retamar zum Widerstand gegen den starken Einfluss des spanischen Mutterlandes auf. Auslöser war die Frage eines europäischen Journalisten nach der Existenz einer lateinamerikanischen Kultur. Diese Infragestellung der Existenz seiner eigenen Kultur veranlasste Retamar einen neuen Diskurs zu etablieren, der sich gegen die koloniale Repräsentation der Kultur Lateinamerikas aus der eurozentrischen Perspektive richtet: "Denn unsere Kultur in Zweifel zu ziehen, bedeutet, unsere eigene Existenz anzuzweifeln, und deshalb müssen wir unsere unabänderliche koloniale Lage nutzen, da schon geargwöhnt wird, wir seien nichts als das verzerrte Echos der Ereignisse, die anderorts geschehen." Fernández Retamar sieht vor allem in der Heterogenität der lateinamerikanischen Kultur einen Ausweg aus der diffamierten Repräsentation ihrer Kultur als verzerrtes europäisches Imitat.
1 EINLEITUNG: Einführung in die postkoloniale Thematik des Romans und Erläuterung der theoretischen Schwerpunkte wie Identität, Diaspora und Hybridität.
2 DIE KONZEPTUALISIERUNG DER KULTURELLEN IDENTITÄT: Theoretische Grundlegung zu den Konzepten von Nation, Diaspora und der Intersektionalität von Rasse, Klasse und Geschlecht.
3 POSTKOLONIALE NEUINTERPRETATION DER KALIBAN-FIGUR: Gegenüberstellung von Retamars antikolonialer Lesart und der kritischen, auf die karibische Realität fokussierten Sichtweise von Silvio Torres-Saillant.
4 GEFANGEN ZWISCHEN ZWEI WELTEN: KOLONIALES ERBE, DIASPORA UND DIE PROBLEMATIK DER IDENTITÄT IN LA MARAVILLOSA VIDA BREVE DE ÓSCAR WAO (2007) VON JUNOT DÍAZ: Literarische Analyse des Romans unter Berücksichtigung des fukú-Mythos, der Trujillo-Diktatur sowie der individuellen Schicksale der Familie de León im diasporischen Kontext.
5 ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung des Romans als Beitrag zur Vergangenheitsaufarbeitung und Dekonstruktion kolonialer Narrative.
6 BIBLIOGRAPHIE: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie der Internetquellen.
Postkolonialismus, Kulturelle Identität, Diaspora, Hybridität, Fukú, Junot Díaz, Trujillo, Intersektionalität, Kaliban, Dominikanische Republik, Migration, Dekonstruktion, Rasse, Klasse, Geschlecht
Die Arbeit analysiert Junot Díaz’ Roman La maravillosa vida breve de Óscar Wao im Kontext postkolonialer Identitätstheorien und untersucht, wie koloniale Gewalt und diktatorische Geschichte die Identität der dominikanischen Diaspora prägen.
Die Schwerpunkte liegen auf postkolonialer Theorie, dem kulturellen Einfluss von Migration und Diaspora, intersektionalen Unterdrückungsformen sowie der dekonstruktivistischen Literaturkritik.
Die Untersuchung zielt darauf ab, aufzuzeigen, wie der Roman durch die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe und der Trujillo-Diktatur die Identitätsfindung der Figuren im hybriden Raum zwischen den USA und der Karibik subversiv gestaltet.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die auf postkolonialen Theorieansätzen (u.a. Bhabha, Hall, Gilroy, Torres-Saillant) sowie auf Diskurs- und Intersektionalitätsanalysen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Konzeptualisierung kultureller Identität, eine postkoloniale Neuinterpretation der Kaliban-Figur und eine tiefgehende Literaturanalyse der Familiengeschichte im Roman, inklusive der symbolischen Bedeutung des fukú.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Postkolonialismus, Identität, Hybridität, Diaspora, fukú und Intersektionalität charakterisiert.
Während Retamar Kaliban als heroische Allegorie des antikolonialen Widerstands versteht, kritisiert Torres-Saillant diese Heroisierung als realitätsfern und sieht in Kaliban stattdessen ein Symbol für die tiefen, traumatischen Narben kolonialer Gewalt in der Karibik.
Der Fluch fukú dient als Metaerzählung für die anhaltende koloniale Gewalt und die diktatorische Vergangenheit der Dominikanischen Republik, die sich als zerstörerisches Erbe bis in die diasporischen Erfahrungen der jüngeren Generation zieht.
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