Bachelorarbeit, 2014
24 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Gattungstheoretische Einordnung der Reise ans Ende der Nacht
3. Mündlichkeit in Reise ans Ende der Nacht
4. Historizität bei Céline
4.1. Céline und Bardamu im 1. Weltkrieg
4.2. Céline und Bardamu in Kolonialafrika
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den historischen Kontext von Louis-Ferdinand Célines Roman "Reise ans Ende der Nacht". Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit autobiographische Elemente des Autors in die fiktive Welt des Antihelden Ferdinand Bardamu einfließen und wie der historische Hintergrund des Ersten Weltkriegs sowie die Erfahrungen in der Kolonialafrika-Episode die narrative Gestaltung und die pessimistische Weltsicht des Werkes maßgeblich prägen.
4.1. Céline und Bardamu im 1. Weltkrieg
Es kann behauptet werden, dass der Erste Weltkrieg die Initialzündung für Célines schriftstellerischer Karriere war. Reise ans Ende der Nacht ist ein wütendes Plädoyer gegen den Krieg, den Céline als Massenmord zum Vorteil einiger weniger sah, die seit jeher einen finanziellen Nutzen daraus ziehen. Ähnlich wie Bardamu schrieb sich Céline (der eigentlich Destouches mit Nachnamen hieß und sich den Namen seiner Großmutter mütterlicherseits Céline als Pseudonym zulegte) begeistert in die Armee ein. Bardamu berichtet über seinen begeisterten Eintritt in die Armee. In einer Diskussion mit seinem Freund Arthur Granate erahnt der Leser den Pessimismus Bardamus, der sich nicht nur durch den Roman zieht, sondern sich durch die negativen Erfahrungen Bardamus von seiner Umwelt und der Gesellschaft noch steigert. Sehr früh stellt er resigniert fest: „Mit zwanzig Jahren hatte ich schon nichts mehr als Vergangenheit.“
Bardamu ist gewiss kein Held und nicht einmal tapfer, auch wenn er für eine Verwundung eine Tapferkeitsmedaille erhält, die für ihn persönlich nur einen Nutzen bringt, nämlich nicht mehr in den Krieg ziehen zu müssen: „Ich für meinen Teil hatte keinen Grund mehr zur Klage. Ich stand sogar richtig gut da mit der Tapferkeitsmedaille, die man mir verliehen hatte, wegen der Verwundung und so. Während der Rekonvaleszent hatte man die mir gebracht, richtig ins Krankenhaus.“ Von der Tapferkeit hält er auch sonst nicht viel: „Eigentlich ist nur die Tapferkeit seltsam. Man soll tapfer sein mit seinem Körper? Da kann man genauso gut von den Maden Tapferkeit verlangen, die sind rosig, blass und weich, genau wie wir.“
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Célines Hauptwerk ein, erläutert die Bedeutung des Romans im 20. Jahrhundert und skizziert die methodische Untersuchung der historischen Verflechtungen zwischen Autor und Protagonist.
2. Gattungstheoretische Einordnung der Reise ans Ende der Nacht: Dieses Kapitel prüft, ob das Werk als autobiographischer Roman, historischer Roman oder moderner Schelmenroman zu klassifizieren ist, wobei der Fokus auf Bardamus negativer Entwicklung liegt.
3. Mündlichkeit in Reise ans Ende der Nacht: Hier wird Célines bewusster Einsatz von gesprochener Sprache, Argot und metasprachlichen Reflexionen als zentrales stilistisches Merkmal und emotionales Ausdrucksmittel analysiert.
4. Historizität bei Céline: Dieses Kapitel untersucht die historischen Realitäten, auf denen der Roman basiert, und zeigt die Parallelen zwischen der Biographie des Autors und der fiktiven Erzählung auf.
4.1. Céline und Bardamu im 1. Weltkrieg: Analyse der Initialzündung des Romans durch den Krieg, wobei die freiwillige Armeeanmeldung des Autors und dessen kritische Verarbeitung in verschiedenen Schriften gegenübergestellt werden.
4.2. Céline und Bardamu in Kolonialafrika: Untersuchung der afrikanischen Episode, in der die Ausbeutung kolonialer Strukturen und die Entwicklung des Protagonisten zum Zyniker verdeutlicht werden.
Louis-Ferdinand Céline, Reise ans Ende der Nacht, Ferdinand Bardamu, Erster Weltkrieg, Kolonialafrika, Mündlichkeit, Schelmenroman, Autobiographie, Historizität, Antimilitarismus, Argot, Rassismus, Antisemitismus, Literaturwissenschaft, Moderne.
Die Arbeit analysiert Louis-Ferdinand Célines Roman "Reise ans Ende der Nacht" hinsichtlich seines historischen Kontextes und untersucht dabei die Verschränkung von literarischer Fiktion und den realen Lebenserfahrungen des Autors.
Die Arbeit behandelt die gattungstheoretische Einordnung, die innovative Literarisierung mündlicher Sprache, die historische Authentizität des Textes sowie die kritische Auseinandersetzung mit den Themen Krieg und Kolonialismus.
Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten zwischen dem Antihelden und Ich-Erzähler Ferdinand Bardamu und dem Autor Louis-Ferdinand Céline anhand der Episoden "Erster Weltkrieg" und "Kolonialafrika" aufzuzeigen.
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Roman im Vergleich zu historischen Fakten, biographischen Dokumenten (Briefen) und theoretischen Werken des Autors betrachtet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Mündlichkeit, die historische Analyse des Ersten Weltkriegs als Initialerlebnis und eine detaillierte Betrachtung der kolonialen Erfahrungen des Protagonisten.
Zentrale Begriffe sind neben dem Autor und dem Werk insbesondere Gattungsfragen (Schelmenroman), sprachliche Innovationen (Argot, Mündlichkeit), Historizität sowie der kritische Umgang mit Krieg und Kolonialismus.
Bardamu und Céline betrachten das Krankenhaus als einzigen Ort in der Kolonie, an dem man sich der grausamen Realität entziehen und eine Form von "Vergessen" finden kann.
Céline nutzt diesen rhetorischen Kunstgriff, insbesondere durch die "drei Punkte", um seinen Sätzen einen unfertigen Charakter zu verleihen und in Dialogen den Eindruck von Gedankenpausen zu erzeugen.
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