Diplomarbeit, 2009
84 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung und Fragestellung
2. Theoretische Einrahmung
2.1 Weibliche Jugend
2.1.1 Gibt es „die weibliche Jugend“?
2.1.2 Weibliche Identitätsentwicklung
2.1.3 Weibliche Sozialisation
2.2 Begriffsklärungen: Gewalt und Aggression
2.2.1 Gewalt, vorhandene Arten und Formen
2.2.2 Aggression, vorhandene Arten und Formen
2.2.3 Jugendgewalt ist überwiegend Jungengewalt
3. Welche Funktionen kann das Ausüben von Gewalt haben?
3.1 Aus psychologischer Perspektive
3.1.1 Aggression als Triebhandlung
3.1.2 Aggressionen zum Frustrationsabbau
3.1.3 Gewaltverhalten als gelerntes Verhalten
3.2 Aus soziologischer Perspektive
3.2.1 Gewalt als Gruppenstruktur
3.2.2 Gewalt als Mittel gegen Verunsicherung
3.2.3 Gewaltanwendung durch Rollenzuschreibung
3.3 Sozialisatorische Erklärungsansätze
3.3.1 Familie als primäre Sozialisationsinstanz
3.3.2 Schule als sekundäre Sozialisationsinstanz
3.3.3 Freunde als sekundäre Sozialisationsinstanz
3.3.4 Medien als sekundäre Sozialisationsinstanz
3.3.5 Vielfältige Differenzierungen des Sozialisationsprozesses
3.4 Zwischenergebnis
4. Aktuelle Forschungssituation
4.1 Ein Forschungsüberblick
4.1.1 Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik
4.1.2 Darstellung der aktuellen Forschungssituation
4.2 Ausgewählte Forschungsprojekte
4.2.1 Das Forschungsprojekt „Biographien gewalttätiger Jugendlicher“
4.2.2 Mädchen in gewaltbereiten Jugendgruppen
4.2.3 Psychoanalytischer Diskurs
5. Geschlechtsspezifische Darstellung der Gewaltanwendung
5.1 Gewaltperzeption von weiblichen Jugendlichen
5.2 Besteht ein Unterschied zu „männlicher Gewalt“?
5.3 Gewaltbereitschaft von Mädchen im Kontext ihrer Geschlechterrolle
5.3.1 Doppelte Normabweichung gewaltbereiter Mädchen
5.3.2 Weibliche Gewaltanwendung – ein Ausdruck moderner Emanzipation?
6 Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse
7. Ausblick
Die Arbeit untersucht die Hintergründe, Motive und Funktionen von Gewaltbereitschaft bei Mädchen und jungen Frauen, um das weitgehend ignorierte Phänomen der weiblichen Jugendgewalt aus psychologischer, soziologischer und sozialisatorischer Sicht zu analysieren und ein tieferes Verständnis für die Motive sowie die Rolle der Geschlechteridentität zu entwickeln.
3.1.3 Gewaltverhalten als gelerntes Verhalten
Nach der sozial-kognitiven Lerntheorie von Bandura und Selg (1972) erlernt ein Kind mögliche Verhaltensweisen durch das Beobachten von Modellen, hiermit sind in erster Linie die Eltern oder andere Bezugspersonen gemeint (vgl. Zeltner 1993, S. 78f.). Hier wahrgenommene Verhaltenweisen oder Handlungsmöglichkeiten werden in das eigene Verhaltensrepertoire übernommen und gegebenenfalls angewandt. Die Anwendung ist abhängig von der notwendigen motorischen Fähigkeit zur Ausführung der Handlung sowie einer ausreichenden Motivation (vgl. Micus 2002, S. 47). So muss für das Individuum die Nützlichkeit seiner aggressiven Handlung erkennbar sein. Diese kann bestehen in einer Belohnung, zum Beispiel durch das Erreichen von Aufmerksamkeit oder Anerkennung, oder der Durchsetzung eigener Ziele (zum Beispiel einer Vermögensbeschaffung).
Ob es zu einer Verwendung der möglichen Verhaltensweise kommt, hängt wesentlich von der Erwünschtheit des Verhaltens in der jeweiligen Situation ab (ders, S. 48). Diese wird bestimmt durch an der Konstellation beteiligte Personen. Untersuchungen belegen, dass Versuchspersonen sich wesentlich aggressiver verhalten, wenn eine ebenfalls aggressive Person im Versuchsraum ist, als wenn eine aggressionsarme Person zugegen ist. Weiterhin hängt eine Verwendung der beobachteten Verhaltensweisen essentiell von individuellen Einflüssen wie Normen, Erfahrungen oder Hemmungen ab (vgl. Minarek 2004, S. 24).
Anhand von empirischen Studien wurde der Unterschied in den aggressiven Verhaltensweisen zwischen den Geschlechtern zu erklären versucht (vgl. Micus 2002, S. 50). Während Jungen ein überdurchschnittlich hohes Nachahmen von zuvor beobachtetem aggressivem Verhalten zeigten, nutzen Mädchen ihr zuvor beobachtetes Verhaltensrepertoire erst nach ausdrücklicher Aufforderung mittels Belohnungsanreizen. Obwohl beide Geschlechter das gleiche Verhalten erlernt haben, nutzen sie ihr Wissen unterschiedlich. Die von Bandura daraus gezogene Schlussfolgerung lautet:
„Aggression ist bei Mädchen primär eine Frage der Ausführung des Verhaltens, nicht des Lernens.“ (Herv. i. Org., ders).
1. Einleitung und Fragestellung: Einführende Darlegung der Relevanz des Themas, Abgrenzung vom gesellschaftlichen Klischee der friedfertigen Frau und Formulierung der zentralen Forschungsfrage.
2. Theoretische Einrahmung: Definition zentraler Begriffe wie Jugend, Geschlechterrolle und Sozialisation zur wissenschaftlichen Fundierung der Arbeit.
3. Welche Funktionen kann das Ausüben von Gewalt haben?: Detaillierte Analyse psychologischer, soziologischer und sozialisatorischer Theorien zur Entstehung und Funktionalität von Gewalt.
4. Aktuelle Forschungssituation: Auswertung von Statistiken und Darstellung relevanter Forschungsprojekte zu Biographien und Verhaltensweisen gewalttätiger Jugendlicher.
5. Geschlechtsspezifische Darstellung der Gewaltanwendung: Untersuchung der spezifischen Gewaltperzeption bei Mädchen, der Rolle der Geschlechteridentität und der Debatte um Emanzipation und Rollenbilder.
6 Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse: Synopse der Erkenntnisse über die Komplexität und Multikausalität weiblicher Gewaltbereitschaft.
7. Ausblick: Diskussion über notwendige Präventionskonzepte und die pädagogische Haltung gegenüber gewaltbereiten Mädchen.
Jugendgewalt, Weibliche Identitätsentwicklung, Geschlechterrolle, Sozialisation, Aggression, Gewaltbereitschaft, Doing Gender, Peergroup, Gewaltprävention, Modernisierung, Psychosoziale Entwicklung, Subkultur, Täterprofile, Mädchengewalt, Delinquenz
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Thematik der Gewaltbereitschaft bei Mädchen und jungen Frauen und untersucht, warum diese entgegen gesellschaftlicher Erwartungen Gewalt ausüben.
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Geschlechteridentität, die Einflüsse von Sozialisationsinstanzen (wie Familie, Schule und Freunde), der Umgang mit Konkurrenz und Verunsicherung sowie die Funktionen von Gewalt als Handlungsstrategie.
Das primäre Ziel ist es, die Sinnhaftigkeit und Funktion von Gewalthandlungen für Mädchen und junge Frauen zu erfassen, um eine fundierte Grundlage für sozialpädagogische Ansätze zu schaffen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die aktuelle fachwissenschaftliche Studien, psychoanalytische Ansätze und soziologische Theorien analysiert und in den Kontext der weiblichen Lebenswelt stellt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einrahmung, eine umfassende Untersuchung der Funktionen von Gewalt aus psychologischer und soziologischer Sicht sowie eine Darstellung der aktuellen Forschungslage.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Jugendgewalt, Geschlechterrolle, Identitätsentwicklung, Doing Gender, Sozialisation und Gewaltprävention charakterisiert.
Das Konzept beschreibt einen Weiblichkeitsentwurf, in dem Gewaltbereitschaft als Ausdruck von Mut, Stärke und Durchsetzungsfähigkeit integriert wird, um sich gegen Abwertung zu wehren.
Die Unterscheidung ist zentral, da Mädchen häufiger subtile psychische Gewaltformen nutzen, während Jungen eher zu direkter physischer Gewalt neigen, was die unterschiedlichen Wahrnehmungen von "echter" Gewalt erklärt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

