Bachelorarbeit, 2012
67 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Der Rohstoffsektor in Russland
2.1. Russland als Erdöl- und Erdgasexporteur
2.2. Russland als Ressourcenökonomie
2.3. Russlands Öl- und Gasreichtum
3. Die Holländische Krankheit
3.1. Das Grundmodell
3.2. Die Holländische Krankheit in Industrieländern
3.2.1. Niederlande
3.2.2. Norwegen
3.2.3. Die Holländische Krankheit in den Entwicklungsländer
4. Industrieller und Dienstleistungssektor Russlands und deren Wettbewerbsfähigkeit
4.1. Industrieller Sektor (Manufactoring)
4.2. Dienstleistungssektor
5. Die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks
5.1. Die Fiskalische Disziplin in Russland
5.1.1. Die Entwicklung der Fiskalpolitik und die Wirtschaftskrise Russlands bis 1998
5.1.2. Die schnelle Erholung und das Wirtschaftswachstum Russlands seit 1999
5.1.3. Einfluss der globalen Wirtschaftskrise 2008/09
5.2. Der Wechslekurs
5.3. Der Fonds
5.3.1. Allgemeine Probleme, der Fonds zu lösen hat
5.3.2. Allgemeine Ziele des Fonds
5.3.3. Russlands Reservefonds
6. Abschwächung der Position Russlands in der Weltwirtschaft
6.1. Veränderungen im russischen Außenhandel
6.2. Hochtechnologien in Russland und der Welt
7. Innovationspotential und Forschung und Entwicklung in Russland
7.1. Forschung, Entwicklung und Innovaton in Russland
7.2. Skolkowo als Zukunftsprojekt
8. Schluss
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Entwicklung Russlands seit 1990 unter dem Aspekt, inwiefern eine starke Rohstoffabhängigkeit zu wirtschaftlichen Problemen führt und ob Symptome der sogenannten „Holländischen Krankheit“ identifizierbar sind.
3.1. Das Grundmodell
Das klassische Modell der Holländischen Krankheit wurde von Corden und Neavy in einem im Jahre 1982 erschienenen Aufsatz Booming Sector and De-Industrialisation in a small open economy beschrieben. Dieses Modell zeigt, wie der Boom in einem Sektor (Rohstoffsektor), verursacht durch Produktivitätssteigerungen, Preiserhöhung der betreffenden Güter oder durch die Entdeckung neuer Ressourcenvorkommen ausgelöst wird. Dieser Prozess wird als De-Industrialisierung genannt.
Der wachsende Rohstoffsektor zieht die Arbeitskraft aus den anderen Sektoren an. Dieser Effekt wird als Ressourcenverschiebungseffekt genannt. Wenn der Rohstoffsektor relativ wenige Arbeitskräfte braucht, hat dieser Effekt eine relativ kleine Auswirkung auf die Volkswirtschaft. Der Boom kann auch durch den Ausgabeneffekt z.B. wie in Großbritannien ausgelöst werden. Hohes Realeinkommen kann die Folge des Booms sein. Der Boom führt zu den extra Ausgaben in dem Dienstleistungssektor, weil die Nachfrage höher wird, was zum Anstieg der Preise in diesem Sektor führt. Das Resultat der beiden Effekte ist ein Wachstum des boomenden Rohstoffsektors sowie des Dienstleistungssektors und ein Schrumpfen des industriellen Sektors.42
Angenommen sei der „Klein-Länder-Fall“, d.h. das Land hat keinen Einfluss auf die Preise der Exportgüter, die Preise sind exogen.43 Es werden zwei Arten von Gütern produziert und nachgefragt, und zwar international handelbare Güter und international nicht-handelbare Güter. Die handelbaren Güter lassen sich in Rohstoffe (XR) und Fertigwaren (XF) einteilen. Zu den international nicht-handelbaren Gütern gehören Dienstleistungen (XD).44 Somit wird die Volkswirtschaft in drei Sektoren aufgeteilt, nämlich den Rohstoffsektor, den industriellen Sektor und den Dienstleistungssektor. Die Preise für international nicht-handelbare Güter werden durch Angebot und Nachfrage auf dem Inlandsmarkt bestimmt. Arbeit und Kapital sind die Produktionsfaktoren, wobei Arbeit intersektoral völlig mobil und Kapital immobil ist.45
In der Modellanalyse wird die Auswirkung des Booms auf die zwei oben erwähnten Effekte erklärt, nämlich über den Ressourcenverschiebungseffekt („resource movement effect“) und den Ausgabeneffekt („spending effekt“).
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Untersuchungsgegenstand, die wirtschaftliche Entwicklung Russlands seit 1990, und führt in die zentrale Fragestellung der Rohstoffabhängigkeit sowie der Holländischen Krankheit ein.
2. Der Rohstoffsektor in Russland: Dieses Kapitel beschreibt Russlands Rolle als globaler Ressourcenexporteur und analysiert die Struktur der russischen Exportwirtschaft sowie die Bedeutung des Öl- und Gassektors.
3. Die Holländische Krankheit: Hier wird das theoretische Modell der Holländischen Krankheit erläutert und anhand von Beispielen aus Industrieländern sowie Entwicklungsländern veranschaulicht.
4. Industrieller und Dienstleistungssektor Russlands und deren Wettbewerbsfähigkeit: Das Kapitel analysiert die Wettbewerbsfähigkeit der Nicht-Rohstoffsektoren und prüft, inwiefern eine De-Industrialisierung oder strukturelle Verschiebungen in der russischen Wirtschaft stattfinden.
5. Die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks: Dieser Teil befasst sich mit der Volatilität der Rohstoffpreise, der Fiskalpolitik und der Bedeutung staatlicher Fonds (Stabilisierungs- und Reservefonds) zur Abmilderung wirtschaftlicher Schocks.
6. Abschwächung der Position Russlands in der Weltwirtschaft: Hier wird der Prozess der wirtschaftlichen Transformation und die damit verbundene Schwächung der globalen Position Russlands sowie die Rückständigkeit bei Hochtechnologien thematisiert.
7. Innovationspotential und Forschung und Entwicklung in Russland: Dieses Kapitel bewertet den Stand der Forschung und Entwicklung in Russland, identifiziert strukturelle Schwachstellen im Innovationssystem und diskutiert Zukunftsprojekte wie Skolkowo.
8. Schluss: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse zum Modernisierungsrückstand und zur Notwendigkeit, das nationale Innovationssystem umfassend zu reformieren.
Russland, Rohstoffökonomie, Holländische Krankheit, Wirtschaftswachstum, Ölpreis, Gasexport, Fiskalpolitik, Reservefonds, De-Industrialisierung, Wettbewerbsfähigkeit, Transformation, Innovation, Forschung und Entwicklung, Modernisierung, Exporte.
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Entwicklung Russlands im Zeitraum von 1990 bis 2012 und analysiert die Auswirkungen der starken Abhängigkeit von Rohstoffexporten auf die gesamte Volkswirtschaft.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Rohstoffökonomie, die Mechanismen der Holländischen Krankheit, die Fiskalpolitik Russlands, die Wettbewerbsfähigkeit des industriellen Sektors sowie die Innovationsfähigkeit des Landes.
Das Ziel ist festzustellen, ob Russlands Rohstoffreichtum zu langfristigen wirtschaftlichen Problemen führt und ob die russische Wirtschaft die Symptome einer „Holländischen Krankheit“ aufweist.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Datenanalyse, die empirische Studien zur russischen Wirtschaft sowie ökonomische Modelle (insbesondere das Modell der Holländischen Krankheit) heranzieht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Sektorenanalyse Russlands, eine theoretische Herleitung der Holländischen Krankheit, eine Untersuchung der Anfälligkeit gegenüber externen Schocks sowie eine Bewertung der russischen Innovationspolitik.
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Russland, Rohstoffökonomie, Holländische Krankheit, Fiskalpolitik, De-Industrialisierung und Innovationspotential.
Die Ölfonds dienen als Puffer gegen externe Schocks durch die Volatilität der Ölpreise, ermöglichen die Glättung der Staatsausgaben und unterstützen langfristig die Schuldentilgung sowie das Rentensystem.
Skolkowo ist ein von der russischen Regierung initiiertes Innovationszentrum, das als „Stadt der Zukunft“ die wissenschaftliche und technologische Entwicklung Russlands beschleunigen und die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft steigern soll.
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