Lizentiatsarbeit, 2004
51 Seiten, Note: sehr gut
1. EINLEITUNG
1.1. GANG DER UNTERSUCHUNG
1.2. BEGRIFFSKLÄRUNG
1.3. FALLBEISPIELE
2. KONZEPTIONELLE ANALYSE DES WHISTLEBLOWING PROZESSES
2.1. WHISTLEBLOWING – EIN SPIELTHEORETISCHER ANSATZ
2.1.1. Einführung in die Spieltheorie
2.1.2. Wege aus dem ‚Prisoner’s Dilemma’
2.1.3. Implikationen für die Praxis
2.2. WHISTLEBLOWING UND BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE
2.2.1. Effektivität von Whistleblowing
2.2.2. Voraussetzungen für Whistleblowing
2.2.3. Möglicher Entscheidungsprozess vor dem Whistleblowing
2.3. WHISTLEBLOWING UND UNTERNEHMENSETHIK
2.3.1. Bedeutung der Firmenkultur für das Whistleblowing
2.3.2. Verhaltens- & Ethikkodexe
3. RECHTLICHE ASPEKTE DES WHISTLEBLOWING
3.1. BESTEHENDE GESETZGEBUNG
3.1.1. Gesetze als taugliche Mittel?
3.1.2. Vergleich nationaler Gesetzgebungen in Bezug auf Whistleblowing
3.2. WHISTLEBLOWING UND DER SOX
3.2.1. Relevante Paragraphen und ihre Bedeutung
3.2.2. Verfahren und Ausmass des SOX 806
3.2.3. Erste Erfahrungen mit dem SOX 806
4. UNTERNEHMERISCHE REAKTION AUF DIE WBP
4.1. VOR DEM SOX: DER FALL ENRON
4.1.1. Die Protagonisten
4.1.2. Entstehung und Ablauf des Whistleblowing Prozesses bei ENRON
4.1.3. Mögliche Fehlerquellen bei ENRON
4.2. DER SOX: MÖGLICHE MASSNAHMEN DER UNTERNEHMEN
4.2.1. Wissenschaftliche Vorschläge für interne Whistleblowing Programme
4.2.2. Praktische Umsetzung interner Whistleblowing Programme
4.3. NACH DEM SOX: REAKTION EINER SCHWEIZER FIRMA
4.3.1. Ausgangslage
4.3.2. Funktionsweise der anonymen Beschwerde-Helpline
4.3.3. Kritische Würdigung und alternative Vorschläge
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN
Die Arbeit untersucht den Whistleblowing-Prozess aus einer ökonomischen Perspektive, um zu bewerten, inwieweit Gesetze wie der Sarbanes-Oxley Act (SOX) als Instrumente zur Corporate Governance und Frühwarnung bei Rechtsverletzungen in Unternehmen geeignet sind. Dabei wird analysiert, wie Anreizstrukturen für Mitarbeiter geschaffen werden können, um Missstände frühzeitig zu melden, ohne dabei destruktive ökonomische Anreizkonstellationen zu fördern.
4.1.1. Die Protagonisten
ENRON geht 1985 aus der Fusion zweier grosser Gasunternehmen hervor und steigt danach kometenhaft zu einem der grössten Arbeitgeber der USA auf. Anfangs betreibt das Unternehmen hauptsächlich einen Grosshandel mit Gas und Strom, dehnt sein Angebot aber stetig auf andere Geschäftszweige aus (Breitbandservice, Energie, Transport). Mit seiner 1999 in Betrieb gesetzten Online Plattform EnronOnline vertreibt die Firma über 1’200 Produkte und verzeichnet riesige buchhalterische Gewinne. Das Unternehmen wird vom Wirtschaftsmagazin Fortune sechsmal in Folge zum innovativsten Unternehmen gewählt, was das unglaubliche Vertrauen der Anleger in Enron weiter unterstreicht.
Der Aktienkurs von ENRON steigt im Jahr 2000 um 87%, bricht dann aber aufgrund grosser Aktienverkäufe von Führungskräften in der ersten Jahreshälfte 2001 um 39% ein. Am 16. Oktober 2001 gibt ENRON einen Verlust von 618 Mio. Dollar bekannt und senkt sein Eigenkapital um 1.2 Mia. Dollar. Die undurchsichtige Produktpalette und die komplexen Strukturen mit vielen Partner- und Tochterfirmen lassen es zu, dass Gewinne und Umsätze über Jahre viel zu hoch ausgewiesen werden, ohne dass Analysten, Journalisten, und teilweise wohl auch Revisoren es merken. ENRON korrigiert diese Gewinne am 8. November 2001 nachträglich um 586 Mio. Dollar nach unten. Am 2. Dezember ist es offiziell: ENRON beantragt Gläubigerschutz nach ‚Chapter 11’ und stellt den grössten Bankrott in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte dar.
Sherron Watkins arbeitet bis kurz vor dem Bankrott als Direktorin für Konzernentwicklung bei ENRON. 1983 erwirbt sie an der ‚University of Texas at Austin’ den Master im Rechnungswesen und ist seither anerkannte Wirtschaftsprüferin. Zwischen 1982 und 1990 ist sie bei Arthur Andersen als Revisorin angestellt und arbeitet in Houston und New York. Drei Jahre später wird sie von Andrew Fastow, dem späteren Finanzchef von ENRON, engagiert. Ihm ist sie zwischen Juni und August 2001 auch direkt unterstellt, bevor sie auf Wunsch in die Personalabteilung umgeteilt wird.
1. EINLEITUNG: Darstellung der Problematik anhand prominenter Skandale und Einführung in die Relevanz des Whistleblowing als Frühwarnsystem im Kontext des Sarbanes-Oxley Act.
2. KONZEPTIONELLE ANALYSE DES WHISTLEBLOWING PROZESSES: Theoretische Untersuchung mittels Spieltheorie, Betriebswirtschaftslehre und Ethik, um Anreize und Voraussetzungen für ein effektives Whistleblowing zu ergründen.
3. RECHTLICHE ASPEKTE DES WHISTLEBLOWING: Ökonomische Analyse der gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere der spezifischen Whistleblowing-Paragraphen des SOX, und deren Eignung als Instrumente.
4. UNTERNEHMERISCHE REAKTION AUF DIE WBP: Detaillierte Fallstudien zum Zusammenbruch von ENRON und der Implementierung von Whistleblowing-Programmen in einer Schweizer Unternehmung.
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Synthese der Ergebnisse, wonach ein kultureller Wandel und interne Mechanismen zur Förderung der Transparenz wichtiger sind als rein strafrechtliche Schutzbestimmungen.
Whistleblowing, Sarbanes-Oxley Act, Corporate Governance, Spieltheorie, Prisoner's Dilemma, Unternehmensethik, Firmenkultur, ENRON, Compliance, interner Kontrollmechanismus, Betrugsprävention, Beschwerde-Helpline, Bilanzmanipulation, Risikomanagement.
Die Arbeit beleuchtet das Phänomen Whistleblowing aus einer wirtschaftstheoretischen Perspektive und analysiert, wie neue Gesetze, insbesondere der SOX, als Kontrollinstrumente in Unternehmen wirken können.
Die Arbeit verknüpft spieltheoretische Modellierungen mit betriebswirtschaftlichen Überlegungen zur Unternehmenskultur und analysiert gleichzeitig die rechtlichen Auswirkungen des Sarbanes-Oxley Act auf die Unternehmenspraxis.
Das Ziel ist zu erörtern, ob staatliche Interventionen wie Whistleblowing-Paragraphen tatsächlich zu einer Stärkung der Corporate Governance beitragen oder ob sie lediglich neue Kosten verursachen, ohne die eigentlichen Ursachen von Fehlverhalten zu beheben.
Es wird eine multidisziplinäre Vorgehensweise gewählt: eine modellhafte spieltheoretische Analyse, ergänzt durch die Auswertung empirischer Studien zur Effektivität von Whistleblowing und konkrete Fallstudienanalysen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Spieltheorie/Ethik), die Analyse der SOX-Paragraphen und eine detaillierte Fallstudie zu ENRON sowie eine weitere Analyse bei einem anonymisierten Schweizer Unternehmen.
Kernbegriffe sind Whistleblowing, der Sarbanes-Oxley Act, Corporate Governance, das spieltheoretische Modell der "Prisoner's Dilemma"-Problematik sowie der Begriff der "Compliance" als unternehmerische Verhaltensrichtlinie.
Obwohl Watkins als Symbol für Whistleblowing gilt, kritisieren einige Experten, dass sie lange kooperierte und erst spät handelte, was nach einer strikten Definition der Kriterien Zweifel an ihrem Status als "ideale" Whistleblowerin aufkommen lässt.
Die untersuchten Praktiker äußern die Sorge, dass die Anonymität zwar formal garantiert wird, in der Praxis jedoch Rückschlüsse auf den Whistleblower durch Linienverantwortliche kaum vollständig zu verhindern sind, was die Gefahr subtiler Vergeltungsmaßnahmen bestehen lässt.
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