Masterarbeit, 2014
70 Seiten
1. Einleitung
1.1 Problemaufriss
1.2 Gang der Arbeit
2. Das Großbauprojekt
2.1 Charakteristika eines Großprojekts
2.2 Rechtliche Grundlagen
2.2.1 Die Vergabe von öffentlichen Bauleistungen
2.2.2 Möglichkeiten der öffentlichen Hand zur GU-/GÜ-Vergabe
3. Probleme bei der Durchführung von Großbauprojekten
3.1 Mangelhafte Projektvorbereitung
3.2 Ausufernde Inanspruchnahme des einseitigen Änderungsrechts durch den Auftraggeber
3.3 Schlechtes Risiko- und Änderungsmanagement
3.4 Vernachlässigung der Schnittstelle Planung / Bau
3.5 Aufbau der Organisationsstruktur
3.6 Mangelhafte Bürgerbeteiligung
3.7 Die Rolle politischer Gremien
3.7.1 Die frühe Zahl (Budget)
3.7.2 Fachfremde Entscheidungsträger
4. Die Olympischen Spiele 2012 in London
4.1 Die ausführliche Projektvorbereitung
4.2 Die Olympischen Spiele als Infrastrukturprojekt
4.2.1 Der Begriff der "Legacy"
4.2.2 Die Umsetzung der "Legacy"
4.3 Effektives Risiko- und Änderungsmanagement
4.4 Einsatz von Building Information Modeling (BIM)
4.5 Effektive Organisationsstrukturen
4.6 Aktive Bürgerbeteiligung
4.7 Fachkundige Entscheidungsträger
5. Lösungsansätze für eine erfolgreichere Projektdurchführung deutscher Großbauprojekte am Beispiel von London 2012
5.1 Die Projektvorbereitung
5.2 Das Risiko- und Änderungsmanagement
5.3 Der Einsatz von innovativen Planungsmethoden
5.3 Die Einbeziehung der Bürger
5.4 Der Aufbau der Organisationsstruktur
5.5 Die Rolle der politischen Entscheidungsträger
6. Fazit / Schlusswort
Die Arbeit analysiert die Ursachen für das häufige Scheitern öffentlicher Großbauprojekte in Deutschland im Hinblick auf Kosten- und Zeitüberschreitungen. Ziel ist es, durch einen Vergleich mit dem erfolgreichen Infrastrukturprojekt der Olympischen Spiele 2012 in London Lösungsansätze für eine effizientere Projektdurchführung in Deutschland zu erarbeiten.
3.2 Ausufernde Inanspruchnahme des einseitigen Änderungsrechts durch den Auftraggeber
Das folgende Problem, welches bei der Durchführung von Großbauprojekten auftritt, resultiert im Grunde aus dem Vorangegangenen - der mangelhaften Projektvorbereitung.
Anders als im Werkvertragsrecht, steht dem Auftraggeber in der VOB ein einseitiges Änderungsrecht zu. §1 Abs.3 VOB/B lautet demnach: "Änderungen des Bauentwurfs anzuordnen, bleibt dem Auftraggeber vorbehalten."19 Diese Regelung erscheint vor dem Hintergrund der Komplexität von Bauprojekten selbstverständlich als überaus sinnvoll und berechtigt. Die Existenz dieser Regelung soll hier keinesfalls in Frage gestellt werden. Jedoch ergibt sich für die erfolgreiche Durchführung von Bauprojekten aus dieser Regelung in Verbindung mit einer mangelhaften Vorplanung ein Problem.
Sind die genauen Anforderungen und Ansprüche an ein Bauvorhaben in der Vorplanung noch nicht definiert worden, so wird dies zwangsweise während der Planungsphase oder spätestens während der Bauausführung geschehen. Dies bedeutet, dass neue Anforderungen in neue Planungen umgesetzt werden müssen. Je nach der Größe der neuen Anforderung, hat die Planungsänderung unter Umständen erheblichen Einfluss auf die Gesamtkosten des Bauprojekts und ebenfalls immensen Einfluss auf vereinbarte Fertigstellungstermine. Beispiele für ausufernde Planungsänderungen lassen sich nahezu bei allen deutschen Großbauprojekten finden, welche ihre Projektziele verfehlten. So wurde auch beim Berliner Flughafen BER reger Gebrauch des einseitigen Änderungsrechts gemacht. Ursprünglich war das Flughafengelände mit einer Bruttogeschossfläche von 200.000 Quadratmetern geplant. Inzwischen ist die Bruttogeschossfläche bei einer Fläche von 340.000 Quadratmetern angelangt. Dadurch, dass immer wieder neue Bedürfnisse seitens des Bauherrn angemeldet wurden, hat sich die Grundfläche des Flughafengeländes um nahezu das 1,7-fache vergrößert.20 Auch das Verhältnis von Aviation zu Non-Aviation wurde zu einem sehr späten Zeitpunkt auf Wusch des Bauherrn nochmals geändert. Im Hauptstadtflughafen "...mussten auf Weisung des Bauherrn mitten in der fix und fertig durchgeplanten Hauptabfertigungsebene unmittelbar hinter den Sicherheitskontrollen 1.800 Quadratmeter Aviation-Fläche für den Walk-through-Shop abgetreten werden."21 Diese Änderung hatte massive Umplanungsmaßnahmen zur Folge. Doch nicht nur das. Auch das bisher vorliegende Brandschutzkonzept war von diesen neuen Anforderungen betroffen.
1. Einleitung: Stellt das Problem der scheiternden deutschen Großbauprojekte dar und definiert das Ziel, Lösungsansätze anhand des Beispiels London 2012 aufzuzeigen.
2. Das Großbauprojekt: Definiert Großprojekte anhand ihrer Kriterien und erläutert die rechtlichen Grundlagen der Vergabe von öffentlichen Bauleistungen in Deutschland.
3. Probleme bei der Durchführung von Großbauprojekten: Analysiert kritische Erfolgsfaktoren wie mangelhafte Vorbereitung, Änderungsmanagement, Schnittstellenproblematiken, Organisationsaufbau, Bürgerbeteiligung und die Rolle der Politik.
4. Die Olympischen Spiele 2012 in London: Detaillierte Betrachtung der erfolgreichen Vorbereitung und Durchführung der Spiele in London als Infrastrukturprojekt mit Fokus auf Management- und Beteiligungsstrukturen.
5. Lösungsansätze für eine erfolgreichere Projektdurchführung deutscher Großbauprojekte am Beispiel von London 2012: Leitet aus den Erkenntnissen der Londoner Fallstudie konkrete Handlungsempfehlungen für die Optimierung deutscher Großbauprojekte ab.
6. Fazit / Schlusswort: Fasst die Kernergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit politischer und struktureller Reformen im Bauwesen.
Großbauprojekte, Projektmanagement, öffentliche Hand, Projektvorbereitung, Risiko- und Änderungsmanagement, Bürgerbeteiligung, London 2012, Bauleistung, VOB, Infrastrukturprojekt, Organisationsstruktur, politische Gremien, Bauvorhaben, Kostenkontrolle, Terminplanung.
Die Arbeit untersucht die Gründe für das häufige Entgleiten öffentlicher Großbauprojekte in Deutschland, insbesondere hinsichtlich massiver Kosten- und Zeitüberschreitungen.
Zu den Schwerpunkten zählen die Projektvorbereitung, das Risiko- und Änderungsmanagement, die Organisationsstruktur, die Bürgerbeteiligung sowie die Rolle politischer Akteure bei Großbauvorhaben.
Das primäre Ziel ist es, Lösungsansätze für die erfolgreichere Durchführung deutscher Großbauprojekte zu finden, indem das Modell der Olympischen Spiele 2012 in London als Vergleichsmaßstab dient.
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse und einen systematischen Vergleich zwischen deutschen Problemlagen und der erfolgreichen Projektdurchführung in London 2012.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Ursachen für das Scheitern in Deutschland, stellt die Vorbildfunktion des Londoner Modells dar und leitet daraus spezifische Handlungsempfehlungen für die deutsche Baupraxis ab.
Zentrale Begriffe sind unter anderem Großbauprojekte, Risiko- und Änderungsmanagement, Bürgerbeteiligung, Infrastrukturprojekt, Projektvorbereitung und Bauvertragsrecht.
In London wird vor Projektbeginn ein umfassender, detaillierter Basisbericht erstellt, der Aufgaben, Risiken, Kosten und Zeitpläne definiert und eine fundierte Entscheidungsgrundlage bietet, während in Deutschland oft mit unzureichend geplanten Budgets gestartet wird.
Häufig gibt es eine zu starke Verflechtung von Politik und Projektleitung, wobei politische Interessen der Selbstdarstellung oder die Notwendigkeit zur kurzfristigen politischen Legitimation (z. B. durch "geschönte" frühe Zahlen) die wirtschaftliche Vernunft behindern.
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