Bachelorarbeit, 2012
47 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Mehrsprachigkeit als Ressource
1.1 Ressource oder Defizit?
1.2 Sprachen und ihr Prestige
1.3 Zwischenresümee zum Verhältnis Gesellschaft und Mehrsprachigkeit
2. Sprache und Mehrsprachigkeit als Identitätsstifter
2.1 Sprachprestige und ihre Folgen
2.1.1 Ablehnung der Herkunftssprache
2.1.2 Risiken der Identitätsentwicklung
2.1.3 Wertschätzung der Herkunftssprache
2.1.4 Chancen der Identitätsentwicklung
2.2 Zwischenresümee zum Verhältnis Sprache und Identität
3. Intervention durch die RAA am Beispiel mehrsprachiger Bilderbücher
4. Fazit und Ausblick
Die Bachelorarbeit untersucht, wie Mehrsprachigkeit in der deutschen Gesellschaft bewertet wird und welchen Einfluss das Prestige von Sprachen auf die Identitätsentwicklung von Heranwachsenden mit Migrationshintergrund nimmt. Dabei steht die zentrale Frage im Fokus, inwiefern die Wertschätzung bzw. Ablehnung der Herkunftssprache in Bildungsinstitutionen als Risiko oder Chance für die Identität wirkt und wie PädagogInnen durch professionelles Handeln und entsprechende Konzepte ein unterstützendes, wertschätzendes Umfeld gestalten können.
2.1.1 Ablehnung der Herkunftssprache
ErzieherInnen und LehrerInnen sehen in der Mehrsprachigkeit von Heranwachsenden häufig eine Belastung, die mit schlechteren Leistungen in der Mehrheitssprache einhergeht und dazu führt, dass die Herkunftssprache ausgeblendet oder sogar unmittelbar abgelehnt wird (vgl. Adler 2011: 127f., Amirpur 2010: 60, Burkhardt Montanari 2000: 91, Dirim 2006: 256, Haller 2000: 9, Jampert 2005: 43, Mannhard/Braun 2008: 77, Mecheril 2011: 51, Mecheril/Quehl 2006: 364ff., Ringler 2007: 51f.).
In Bildungsinstitutionen werden u.a. Sprachverbote bzw. Sprachgebote aufgestellt, die Kinder daran hindern sollen sich untereinander in ihrer Herkunftssprache zu unterhalten. Sprachverbote zielen, wie der Begriff „Verbot“ schon suggeriert, auf ein Verbot die Herkunftssprache zu verwendet. Sprachgebote hingegen verschleiern durch den Begriff „Gebot“, dass die Herkunftssprache unerwünscht ist. Durch Gebote, die Aufforderungen beinhalten wie z.B.: „Hier im Kindergarten sprechen wir Deutsch“, wird die Sprache der Majorität in den Vordergrund gerückt, was jedoch mit einem latenten Verbot der Herkunftssprache einhergeht. Die Ablehnung gegenüber der Herkunftssprache wird zusätzlich bekräftigt, indem sie durch Sprache der Mehrheit ausgesprochen wird. Brechen Heranwachsende das Gebot, wird eine Strafe verhängt, die durch die jeweilige Institution festgelegt ist. In den seltensten Fällen haben Heranwachsende die Chance mitzubestimmen. Selbst wenn ihnen Partizipationsmöglichkeiten eröffnet werden, haben sie keine Wahl gegen solche Sprachgebote bzw. -verbote zu stimmen, weil sie nicht über gleiche Machtmöglichkeiten verfügen wie PädagogInnen (vgl. Burkhardt Montanari 2000: 89ff., Dirim 2010: 101ff., Dirim 2005: 85, Hüsler 2009: 29, Spohn 2007: 7, Winter-Heider 2009: 244).
1. Mehrsprachigkeit als Ressource: Das Kapitel beleuchtet Mehrsprachigkeit als Humankapital und diskutiert kritisch das Spannungsfeld zwischen dem institutionellen Verständnis als "Ressource" und dem häufig defizitären Umgang im Alltag.
2. Sprache und Mehrsprachigkeit als Identitätsstifter: Hier wird der theoretische Zusammenhang zwischen Sprache und Identitätskonstruktion nach Tajfel und Turner dargelegt, wobei der Einfluss von Sprachprestige auf die soziale Identität von Minderheiten im Zentrum steht.
3. Intervention durch die RAA am Beispiel mehrsprachiger Bilderbücher: Dieses Kapitel zeigt praktische Ansätze zur Wertschätzung von Herkunftssprachen auf, insbesondere durch die Arbeit der RAA und den gezielten Einsatz mehrsprachiger Bilderbücher im pädagogischen Kontext.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass eine echte Wertschätzung von Mehrsprachigkeit ein Umdenken bei PädagogInnen sowie eine feste Verankerung im pädagogischen Erziehungsprinzip und nicht nur in kurzzeitigen Projekten erfordert.
Mehrsprachigkeit, Identitätsentwicklung, Herkunftssprache, Migrationshintergrund, Bildungsinstitutionen, Sprachprestige, Wertschätzung, Soziale Identität, Monolingualer Habitus, Sprachförderung, RAA, Mehrsprachige Bilderbücher, Pädagogik, Integration, Inklusion.
Die Arbeit untersucht das gesellschaftliche Spannungsfeld, in dem sich Mehrsprachigkeit in Deutschland bewegt, und fokussiert dabei auf die Identitätsentwicklung von Heranwachsenden mit Migrationshintergrund.
Die Themen umfassen die Bewertung von Mehrsprachigkeit (Ressource vs. Defizit), den Einfluss von Sprachprestige, die Identitätsbildung nach sozialpsychologischen Theorien sowie pädagogische Interventionsmöglichkeiten.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Bedingungen und pädagogische Einstellungen die Identität von mehrsprachigen Kindern beeinflussen und wie durch Wertschätzung eine positive Identitätsentwicklung gefördert werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch erziehungswissenschaftliche Literatur sowie der Analyse von Studienergebnissen zum Sprachprestige, wie sie etwa von Alexandra Wojnesitz erhoben wurden.
Der Hauptteil analysiert die Makroebene gesellschaftlicher Bedingungen, die mikrosoziale Ebene der Identitätsbildung unter Einbeziehung der Theorie der sozialen Identität sowie praktische Umsetzungsstrategien für Bildungsinstitutionen.
Wichtige Begriffe sind Mehrsprachigkeit, Identitätsentwicklung, Sprachprestige, monolingualer Habitus, Wertschätzung und interkulturelle Bildung.
Sprachen mit geringem gesellschaftlichem Ansehen führen bei Kindern oft zu einer Abwertung ihrer eigenen Herkunftssprache, was die Identitätsentwicklung negativ beeinflussen und zu Verunsicherungen oder zur Aufgabe der Muttersprache führen kann.
PädagogInnen gestalten die tägliche Interaktion; ihr wertschätzender oder ablehnender Umgang mit der Herkunftssprache von Kindern ist entscheidend dafür, ob diese ihre Mehrsprachigkeit als Stärke oder Belastung wahrnehmen.
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