Masterarbeit, 2014
90 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Zum tradierten Heldenbegriff
2.1 Wer oder was ist ein Held?
2.2 Warum brauchen wir Helden?
2.3 Der Held in der Literatur
3 Zum Begriff des Kinderhelden
4 Kinderhelden im Wandel der Zeit
4.1 Emil Tischbein und seine Detektive – Geburtsstunde der Kinderhelden
4.1.1 Zu Entstehung, Rezeption und Kritik
4.1.2 Figurenanalyse
4.1.3 Zwischenfazit I: Emil & Co. als Kinderhelden
4.2 Pippi Langstrumpf – „Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt“
4.2.1 Zu Entstehung, Rezeption und Kritik
4.2.2 Figurenanalyse
4.2.3 Zwischenfazit II: Pippi als Kinderheldin
4.3 Harry Potter – klassischer Held in neuem Gewand
4.3.1 Entwicklungen der KJL zwischen den 1950er und 1990er Jahren
4.3.2 Zu Entstehung, Rezeption und Kritik
4.3.3 Figurenanalyse
4.3.4 Zwischenfazit III: Harry & Co. als Kinderhelden
5 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Masterarbeit untersucht den Wandel der Konstruktion junger Heldenfiguren in der Kinder- und Jugendliteratur des 20. Jahrhunderts anhand der drei repräsentativen Werke „Emil und die Detektive“, „Pippi Langstrumpf“ und „Harry Potter und der Stein der Weisen“, um aufzuzeigen, wie sich das Bild des Kinderhelden in Korrelation mit historischen, gesellschaftlichen und erzieherischen Strömungen entwickelt hat.
Emil Tischbein – Musterknabe durch und durch
Emil, die etwa elf- bis zwölfjährige Hauptfigur des Romans, wird vom Erzähler am ausführlichsten vorgestellt. Der Leser erfährt, dass Emil als Halbwaise unter entbehrungsreichen Bedingungen aufgewachsen ist und deshalb früh lernen musste, seine eigenen Bedürfnisse hintanzustellen und Opfer zu bringen. Eine auktoriale Erzählweise ermöglicht Einblicke in die Denkweise der Figur und lässt den Leser unmittelbar an den Sorgen, Ängsten wie auch Glücksgefühlen Emils teilhaben. Da der junge Held fast durchweg als sehr sympathisch präsentiert wird, lädt seine Figur den Leser besonders zur Identifikation ein. Bevor sich Emil eher unfreiwillig in sein Berliner Abenteuer stürzt, lernt man ihn als lieben, aufgeschlossenen und aufopferungsvollen Jungen kennen, der ein sehr enges Verhältnis zu seiner Mutter pflegt und ihr bisweilen gar den erwachsenen Partner ersetzt. So sorgt er für sie, wenn sie einmal krank ist (E: 18), unterstützt sie bei der Arbeit und bringt sich bereits in die finanzielle Kalkulation ein (E: 29, 32).
Schon in der Eingangsszene des Romans wird deutlich, wie wichtig das Thema Geld für ihn und die Mutter ist. Fragen rund um die Haushaltslage beherrschen das Miteinander in der kleinen Familie immer wieder (vgl. E: 18, 29, 32, 33, 91f.). Emil ist deshalb besonders sensibilisiert für dieses Problemfeld und behält stets im Kopf, wie hart seine Mutter dafür arbeitet, ihm etwa eine gute Schulbildung zu ermöglichen (E: 18). Damit verbunden ist auch sein ständiges Bemühen, ihr seine tiefe Dankbarkeit auszudrücken. Um die Mutter glücklich zu machen, hat er sich, wie der Erzähler in direkter Leseranrede recht eindringlich zu versichern sucht, ganz bewusst für ein Leben als „Musterknabe“ entschieden.
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an literarischen Helden im Kindesalter und begründet die Auswahl der drei exemplarischen Werke sowie die methodische Vorgehensweise.
2 Zum tradierten Heldenbegriff: Dieses Kapitel erörtert das allgemeine, anthropologische und literarische Bild des klassischen Helden und reflektiert die notwendige gesellschaftliche Anerkennung für den Heldenstatus.
3 Zum Begriff des Kinderhelden: Hier erfolgt eine theoretische Definition des Kinderhelden, der sich durch materiale Heldenhaftigkeit und die Anerkennung als Identifikationsfigur durch junge Leser auszeichnet.
4 Kinderhelden im Wandel der Zeit: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Figuren Emil Tischbein, Pippi Langstrumpf und Harry Potter unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Entstehungszeit, Figurenanalyse und ihrer Bedeutung für den Wandel des Heldenbildes.
5 Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel resümiert, dass Kinderhelden zwar ein Konstrukt ihrer jeweiligen Epoche darstellen, jedoch durch ihre Darstellung und die Reflexion unzeitgemäßer Werte aktiv zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung beitragen können.
Kinderhelden, Kinder- und Jugendliteratur, Erich Kästner, Astrid Lindgren, Joanne K. Rowling, Heldenreise, Emanzipation, Geschlechterrollen, Identifikationsfigur, Literaturanalyse, Moral, Sozialisation, Heldenbegriff, Kindheit, Kinderrepublik.
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Konstruktion von Kinderhelden im 20. Jahrhundert und wie sich diese Figuren in Abhängigkeit von gesellschaftlichen und historischen Umständen gewandelt haben.
Zentral sind die Konzepte von Kindheit, Heldentum und deren Darstellung in der Kinder- und Jugendliteratur, insbesondere im Hinblick auf Autonomie, moralische Vorbildhaftigkeit und Rollenbilder.
Es soll herausgefunden werden, was einen Kinderhelden ausmacht, wie sich dieses Bild seit den 1920er Jahren gewandelt hat und inwiefern die gewählten Protagonisten als Reflexionsfläche ihrer Entstehungszeit dienen.
Die Untersuchung beruht auf einer eigenen Textarbeit der Autorin unter Einbeziehung und Auswertung relevanter werkbezogener Forschungsliteratur.
Im Hauptteil werden „Emil und die Detektive“, „Pippi Langstrumpf“ und „Harry Potter und der Stein der Weisen“ jeweils nach einer einheitlichen Struktur analysiert, beginnend bei der Entstehungsgeschichte bis hin zur detaillierten Figurenanalyse.
Neben den zentralen Werken und deren Autoren stehen Begriffe wie Heldenreise, Emanzipation, Identifikationsfigur und der Wandel der Geschlechterrollen im Fokus.
Kästner konstruiert Emil als pflichtbewusste, moralisch integre Figur, die bewusst versucht, das Ideal eines guten, verantwortungsbewussten Kindes zu verkörpern, um seiner Mutter zu helfen und sie stolz zu machen.
Pippi verweigert sich jeglichen erzieherischen Normen, ist körperlich überlegen, finanziell unabhängig und lebt außerhalb elterlicher Kontrolle, womit sie ein radikales Gegenmodell zum passiven, angepassten Mädchenideal der damaligen Zeit darstellt.
Harry verbindet klassische heldenhafte Merkmale mit psychologischer Tiefe; er ist fehlerhaft, durchlebt kindliche Krisen und Identitätskonflikte, was ihn für moderne Leser menschlicher und nahbarer macht als seine Vorgänger.
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