Diplomarbeit, 2004
112 Seiten, Note: 2,7
1 Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Wettbewerbssituation und Wettbewerbsdruck in der Automobilindustrie
2.1 Allgemeine Definition von Wettbewerb und Wettbewerbskräften
2.2 Wettbewerbsherausforderungen in der Automobilindustrie
2.3 Produktion als Wettbewerbsfaktor
2.4 Historischer Abriss der Entwicklung der Automobilindustrie
2.4.1 Epoche der handwerklichen Produktion
2.4.2 Die erste Revolution – Massenproduktion
2.4.3 Die zweite Revolution – schlanke Produktion
2.4.4 Aktuelle Produktionsmodelle
2.5 Aktuelle Rahmendaten der Automobilindustrie
2.5.1 Automobilkonjunktur
2.5.1.1 Weltweite Automobilkonjunktur
2.5.1.2 Deutsche Automobilkonjunktur
2.5.2 Aktuelle Wettbewerbssituation und strukturelle Veränderungen
2.5.3 Volkswirtschaftliche Bedeutung der Automobilindustrie
2.6 Folgerungen
3 Treiber für Betreibermodelle in der Automobilindustrie
3.1 Innovation
3.1.1 Definition von `Innovation´
3.1.2 Bedeutung von Innovation für die Automobilindustrie
3.1.3 Marktsegmentierung: Triumph der Nische
3.1.4 Konklusion
3.2 Produktivität und Flexibilität
3.2.1 Einordnung von Produktivität und Flexibilität in die taktische Planung
3.2.2 Definition von Produktivität und Flexibilität
3.2.3 Charakteristika der Automobilfertigung
3.2.4 Problemfeld Produktivität / Flexibilität
3.2.5 Konklusion
3.3 Fertigungs- und Wertschöpfungstiefe
3.3.1 Definition und Überblick
3.3.2 Veränderungen der Wertschöpfungsstruktur
3.3.3 Strategische Ansatzpunkte für die Fremdvergabe produktiver und produktionsnaher Leistungen
3.3.4 Insourcing-/Outsourcing-Strategien
3.3.4.1 Definition von `Insourcing´ / `Outsourcing´ und Überblick
3.3.4.2 Fremdvergabe von Fertigungsumfängen an Zulieferer
3.3.4.3 Fremdvergabe von Fertigungsfunktionen an Ausrüstungslieferanten
3.3.4.4 Trend: Insourcing vs. Outsourcing
3.3.5 Beurteilung der Fertigungstiefe aus Konsumentensicht
3.3.6 Konklusion
3.4 Netzwerkbildung
3.4.1 Definition von `Netzwerkbildung´
3.4.2 Koordination von Netzwerken
3.4.3 Paradigmenwechsel: Vom Teilelieferanten zum Systemintegrator
3.4.4 Global Sourcing
3.4.5 Konklusion
3.5 Folgerungen
3.5.1 Zusammenfassung der Treiber
3.5.2 Veränderung der Wertschöpfungsstrukturen
3.5.3 Lösungsstrategien
4 Betreibermodelle als ein innovatives Geschäftsmodell
4.1 Übersicht über innovative Geschäftsmodelle
4.2 Überblick über Betreibermodelle
4.2.1 Betreibermodelle in öffentlichen Infrastrukturprojekten
4.2.2 Definition von Betreibermodellen in der (Privat-)Wirtschaft
4.2.3 Angebot von Betreibermodellen in der deutschen Investitionsgüterindustrie
4.3 Einordnung von Betreibermodellen in die Wertschöpfungskette und Eignung
4.4 Lebenszyklus von Betreibermodellen
4.4.1 Überblick und Definition von Anlagen
4.4.2 Phasen von Betreibermodellen mit phasenspezifischen Risiken
4.5 Vertragsbeziehungen in Betreibermodellen
4.5.1 Beteiligte an Betreibermodellen
4.5.2 Rechtliche Details
4.6 Funktionen von Betreibermodellen
4.6.1 Überblick
4.6.2 Leistungsfunktion: Projektierung, Herstellung, Betriebsführung
4.6.3 Finanzierungsfunktion
4.6.3.1 Überblick und Definition
4.6.3.2 Implikationen durch Basel II
4.6.3.3 Off-Balance-Finanzierung
4.6.3.4 Off-Rating-Finanzierung
4.6.3.5 Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
4.6.3.6 Spezielle Kostenaspekte
4.7 Darstellung der theoretischen Modellkonstrukte
4.7.1 Überblick
4.7.2 Neuere Modellansätze
4.7.2.1 Leasingmodell
4.7.2.2 Betriebsführungsmodell
4.7.2.3 Eigentümermodell (Betreibermodell)
4.7.2.4 “Pay on Production“-Modell
4.7.3 Modellüberblick und Konklusion
4.8 Chancen und Risiken von Betreibermodellen (insbes. PoP-Modell)
4.8.1 Betriebswirtschaftliche Chancen
4.8.1.1 Chancen des Dienstleistungsnehmers (OEM)
4.8.1.2 Chancen des Dienstleistungsanbieters (Betreiber)
4.8.2 Betriebswirtschaftliche Risiken
4.8.2.1 Risiken des Dienstleistungsnehmers (OEM)
4.8.2.2 Risiken des Dienstleistungsanbieters (Betreiber)
4.9 Handlungsrahmen mit strategischer Empfehlung
4.9.1 Kritische Erfolgsfaktoren bei Betreibermodellen
4.9.2 Kriterien zur Eignung von Betreibermodellen mit Handlungsempfehlung
4.10 Überblick über realisierte Betreibermodelle in der Automobilindustrie
4.10.1 Überblick
4.10.2 Seat - Eisenmann
4.10.3 Ford - Eisenmann
4.10.4 Smart - Eisenmann
4.10.5 Opel – Hörmann Industrietechnik
5 Kritische Würdigung und Überlegungen zur Zukunft
5.1 Modellfazit
5.2 Kritische Würdigung
5.3 Überlegungen zur Zukunft
Die vorliegende Arbeit untersucht Betreibermodelle als innovatives Geschäftsmodell in der Automobilindustrie, um den Herausforderungen durch hohen Finanzbedarf bei gleichzeitigem Innovationsdruck und steigender Produktkomplexität zu begegnen. Es wird analysiert, wie durch neue Organisationskonzepte der Betrieb von Anlagen optimiert und finanzielle Belastungen verlagert werden können.
3.2.3 Charakteristika der Automobilfertigung
Die Automobilfertigung hat seit Einführung von Henry Ford die Fließfertigung als Organisationstyp. Die Reihenfolge und Anordnung der installierten Betriebsmittel wird durch den Fertigungsablauf bestimmt und die Werkstücke durchlaufen die Bearbeitungsstationen in dieser Folge. Die Charakteristika der Fließfertigung werden in Abbildung 44 dargestellt. Als Vorteil der Fließfertigung gilt die hohe Produktivität, als Nachteil die geringe Flexibilität.
Klassischerweise dominierte der Fertigungstyp der Massenfertigung (vgl. Abbildung 45), welcher durch die hohe Produktivität (hohe Stückzahlen) eine Kostensenkung ermöglicht.
Durch die heute dominierende Kundenorientierung werden Automobile zunehmend mit der Losgröße 1 produziert. Dies ist insbesondere im Segment der Premiumfahrzeuge der Fall. Bei der 7er Reihe von BMW ist eine vollständige Veränderung der Bestellung bis 12 Tage vor Auslieferung möglich. „Das Wunschauto nach den Vorgaben des Kunden ist bereits zur realen Anforderung in der Fertigung geworden. Vom neuen 7er werden praktisch nur noch Unikate gebaut.“ Diese Einzelfertigung ist gekennzeichnet durch eine hohe Flexibilität bei einer geringen Produktivität. Bei der Serienfertigung hingegen wird ein Kostenvorteil gegenüber der Einzelfertigung durch Zusammenfassung zu größeren Serien erzielt.
Der Zusammenhang zwischen Produktivität und Flexibilität des Fertigungstyps wird in Abbildung 46 dargestellt. Es zeigt sich deutlich, dass bei einer Massenfertigung hohe Produktivität bei geringer Flexibilität herrscht. Bei der Einzel- und Serienfertigung ist eine hohe Flexibilität bei geringerer Produktivität kennzeichnend. Es entsteht ein Trade-Off zwischen Flexibilität und Produktivität und letztlich werden in der Fertigung durch Flexibilität auch Kosten induziert. Für eine Einzelfertigung ist die klassische starre Fließfertigung zu inflexibel. Bei der Werkstattfertigung wiederum ist für die Automobilindustrie die Produktivität zu gering.
Als Lösung für dieses Problem wird oft das Schlagwort Mass Customization verwendet. Dieser Begriff entstand aus Mass Production und Customization und bedeutet `kundenindividuelle Auftragsfertigung´. Das Konzept des Mass Customization ist gekennzeichnet durch eine hybride Produktionsstrategie: durch hohe Losgrößen ergeben sich Kostenvorteile, bei einem gleichzeitigen Wettbewerbsvorteil durch Produktvielfalt. Nach Piller sind zur Umsetzung dieses Konzeptes moderne Fertigungstechnologien notwendig.
1 Ziel und Aufbau der Arbeit: Einleitung in die aktuelle Wettbewerbssituation der Automobilbranche und Definition der Zielsetzung dieser Arbeit.
2 Wettbewerbssituation und Wettbewerbsdruck in der Automobilindustrie: Analyse der Branchenstruktur, historischer Entwicklungsschritte und der aktuellen konjunkturellen Herausforderungen für Fahrzeughersteller.
3 Treiber für Betreibermodelle in der Automobilindustrie: Identifikation der Faktoren Innovation, Produktivität, Flexibilität sowie Wertschöpfungstiefe und Netzwerkbildung als Auslöser für neue Organisationskonzepte.
4 Betreibermodelle als ein innovatives Geschäftsmodell: Detaillierte Darstellung der Funktionsweisen, Typen, rechtlichen Rahmenbedingungen und der praktischen Anwendung von Betreibermodellen.
5 Kritische Würdigung und Überlegungen zur Zukunft: Synthese der Ergebnisse, kritische Bewertung der Eignung von Betreibermodellen und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Anlagenmanagement.
Automobilindustrie, Betreibermodelle, Produktionswirtschaft, Innovationsmanagement, Produktivität, Flexibilität, Wertschöpfungstiefe, Outsourcing, Insourcing, Mass Customization, Anlagenmanagement, Projektfinanzierung, Supply Chain Management, Wettbewerbsvorteile, Pay on Production.
Die Arbeit beschäftigt sich mit Betreibermodellen in der Automobilproduktion als Antwort auf den zunehmenden globalen Wettbewerbsdruck und steigende Finanzierungsanforderungen bei der Modernisierung von Fertigungsanlagen.
Zu den zentralen Themen gehören die Wettbewerbssituation der Automobilindustrie, die Notwendigkeit von Innovationen, die Flexibilisierung der Produktion sowie die Analyse von Wertschöpfungsstrukturen und deren Verlagerung auf Zulieferer und Anlagenhersteller.
Das Hauptziel ist es, sowohl die theoretischen Modellkonstrukte von Betreibermodellen aufzuzeigen als auch einen Überblick über deren praktische Anwendung sowie deren Eignung zur Lösung von Finanzierungs- und Flexibilitätsproblemen in der Automobilfertigung zu geben.
Der Autor führt eine umfassende Literatur- und Quellenanalyse durch, kombiniert diese mit betriebswirtschaftlichen Theorien zur Produktions- und Wertschöpfungsgestaltung und ergänzt dies durch Beispiele aus der industriellen Praxis (z.B. Fallbeispiele Ford, Seat, Smart).
Der Hauptteil gliedert sich in die Identifikation der Treiber (wie Produktivitätszwang und Innovationsdruck) und die detaillierte Vorstellung des innovativen Geschäftsmodells "Betreibermodell", inklusive der Phasen, Risiken, Vertragsbeziehungen und Finanzierungsfunktionen.
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Betreibermodelle, Automobilproduktion, Produktivität, Flexibilität, Wertschöpfungstiefe, Outsourcing und Pay on Production beschreiben.
Es ermöglicht eine Transformation von fixen Investitionskosten in variable Betriebskosten, die nur bei tatsächlich produzierten Einheiten anfallen, und kann zudem bilanzielle Entlastungen durch Off-Rating-Finanzierungen ermöglichen.
Der Betreiber trägt das volle Risiko bei Produktionsausfällen und ist stark abhängig von Marktschwankungen, da er nur für gelieferte Gut-Teile entlohnt wird, während er gleichzeitig hohe Vorabinvestitionen in die Produktionsmittel tätigen muss.
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