Examensarbeit, 2013
98 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Ende der DDR im fachwissenschaftlichen Diskurs
2.1 Darstellung
2.2 Kontroversen
2.2.1 Externe Faktoren
2.2.2 Interne Faktoren
2.2.2.1 Systemimmanente Faktoren
2.2.2.2 Gesellschaftliche Faktoren
2.2.2.3 Ökonomische Faktoren
3. Das Schulgeschichtsbuch
3.1 Das Schulgeschichtsbuch im Spannungsfeld divergierender Ansprüche
3.2 Verschiedene Typen von Schulgeschichtsbüchern
3.3 Funktionen des Schulgeschichtsbuches
3.4 Kriterien des „idealen“ Schulgeschichtsbuchs
3.4.1 Brauchbarkeit für die Unterrichtspraxis
3.4.2 Brauchbarkeit für den Erwerb narrativer Kompetenz
3.4.2.1 Brauchbarkeit für die historische Wahrnehmung
3.4.2.2 Brauchbarkeit für die historische Deutung
3.4.2.3 Brauchbarkeit für die historische Orientierung
3.5 Das Schulgeschichtsbuch in der Praxis
3.6 Das Schulgeschichtsbuch als Politikum
4. Schulbuchanalyse
4.1 Allgemeine Beschreibung der untersuchten Schulgeschichtsbücher
4.2. Analyse der Darstellungen
4.2.1 Methodische Vorbemerkungen
4.2.2 Die Charakterisierung der Ereignisse
4.2.3 Die Ausgangslage
4.2.4 Die Kommunalwahlen
4.2.5 Die Flüchtlingswelle
4.2.6 Die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR
4.2.7 Die Demonstrationen, der Rücktritt der Regierung und der Mauerfall
4.3 Analyse ausgewählten Quellenmaterials und der Arbeitsaufträge
4.3.1 Fachdidaktische Maßgaben an Quellenmaterial und Arbeitsaufträge
4.3.2 Analyse
5. Fazit
Die vorliegende Hausarbeit untersucht, wie der Zusammenbruch der DDR im Jahr 1989 in aktuellen hessischen Schulgeschichtsbüchern dargestellt wird. Ziel ist es, die ideologischen Tendenzen und politischen Deutungsmuster hinter diesen Darstellungen aufzudecken und zu analysieren, ob die Schulbücher den fachdidaktischen Anforderungen an historisches Lernen gerecht werden.
1. Einleitung
Am Abend des 9. November 1989 verlas der für Medien zuständige Sekretär des ZK der SED Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz in Ost-Berlin ein Papier, dessen genauen Inhalt er bis zu diesem Zeitpunkt nicht genau kannte und der ihn wohl ebenso überraschte wie die anwesenden Journalisten: Auf Beschluss des Zentralkomitees der SED sollte eine neue Reiseregelung in Kraft treten, die es den Bürgern der DDR gestatte, „Privatreisen nach dem Ausland“ und „ständige Ausreisen“ zu unternehmen – „unverzüglich“, wie Schabowski hinzufügte. Dies bedeutete die sofortige Öffnung der innerdeutschen Grenze und den Fall der Berliner Mauer, die West- und Ost-Berlin seit knapp 30 Jahren getrennt hatte.
In einem historischen Kontext betrachtet schloss sich mit dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik als Folgewirkung des Endes des Ost-West-Konfliktes und dem Fall der Mauer das Kapitel der „deutschen Frage“ nach den Grenzen und der territorialen Ordnung Deutschlands. Diese zog sich spätestens seit der Revolution 1848/49 wie ein roter Faden durch die deutsche Geschichte. Mit der „Einheit in Freiheit“ sind nach Ansicht des Historikers ANDREAS RÖDDER für das vereinigte Deutschland nach den „katastrophalen Umwegen“ die „Hoffnungen des 19. Jahrhunderts“ schließlich doch noch in Erfüllung gegangen. In der historischen Fachwissenschaft und der breiten Öffentlichkeit wird dem Volk der ehemaligen DDR zugutegehalten, für diesen „Glücksfall“ der deutschen Geschichte gesorgt zu haben, in dem es im Herbst 1989 nach 40 Jahren der Bevormundung und Gängelung den aufrechten Gang gelernt und in einer „friedlichen Revolution“ seine unterdrückerischen Machthaber abgeschüttelt habe. Seitdem wird “mit ‚1989‘ Geschichtspolitik betrieben”.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den historischen Hintergrund des Mauerfalls 1989 und definiert das Forschungsziel der Arbeit, die Darstellung des DDR-Zusammenbruchs in Schulbüchern ideologiekritisch zu analysieren.
2. Das Ende der DDR im fachwissenschaftlichen Diskurs: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die fachwissenschaftlichen Erklärungsansätze und Kontroversen zum Untergang der DDR, unterteilt in externe, systemimmanente, gesellschaftliche und ökonomische Faktoren.
3. Das Schulgeschichtsbuch: Hier werden die Funktionen, Typen und Kriterien eines "idealen" Schulgeschichtsbuches aus fachdidaktischer Sicht, insbesondere basierend auf Jörn Rüsen, erarbeitet und diskutiert.
4. Schulbuchanalyse: Das Hauptkapitel nimmt eine detaillierte, chronologische Analyse der Darstellung der Ereignisse des Jahres 1989 in vier ausgewählten Schulbüchern sowie eine Untersuchung der dort verwendeten Quellen und Arbeitsaufträge vor.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die untersuchten Bücher eine ideologisch gefärbte, politisch tendenziöse Darstellung bieten, die dem Anspruch auf historisches Lernen oft nicht genügt.
DDR, friedliche Revolution, 1989, Schulgeschichtsbuch, Geschichtsdidaktik, SED-Diktatur, Mauerfall, Systemzusammenbruch, DDR-Geschichte, Geschichtsbewusstsein, politische Bildung, Ideologiekritik, DDR-Volk, Transformation, historische Kompetenz.
Die Arbeit analysiert, wie vier aktuell in Hessen zugelassene Schulgeschichtsbücher den Zusammenbruch der DDR im Jahr 1989 darstellen und welche politischen Tendenzen dabei zum Tragen kommen.
Die Themenfelder umfassen die fachwissenschaftliche Debatte über das Ende der DDR, didaktische Anforderungen an Schulbücher sowie eine detaillierte Analyse der Darstellung konkreter Ereignisse von Mai bis November 1989.
Das Ziel ist es herauszufinden, ob und inwiefern die Schulbuchdarstellungen gesellschaftliche Ideologien und politische Interessen widerspiegeln und ob sie die Schüler zur kritischen historischen Urteilsbildung befähigen.
Es handelt sich um eine ideologiekritische Schulbuchanalyse, die Elemente der Inhaltsanalyse, Textanalyse und didaktischen Analyse kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Verfassertexte (nach chronologischen Ereignissen wie Kommunalwahlen, Flüchtlingswelle etc.) sowie die Untersuchung der verwendeten Quellen und Arbeitsaufträge.
Zu den zentralen Begriffen zählen DDR, friedliche Revolution, Geschichtsdidaktik, SED-Diktatur, Ideologiekritik und historisches Lernen.
Die Schulbücher zeichnen das SED-Regime überwiegend als "Unterdrückungsapparat" oder Unrechtsstaat, der sich notwendigen Reformen aus Starrsinn verweigerte.
Die Autoren konstruieren das Bild eines generell DDR-kritischen Volkes und stilisieren die Protestierenden zu "Revolutionären", wobei die Rolle von Oppositionellen, Demonstranten und Flüchtlingen teils undifferenziert gleichgesetzt wird.
Die Analyse zeigt, dass Quellen oft rein illustrativ eingesetzt werden und die Arbeitsaufträge meist dem "Unterforderungstyp" entsprechen, da sie eher reproduktiv statt konstruktiv sind.
Die Arbeit kritisiert, dass die Schulbücher den wesentlichen politischen Rechtsanspruch der BRD (Einheits-Staatsbürgerschaft) ausblenden, was das Verständnis der Fluchtbewegungen und der politischen Dynamik 1989 einschränkt.
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