Bachelorarbeit, 2014
46 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Die Praxisgebühr
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Gesetzliche Grundlage und Ausgestaltung
2.3 Ziele
3 Grundlagen der Selbstbeteiligung
3.1 Notwendigkeit
3.2 Modelltheoretische Wirkung und Empirie
4 Auswirkungen der Praxisgebühr
4.1 Finanzentwicklung in der Gesetzlichen Krankenversicherung
4.2 Inanspruchnahmeverhalten der Versicherten
5 Die Abschaffung der Praxisgebühr
6 Folgen der Abschaffung
7 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, ob die Praxisgebühr ein wirkungsvolles Steuerungsinstrument im deutschen Gesundheitssystem darstellte. Ziel der Arbeit ist es, die historische Entwicklung, die gesetzliche Ausgestaltung sowie die ökonomischen Auswirkungen der Gebühr auf das Inanspruchnahmeverhalten der Versicherten und die Finanzsituation der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kritisch zu analysieren, um die Gründe für deren Abschaffung zu bewerten.
3.1 Notwendigkeit
Mittels einer Selbstbeteiligung werden zwei wesentliche Wirkungen angestrebt: Die Finanzierungs- und die Steuerungswirkung. Die Finanzierungswirkung beschreibt eine Verbesserung der finanziellen Situation der Gesetzlichen Krankenversicherung, durch die zusätzliche Beteiligung der Versicherten an den Ausgaben der GKV.
Beanspruchen die Versicherten aufgrund der Kostenbeteiligung insgesamt weniger Gesundheitsleistungen, können die Ausgaben der GKV noch weiter gesenkt werden. Bspw. betrugen im Jahr 2005 die Zuzahlungen der privaten Haushalte ca. 5,45 Mrd. Euro und machten damit einen Anteil von knapp 3,8% des Gesamteinkommens der GKV aus.
Die zweite Wirkung der Selbstbeteiligung, die Steuerungswirkung, zielt darauf ab, „… mittels finanzieller Anreize eine Überinanspruchnahme von Gesundheitsleistungen durch die Versicherten zu verhindern.“ Das Problem der Überinanspruchnahme wird zum größten Teil durch das Finanzierungskonzept der Gesetzlichen Krankenversicherung und ihrem Bedarfsprinzip hervorgerufen. Nach diesem werden den Versicherten medizinische Leistungen nach individueller Bedürftigkeit gewährt, während sich der zu zahlende Beitrag nach der individuellen Leistungsfähigkeit richtet. Mit ihrem gesetzlich festgelegten Leistungskatalog bietet die GKV einen umfassenden Versicherungsschutz, für den die Versicherten einen festen Versicherungsbetrag bezahlen. Dieser geschaffene Vollversicherungsvertrag führt zu einem Verhalten der Versicherten, das in der Versicherungstheorie als Moral Hazard bezeichnet wird.
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation zur Einführung der Praxisgebühr dar und definiert die Forschungsfragen sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Die Praxisgebühr: Dieses Kapitel erläutert die historische Entstehung, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die politischen Ziele der Praxisgebühr.
3 Grundlagen der Selbstbeteiligung: Das Kapitel liefert die theoretische Basis zur Notwendigkeit von Selbstbeteiligungen und modelliert deren Auswirkungen mittels preistheoretischer Ansätze.
4 Auswirkungen der Praxisgebühr: Hier werden die realen finanziellen Folgen für die GKV und die empirischen Befunde zum Patientenverhalten analysiert.
5 Die Abschaffung der Praxisgebühr: Dieses Kapitel beschreibt den wachsenden gesellschaftlichen Widerstand und den politischen Prozess, der zur ersatzlosen Aufhebung der Gebühr führte.
6 Folgen der Abschaffung: Es werden die finanziellen Konsequenzen der Aufhebung für die Krankenkassen und die kurzfristigen Auswirkungen auf das Arztbesuchsverhalten beleuchtet.
7 Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Praxisgebühr kritisch als ineffizientes und bürokratisches Instrument.
Praxisgebühr, GKV, Gesundheitsökonomie, Selbstbeteiligung, Steuerungswirkung, Finanzierungswirkung, Moral Hazard, Arztbesuche, Gesundheitsreform, Inanspruchnahmeverhalten, Sozialverträglichkeit, Bürokratie, Patienten, Facharztkonsultation, Gesetzliche Krankenversicherung.
Die Arbeit analysiert die Einführung, die Auswirkungen und die spätere Abschaffung der Praxisgebühr in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung aus gesundheitsökonomischer Sicht.
Zentrale Themen sind die Steuerung von Patientennachfrage durch Selbstbeteiligungen, die finanzielle Entlastung der Krankenkassen sowie die soziale Verträglichkeit von Zuzahlungen.
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Praxisgebühr ein wirkungsvolles Steuerungsinstrument war oder ob sie ihre in sie gesetzten Ziele verfehlt hat.
Es erfolgt eine Auswertung bestehender gesundheitsökonomischer Literatur, empirischer Studien (wie dem Gesundheitsmonitor) und statistischer Daten der GKV und OECD.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Selbstbeteiligung, die detaillierte finanzielle Entwicklung während der Geltungsdauer der Gebühr sowie das veränderte Verhalten der Patienten.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Praxisgebühr, Steuerungswirkung, Moral Hazard, GKV-Finanzen und Inanspruchnahmeverhalten zusammenfassen.
Die Abschaffung erfolgte aufgrund der komfortablen Finanzlage der Krankenkassen, da die Gebühr als bürokratisch und ineffizient eingestuft wurde, ohne die angestrebte Steuerungswirkung nachhaltig erreicht zu haben.
Die Untersuchung zeigt, dass einkommensschwache Schichten stärker unter der Gebühr litten und öfter auf notwendige Arztbesuche verzichteten als einkommensstarke Versicherte.
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