Magisterarbeit, 2013
86 Seiten, Note: 2,3
I. Ein Künstler im „Fin de siècle“
1. Auf der Suche nach dem neuen Menschen
2. Max Klinger als Musiker
II. Radiert und in Stein gemeißelt - von Klinger verewigt
1. Klingers Begriffe aus der Musik für seine Graphik
2. Robert Schumann
a) Opus II : Rettungen Ovidischer Opfer
b) Opus IV: Intermezzi
3. Johannes Brahms
a) Eine ganz besondere Beziehung
b) Opus XII: Brahmsphantasie
c) Johannes Brahms – Denkmal
4. Ludwig van Beethoven – Denkmal
a) Mit Marmor und Onyx – Beschreibung und erste Analyse der Plastik
b) Zeus und Prometheus: Beethoven als Künstlergott und leidendes Genie
c) Prometheus: Beethovens 3. Symphonie, die „Eroica“
d) Wiener Secession: die 9. Symphonie
e) Beethoven als „Erlöser“: die 10. Symphonie
5. Richard Wagner – Denkmal
III. Schlußakkord
1. Klingers Beethoven im Kontext seiner Zeit - Ein Vergleich
2. Zur Rezeptionsgeschichte von Klingers Oeuvre
3. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die tiefgreifenden Einflüsse und Spuren der Musik im bildnerischen Werk von Max Klinger, mit einem besonderen Fokus auf das Beethoven-Denkmal von 1902. Ziel ist es, durch die Analyse geisteswissenschaftlicher Bereiche wie antike Mythologie, philosophische Schriften, Komponisten-Biographien und musikwissenschaftliche Aspekte ein Gesamtverständnis für Klingers musikalisches Œuvre im kunsthistorischen Kontext zu entwickeln.
b) Zeus und Prometheus: Beethoven als Künstlergott und leidendes Genie
Max Klinger hebt Ludwig van Beethoven mit dieser Plastik in überirdische Sphären. Er zeigt Beethoven als eine Art gottgleichen Schöpfer, als Genie und als Übermensch, in „olympischer Nacktheit“. Aus diesem Grund stellt Klinger Beethoven in Gegenwart eines Adlers dar, der traditionell das Attribut des Göttervaters Zeus ist. Er zeichnet Beethoven nicht mit Attributen aus, wie Notenpapier, Taktstock oder einem Schreibutensil, die ihn als Komponisten ausweisen – somit dient der Adler der Erhöhung Beethovens in eine überirdische Sphäre. Die Funktion der Engelsköpfchen am oberen Thronrand unterstützen die Tatsache, dass sich Beethoven nicht in den Dimensionen irdischer Welten bewegt. Sein Haupt ist umgeben von Engeln und somit ein Hinweis darauf, in welchen gedanklichen, geistigen und gleichzeitig göttlichen Sphären sich Beethoven befindet.
Die inhaltliche Auseinandersetzung über einen Genie-Begriff behandelt Klinger durch die Reliefs an den Seiten des Throns, die von Leid und Erlösung des Menschen handeln. Mit dem Relief, welches das Thema von Adam und Eva behandelt, verweist Klinger auf die Ursünde im Christentum, durch die der Mensch auf ewig aus dem Paradies verbannt wurde. Es ist der Beginn der ewigen Qual des Menschen auf Erden und der Beginn des ewigen Strebens nach dem paradiesischem Urzustand.
Mit der Szene des sich auf der anderen Seite befindlichen Reliefs, schafft Klinger eine inhaltliche Parallele, die sich auf die klassische griechische Antike bezieht. Der Zeussohn Tantalus, der die Götter hinterging, ist verdammt zu ewigem, selbstverschuldetem Leid. Das Schicksal von Adam und Eva, sowie das von Tantalus und seiner Gefährtin, haben die Gemeinsamkeit, dass beide ihrer Sinneslust, menschlichen Trieben und Bedürfnissen ohne Halt folgten und dafür, durch Gott und Zeus, bestraft wurden. Das Relief auf der Rückseite des Throns vereint den antiken mit dem christlichen Kulturkreis. Der Evangelist Johannes wehrt das Heidnische, in Gestalt der Aphrodite, Göttin der Schönheit und der Liebe, ab. In dieser Szene geht es um den Kampf zweier Welten und deren Weltanschauungen.
I. Ein Künstler im „Fin de siècle“: Einleitend wird der Kontext von Max Klingers Schaffen beleuchtet, wobei sein eigenes musikalisches Können und die geistige Suche der Zeit nach dem „neuen Menschen“ im Mittelpunkt stehen.
II. Radiert und in Stein gemeißelt - von Klinger verewigt: Das umfangreiche Kapitel analysiert die direkte Verbindung zwischen Klingers Zyklen (Opus-Reihen) und der Musik, mit spezifischen Fallstudien zu Robert Schumann, Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven sowie dem gescheiterten Wagner-Denkmal.
III. Schlußakkord: Hier erfolgt ein Vergleich des Beethoven-Denkmals mit zeitgenössischen Werken, eine kritische Aufarbeitung der Rezeptionsgeschichte und eine abschließende Synthese der Ergebnisse.
Max Klinger, Musik, Beethoven-Denkmal, Brahmsphantasie, Symbolismus, Prometheus, Gesamtkunstwerk, Musikikonographie, Richard Wagner, Robert Schumann, bildende Kunst, Rezeptionsgeschichte, Epochenwende, Geniebegriff, Synästhesie
Die Arbeit untersucht, wie Max Klinger Musik als Inspirationsquelle und strukturelles Prinzip in sein bildnerisches Oeuvre integriert hat.
Die Themen umfassen Klingers persönliche Musikalität, die philosophische Bedeutung von Musik in seiner Kunst, die musikikonographische Analyse seiner Denkmäler und die Verknüpfung mit Komponisten wie Brahms und Beethoven.
Das Ziel ist es, die vielschichtigen Wechselbeziehungen zwischen Klingers bildender Kunst und der Musik systematisch aufzuzeigen und in einen kunsthistorischen Kontext einzuordnen.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Untersuchung, die kunsthistorische Analysen mit musikwissenschaftlichen Fragestellungen, biographischen Daten und philosophischen Strömungen der Zeit kombiniert.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Betrachtung der grafischen Zyklen (Opus-Reihen) und der großen Denkmäler, insbesondere des Beethoven-Denkmals, sowie der Analyse der Einflüsse von Musik auf Klingers formale Gestaltung.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Max Klinger, Symbolismus, Beethoven-Denkmal, Prometheus, Gesamtkunstwerk, Musikikonographie und Brahmsphantasie.
Prometheus fungiert als Leitmotiv, das Klingers Identifikation als schaffender Künstler sowie die Rolle der Komponisten als Genies, die sowohl Leid erfahren als auch Neues erschaffen, sinnbildlich verbindet.
Es gilt als das Hauptwerk, in dem Klinger seine bisherigen künstlerischen und philosophischen Ansätze (inklusive Einflüsse von Schopenhauer und Nietzsche) in einer einzigen polychromen Plastik vereint hat.
Die Rezeption war extrem gespalten: Während das Werk von einigen als genial gelobt wurde, erfuhr es von anderen scharfe Kritik, die unter anderem die „unheroische“ Körperhaltung und die ungewohnte Symbolik angriff.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

