Examensarbeit, 2010
95 Seiten, Note: 1,0
I. Pío Baroja – El árbol de la ciencia (1911)
1. Pío Baroja als Andrés Hurtado? – autobiographische Elemente in El árbol de la ciencia
2. Barojas Einstellung zur Medizin und Aufarbeitung in El árbol de la ciencia – die Rolle Letamendis
3. Wissenschaftsgeschichtliche Hintergründe zum Werk Pío Barojas
3.1 Medizin und Hygiene in vorpasteurianischer Zeit – „Wir wollen sanieren“
3.2 Die Begründer der modernen Mikrobiologie – Louis Pasteur und Robert Koch
3.3 Der medizinische Fortschritt im Spiegel der spanischen Gesellschaft
3.4 Aufarbeitung der wissenschaftsgeschichtlichen Hintergründe in El árbol de la ciencia
4. Der Einfluss des Arztes auf das Schreiben des Autors – El árbol de la ciencia als Sprachrohr des Mediziners
4.1 Der schreibende Arzt als Aufklärer – Zur Popularisierung medizinischen Wissens
4.2 Körper und Krankheit in El árbol de la ciencia
II. Louis-Ferdinand Céline – Voyage au bout de la nuit (1932)
1. Eine Reise durch das Leben des Docteur Destouches? – autobiographische Elemente im Roman
2. Zur Rolle der Hygiene in Voyage au bout de la nuit
2.1 Hygiene und Industrialisierung – historische Hintergründe und Louis-Ferdinand Destouches’ Einstellung zur Sozialhygiene
2.2 Céline, écrivain-hygiéniste – Hygiene und therapeutischer Nihilismus in Voyage au bout de la nuit
3. Leid und Krankheit als état normal? – der Arzt als Teil einer kranken Gesellschaft
3.1 Die Allgegenwart der Krankheit in Voyage au bout de la nuit
3.2 Die Reise ans Ende des Lebens – die Allgegenwart des Todes im Roman
4. L’observation clinique – zum Wissen und zum klinischen Blick eines Schriftsteller-Arztes
III. Luis Martín-Santos – Tiempo de silencio (1962)
1. Realidad médica – medizinische Wirklichkeit in der Handlung des Romans
2. Realidad a-médica oder das Wortfeld der Medizin in nicht-medizinischer Realität – der Krebs als große Metapher
3. Wie schreibt ein Arzt? – zur Wissenschaftssprache und zum diagnostischen Blick des poeta medicus
3.1 Tiempo de silencio als novela-ensayo
3.2 Diagnostischer Blick und mathematische Präzision im Schreiben Martín-Santos’
4. Was weiß der Psychiater? – Psychiatrie und Psychoanalyse in Tiempo de silencio
4.1 Martín-Santos und die Anfänge der Psychoanalyse in Spanien
4.2 Martín-Santos und die existentielle Psychoanalyse als therapeutisches Verfahren
4.3 Das Wissen des Psychiaters im Schreiben des Autors – die existentielle Psychoanalyse in Tiempo de silencio
4.3.1 Pedros Mutterleibsregression
4.3.2 Un protagonista neurótico – un protagonista curado: Der Heilungsprozess im Sinne der existentiellen Psychoanalyse
Die Arbeit untersucht das literarische Schreiben von sogenannten Schriftsteller-Ärzten (poeta medicus), am Beispiel von Pío Baroja, Louis-Ferdinand Céline und Luis Martín-Santos. Ziel ist es aufzuzeigen, wie diese Autoren ihre medizinischen Erfahrungen, ihr Fachwissen und ihren spezifischen diagnostischen Blick in ihre literarischen Werke integrieren und dabei Realität mit Fiktion verschmelzen lassen.
3.1 Medizin und Hygiene in vorpasteurianischer Zeit – „Wir wollen sanieren“
Auf den Leser des 21. Jahrhunderts mag es befremdlich wirken, wenn Baroja in El árbol de la ciencia von „unas cosas vivas en el aire […]“ schreibt, „que son malas [y] mueren con la luz.“ (147) Aus diesem Grunde ist es unerlässlich, an dieser Stelle der Arbeit die historischen Hintergründe des Werkes aufzuarbeiten und die Rolle der Medizin zur Zeit Pío Barojas darzustellen.
An zahlreichen Textstellen wird der Leser mit dem Thema der Hygiene, sowie mit Namen wie Liebig, Berthelot, Koch oder Pasteur konfrontiert. Diese Namen sind heute eindeutig in das breite Forschungsfeld der Chemie und der Bakteriologie einzuordnen. Die Hygiene und die Bakteriologie erlebten zwar in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre große Blüte, jedoch sind deren Anfänge bereits in der Antike zu suchen. So betonte schon der griechische Arzt Hippokrates (460 – 375 v. Chr.) die Individualität einer jeden Krankheit und den Zusammenhang zwischen der Gesundheit eines Menschen und dessen Umwelt. Krankheit und Gesundheit seien demnach das „Resultat von Umwelteinflüssen“.
Pío Baroja als Andrés Hurtado? – autobiographische Elemente in El árbol de la ciencia: Untersuchung der starken Parallelen zwischen der medizinischen Laufbahn des Autors und der fiktiven Figur des Andrés Hurtado.
Barojas Einstellung zur Medizin und Aufarbeitung in El árbol de la ciencia – die Rolle Letamendis: Analyse der kritischen Haltung Barojas gegenüber den medizinischen Zuständen und der universitären Lehre in Spanien anhand der Figur Letamendis.
Medizin und Hygiene in vorpasteurianischer Zeit – „Wir wollen sanieren“: Darstellung der wissenschaftsgeschichtlichen Zusammenhänge, insbesondere der Bedeutung von Hygiene und dem Wandel vom religiösen zum naturwissenschaftlichen Krankheitsverständnis.
Die Begründer der modernen Mikrobiologie – Louis Pasteur und Robert Koch: Erläuterung der wegweisenden Entdeckungen der Mikrobiologie, die das medizinische Bewusstsein grundlegend veränderten.
Der medizinische Fortschritt im Spiegel der spanischen Gesellschaft: Beleuchtung der verspäteten Umsetzung medizinischer Neuerungen im Spanien des 19. Jahrhunderts und der damit verbundenen sozialen Herausforderungen.
Aufarbeitung der wissenschaftsgeschichtlichen Hintergründe in El árbol de la ciencia: Analyse, wie Baroja den medizinischen Forschungsstand seiner Zeit in die literarische Handlung einbettet.
Der schreibende Arzt als Aufklärer – Zur Popularisierung medizinischen Wissens: Untersuchung der didaktischen Absichten des Autors, der seinen Roman als Sprachrohr zur Vermittlung medizinischer Neuerungen nutzt.
Körper und Krankheit in El árbol de la ciencia: Betrachtung der Bedeutung von körperlichen Erkrankungen als zentrales literarisches Motiv und Spiegel gesellschaftlicher Rückständigkeit.
Poeta medicus, Schriftsteller-Ärzte, Pío Baroja, Louis-Ferdinand Céline, Luis Martín-Santos, El árbol de la ciencia, Voyage au bout de la nuit, Tiempo de silencio, Medizin und Literatur, Bakteriologie, Hygiene, Psychoanalyse, Existentialismus, Krankheitsmetapher, Wissenschaftsgeschichte
Die Arbeit analysiert das Phänomen des "poeta medicus", also Schriftsteller, die zugleich Mediziner sind, und wie diese Doppelidentität ihre literarische Arbeit prägt.
Die Themen umfassen die Verschränkung von medizinischem Fachwissen mit narrativer Fiktion, die Rolle des Arztes als Beobachter und Aufklärer sowie die Darstellung von Körperlichkeit und Krankheit als Metapher.
Es soll aufgezeigt werden, wie Baroja, Céline und Martín-Santos ihre medizinischen Erfahrungen und ihren diagnostischen Blick nutzen, um die Realität ihrer jeweiligen Zeit zu erfassen und in ihren Werken literarisch zu verarbeiten.
Die Autorin kombiniert eine literaturwissenschaftliche Textanalyse mit historischen und wissenschaftsgeschichtlichen Kontextualisierungen sowie psychoanalytischen Theorien.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Kapitel, die jeweils einen der drei Schriftsteller und dessen Werk (El árbol de la ciencia, Voyage au bout de la nuit, Tiempo de silencio) detailliert in Bezug auf medizinische Hintergründe und das Schreiben als Arzt untersuchen.
Die zentralen Schlagworte sind Poeta medicus, Medizingeschichte, existenzielle Psychoanalyse, Krankheitsmetaphern und die literarische Aufarbeitung von Wirklichkeit.
Martín-Santos nutzt sein Fachwissen als Psychiater, um die Existenz seiner Romanfiguren zu analysieren; insbesondere die existentielle Psychoanalyse von Sartre bildet hierbei ein zentrales theoretisches Gerüst für das Handeln und die Entwicklung des Protagonisten.
Céline betrachtet seine Romanfiguren und ihre Umwelt mit einer analytischen Distanz und Detailgenauigkeit, die an eine klinische Untersuchung erinnert, um tiefere organische oder soziale "Krankheitsprozesse" offenzulegen.
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