Wissenschaftliche Studie, 2003
34 Seiten
Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung
1 Einleitung
2 Allgemeine Überlegungen zum Verhältnis von menschlicher Gesellschaft und Umwelt
3 Empirische umweltpsychologische Grundlagen
4 Die Wahrnehmung des Zustandes der Umwelt und das Umweltbewusstsein in Polen
4.1 Ergebnisse der Feldstudie
4.2 Interferenzen zwischen soziodemographischen Variablen und dem Umweltbewusstsein
5 Diskussion der Ergebnisse der Umfrage im Vergleich zu anderen Untersuchungen und vor dem Hintergrund der Postmodernisierung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmung von Umweltbelastungen sowie die Handlungsbereitschaft der Bevölkerung in Polen im Kontext der Systemtransformation. Dabei wird analysiert, inwieweit soziodemographische Variablen und politische Präferenzen das Umweltbewusstsein beeinflussen und wie sich dieses im Vergleich zu westlichen Gesellschaften darstellt.
2 Allgemeine Überlegungen zum Verhältnis von menschlicher Gesellschaft und Umwelt
Während über den größten Zeitraum der Menschheitsgeschichte die Natur durch den Menschen als Bedrohung wahrgenommen wurde, führte eine forcierte Mechanisierung und Rationalisierung zu einer sich vordergründig verstärkenden Autarkie des Menschen von der Natur. Doch erreichte mit der industriellen Revolution – und stärker noch in der Gesellschaft des Massenkonsums – die Schädigung der Natur bislang unbekannte Ausmaße. Woraus sich insbesondere in den Staaten der Ersten Welt ein gewandeltes Umweltverständnis entwickelte.
Einen gesellschaftstheoretischen Hintergrund für das sich seit Mitte der 1960er Jahre entwickelnde Umweltbewusstsein – im Zusammenhang mit anderen gesellschaftlichen und individuellen Zielen – bietet die Inglehartsche Postmaterialismusthese. Diese, in den späten 1970er Jahren entwickelte These, wertet die Entstehung des Umweltbewusstseins als ein Element eines epochalen Wertewandels, der aus einer signifikanten Verschiebung der Wertvorstellungen resultiere. Als Antriebsquelle wurde der - seit den 1950er Jahren in den Staaten der Ersten Welt - kontinuierlich ansteigende Wohlstand eingeschätzt. Dadurch verschoben sich die Wertprioritäten vom Materialismus zum Postmaterialismus: Jüngere Generationen, die in ihren formativen Jahren in der materiellen Sicherheit der nach-1950er Jahre aufwuchsen, brachen mit den traditionellen Werten und Wertvorstellungen der älteren Generation. Ökonomische Sicherheit gehört in der Öffentlichkeit entwickelter Industriestaaten zwar noch immer zu den Werten, die jeder für sich verwirklicht sehen möchte, ist aber nicht länger Synonym für Glück. Die Bedeutung von Lebensqualität hingegen nimmt eine immer höhere Position in der Wertehierarchie entwickelter Gesellschaften ein, so dass bisweilen dem Umweltschutz ein höherer Stellenwert zugesprochen wird als dem Wirtschaftswachstum.
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Systemtransformation in Ostmittel- und Osteuropa und die Notwendigkeit der Untersuchung des Verhältnisses von Gesellschaft und natürlicher Umwelt.
2 Allgemeine Überlegungen zum Verhältnis von menschlicher Gesellschaft und Umwelt: Theoretische Herleitung des Umweltbewusstseins unter Berücksichtigung der Inglehartschen Postmaterialismusthese und der Maslowschen Bedürfnishierarchie.
3 Empirische umweltpsychologische Grundlagen: Darstellung psychologischer Konzepte zur Risiko- und Umweltwahrnehmung sowie der Kluft zwischen Wissen und Handeln.
4 Die Wahrnehmung des Zustandes der Umwelt und das Umweltbewusstsein in Polen: Detaillierte Auswertung einer Feldstudie mit Fokus auf soziodemographische Einflussfaktoren auf die Umweltwahrnehmung.
5 Diskussion der Ergebnisse der Umfrage im Vergleich zu anderen Untersuchungen und vor dem Hintergrund der Postmodernisierung: Kritische Einordnung der Studienergebnisse in den gesellschaftlichen Kontext des Transformationsprozesses und der Modernisierungstheorie.
Umweltbewusstsein, Polen, Systemtransformation, Postmaterialismus, Umweltverhalten, soziodemographische Variablen, Umweltbelastung, Handlungsbereitschaft, Wertehierarchie, ökologisches Wissen, Umweltmoral, industrielle Emissionen, Lebensqualität, Transformationsgesellschaft.
Die Arbeit analysiert das Umweltbewusstsein und die Handlungsbereitschaft der polnischen Bevölkerung nach der Systemtransformation unter Berücksichtigung sozioökonomischer Rahmenbedingungen.
Zu den Kernpunkten gehören die Inglehartsche Postmaterialismusthese, die psychometrische Risikowahrnehmung und der Einfluss von Bildung, Alter und politischer Orientierung auf ökologische Einstellungen.
Ziel ist es zu prüfen, ob Erkenntnisse aus westlichen Nicht-Transformationsstaaten auf Polen übertragbar sind und inwieweit soziale oder demographische Differenzierungen das Umweltverhalten prägen.
Es handelt sich um eine empirische Feldstudie mit einer Befragung von 399 Personen, ergänzt durch die Analyse soziodemographischer Daten und die Anwendung fuzzy-logischer Verknüpfungen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung umweltpsychologischer Grundlagen und eine detaillierte Auswertung der empirischen Ergebnisse aus der Befragung in Kraków, dem Oberschlesischen Industriegebiet und Radomsko.
Umweltbewusstsein, Postmaterialismus, Systemtransformation, Polen, Handlungsbereitschaft und Umweltmoral.
Dies wird auf die Kontinuität sozialistischer Strukturen zurückgeführt, in denen der Staat sämtliche Lebensbereiche regelte und die Eigenverantwortung der Bürger verkümmern ließ.
Die Studie zeigt eine positive Korrelation zwischen einem höheren Bildungsabschluss und ausgeprägteren ökologischen Kenntnissen sowie einer höheren Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für den Umweltschutz.
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