Masterarbeit, 2013
65 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Einordnung von Le città invisibili in den poststrukturalistischen und postmodernen Kontext
2.1.1 Der Text als intertextuelles Konstrukt
2.1.2 Lesen als produktiver Akt
2.1.3 écriture, ré-écriture, mythécriture
2.1.4 Dekonstruktion und différance
2.2 Mythos und Mythenanalyse
2.2.1 Begriffsklärung
2.2.2 Die strukturale Mythenanalyse von Lévi-Strauss
2.3 Über Calvinos Umgang mit Intertextualität und Mythos
3. Prätext und ré-écriture
3.1 Der Prätext: Il Milione
3.1.1 Einführung
3.1.2 Wahrheitsgehalt und Spannungsaufbau
3.2 Die ré-écriture: Le città invisibili
3.2.1 Einführung
3.2.2 Die Problematik der Gattungszuordnung
3.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede
3.4 Il Milione und Le città invisibili zwischen Beschreibung und Erzählung
4. Der venezianische Blick. Venedig-Reminiszenzen in den Città invisibili
4.1 Kulturell-historischer Kontext der Stadt Venedig und ihre Bedeutung als Wirtschaftsmacht
4.2 Venedig als literarischer Schauplatz und Mythos
4.3 Venedig in der Imagination Calvinos – zwischen Archetyp und Utopie
4.4 Die Stadt als initiales Dispositiv und das Funktionieren von Erinnerung
5. Textanalyse
5.1 Vorbemerkung
5.2 Città acquatiche
5.3 Handel und Handwerk
5.4 Die Bedrohungen der (modernen) Stadt
6. Die Transformation der erzählten unsichtbaren Städte in eine sichtbare Bildergalerie
6.1. Vorüberlegung
6.2. Das Verhältnis von Bild-Text und Text-Bild
6.3. Die künstlerischen Stadt-Dispositive von Cano und Corrado Brannigan
6.4. Bild-Analyse
6.4.1 Bauci - Eine Frage der Perspektive
6.4.2 Ottavia - Die Stadt als Imitation der Natur
6.4.3 Pentesilea - Die Stadt als Makrokosmos
6.4.4 Sofronia - Die demontierte Stadt
7. Schluss
Die Arbeit untersucht Italo Calvinos Werk Le città invisibili als eine poststrukturalistische ré-écriture von Marco Polos Reisebericht Il Milione, wobei Venedig als ein zentrales, initiales Dispositiv für die Konstruktion der unsichtbaren Städte fungiert. Ziel ist es, die intertextuellen Bezüge sowie die Bedeutung der persönlichen Imagination und Erinnerung bei der Transformation dieser literarischen Städte in eine bildkünstlerische Darstellung zu analysieren.
3.1.2 Wahrheitsgehalt und Spannungsaufbau
Insbesondere zwei entscheidende Faktoren spielen hinsichtlich der Bewertung des Wahrheitsgehalts der Darstellungen und der Glaubwürdigkeit des Textes eine Rolle. Zum einen ist es der Umstand, dass Marco Polo das Werk nicht selbst verfasst hat, sondern dass er mit Rustichello da Pisa einen Koautoren hinzugezogen hat. Die Tatsache, dass es sich bei diesem um einen Berufserzähler handelt, wirkt sich auch inhaltlich auf das Werk aus. Als „fabbricante di libri perituri“ und „raccontatore di storie altrui, di favole, di legende“ (Milione, S.X) ist es, so Manganelli in der Prefazione zu Il Milione, „impossibile che egli non abbia cercato di interpretare Marco Polo, l’uomo che gli diceva d’aver visto l’unicorno“ (Milione, S.XI). Manganelli unterstellt Rustichello hier die mündlichen Darstellungen Marco Polos nicht nur aufgezeichnet, sondern vielmehr ganz nach seiner Gewohnheit als „cantastorie di favole medievali“ (Milione, S.IX) interpretiert zu haben. Als das Aufeinandertreffen zweier unvereinbarer Welten bezeichnet er die Begegnung zwischen Marco Polo und Rustichello und weist sodann auf das Resultat dieses unwahrscheinlichen Paares hin: „e pure dalla loro impossibile collaborazione nacque questo libro mirabile, favola e non favola“ (Milione, S. IX).
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die poststrukturalistische Analyse von Calvinos Werk ein und stellt die zentrale These der ré-écriture sowie die Rolle Venedigs als Modellstadt auf.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die poststrukturalistischen Konzepte von Intertextualität, écriture und die strukturale Mythenanalyse nach Lévi-Strauss, die für die Textdeutung unerlässlich sind.
3. Prätext und ré-écriture: Hier wird der Vergleich zwischen Marco Polos Il Milione und Calvinos Le città invisibili vorgenommen, wobei die gattungstheoretischen Differenzen und die intertextuellen Gemeinsamkeiten im Fokus stehen.
4. Der venezianische Blick. Venedig-Reminiszenzen in den Città invisibili: Das Kapitel beleuchtet Venedig als historischen Kontext, literarischen Mythos und als zentrales Dispositiv für die Imagination des Autors.
5. Textanalyse: Eine detaillierte Untersuchung der Stadterzählungen hinsichtlich ihrer Wasserbezüge, wirtschaftlichen Aspekte und kritischen Darstellungen der modernen Stadt.
6. Die Transformation der erzählten unsichtbaren Städte in eine sichtbare Bildergalerie: Dieses Kapitel analysiert, wie die bildenden Künstler Pedro Cano und Colleen Corradi Brannigan den Text interdisziplinär in visuelle Kunstwerke transformieren.
7. Schluss: Die Arbeit fasst zusammen, dass Le città invisibili als semiotisches Spiel verstanden werden muss, das durch die Offenheit des Textes und die persönliche Imagination der Rezipienten neue Bedeutungen generiert.
Italo Calvino, Le città invisibili, Marco Polo, Il Milione, Intertextualität, Poststrukturalismus, Venedig-Mythos, ré-écriture, écriture, strukturale Mythenanalyse, Claude Lévi-Strauss, Imagination, visuelle Kunst, Pedro Cano, Colleen Corradi Brannigan
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Italo Calvinos Le città invisibili und Marco Polos Reisebericht Il Milione, wobei sie das poststrukturalistische Verständnis von Texten als intertextuelle Konstrukte nutzt.
Die zentralen Felder sind die Literaturtheorie (Poststrukturalismus), der Mythos Venedig als Ausgangspunkt der Imagination sowie die künstlerische Transformation von literarischen Texten in visuelle Medien.
Die Arbeit fragt danach, inwieweit Venedig als "initiales Dispositiv" für die Städte in Le città invisibili dient und wie persönliche Imagination und Erinnerung die Transformation dieser fiktiven Städte in Kunst beeinflussen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die poststrukturalistische Ansätze (Intertextualität, écriture) mit der strukturalen Mythenanalyse nach Lévi-Strauss kombiniert und um einen kunsthistorischen Vergleich erweitert.
Der Hauptteil befasst sich mit dem theoretischen Fundament, dem direkten Vergleich der Texte Il Milione und Le città invisibili sowie der Analyse spezifischer Städte unter Berücksichtigung der Venedig-Reminiszenzen und der künstlerischen Interpretationen.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Intertextualität, ré-écriture und die Verknüpfung von Literatur und Bildender Kunst, wobei die Subjektivität der Wahrnehmung im Zentrum steht.
Die Arbeit betont, dass Marco Polo im Milione als historischer Kaufmann agiert, während der fiktive Erzähler bei Calvino als ein dezentriertes Subjekt fungiert, dessen Wahrnehmung durch Erinnerung und Imagination an Venedig geprägt ist.
Die Kunstbetrachtung demonstriert praktisch das poststrukturalistische Konzept, dass ein Text nicht durch eine endgültige Wahrheit, sondern durch die produktive Lektüre (und Sichtbarmachung) des Rezipienten bzw. Künstlers lebt.
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