Masterarbeit, 2014
171 Seiten, Note: 1,7
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Einführung in das Thema Schreiben und Schreibunterricht
2. Schreibforschung
2.1. Zur Geschichte der Schreibdidaktik und -forschung in den USA
2.2. Erkenntnisse der Schreibforschung in den USA
2.2.1. Prozesstheorien der US-amerikanischen Schreibpädagogik
2.2.1.1 Expressionistic Rhetoric – der expressive Ansatz
2.2.1.2. Rhetoric of Cognitive Psychology – der kognitive Ansatz
2.2.1.3. Epistemic Rhetoric – der soziale Ansatz
2.2.1.4. Das Schreibmodell von Donald Murray
2.3. Zur Geschichte der Schreibdidaktik und -forschung in Deutschland
2.4. Erkenntnisse der deutschen Schreibforschung
2.4.1. Schreibfähigkeit, Text- und Schreibroutinen
2.4.2. Schreibkompetenz
2.4.3. Literacy
2.5. Fazit: Unterschiede zwischen den USA und Deutschland
3. Schreibdidaktik – institutioneller und curricularer Aufbau von Schreibunterricht in Deutschland und in den USA
3.1. Schreibdidaktik und Schreibunterricht made in USA
3.1.1. Composition
3.1.2. Creative Writing
3.1.3. Writing Center
3.1.4. Writing Across the Curriculum
3.1.5. National Writing Project (NWP)
3.1.6. Associated Writing Program (AWP)
3.1.7. Schreibunterricht an Schulen
3.1.8. Schulkonzepte von James Britton, James Moffet und Janet Emig
3.1.9. Schreibunterricht an Universitäten – Inhalte und Methoden von Schreibprogrammen in der universitären Schreibausbildung
3.2. Schreibunterricht in Deutschland
3.2.1. Schreiben von der Primarstufe bis zur SEK II – die curricularen und didaktischen Vorgaben an deutschen Schulen
3.2.2. Lehrpläne, Bildungsstandards, Fachanforderungen
3.2.3. Schreiben und Schreibprogramme an deutschen Universitäten
3.2.3.1. Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim
3.2.3.2. Deutsches Literaturinstitut Leipzig (DLL)
3.2.3.3. Das Kompetenzzentrum Schreiben und das SchreibArt-Programm an der Universität Köln
4. Schreibpraxis – Probleme bei der didaktischen Umsetzung von Schreibunterricht
4.1. Problem 1: Fehlende Allgemeingültigkeit und fehlende Komplexität
4.2. Problem 2: Kompetenzen im Schreibunterricht
4.3. Problem 3: Allgemeine Bildungskonzepte vs. Schülerbedürfnisse
4.4. Problem 4: Literatur- statt Schreibunterricht im Fach Deutsch
4.5. Problem 5: Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis
4.6. Problem 6: Das falsche Verständnis von Literatur im Unterricht
4.7. Problem 7: Die Paradoxie des Schreibens
4.8. Problem 8: Die Rolle der Lehrkraft im Schreibunterricht
4.9. Problem 9: Falsche Bildungspolitik – DESI, NAEP und PISA
4.10. Problem 10: Schreibunterricht als Teil des Deutschunterrichts
5. Fächerübergreifender Schreibunterricht
5.1. Lösungsansätze für die Probleme im Schreibunterricht
5.1.1. Lösungsansatz 1: Fehlende Allgemeingültigkeit, Komplexität und Paradoxie des Schreibens (Problem 1 u. 7)
5.1.2. Lösungsansatz 2: Schreiben im Spannungsverhältnis von Norm und Normlosigkeit – Curricula vs. Schülerbedürfnisse (Problem 2 u. 3)
5.1.3. Lösungsansatz 3: Zwischen Tradition und fehlgeleiteter Bildungspolitik – Schreibunterricht als Teil des Deutschunterrichts (Problem 4, 9 u. 10)
5.1.4. Lösungsansatz 4: Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis (Problem 5)
5.1.5. Lösungsansatz 5: Falsches Verständnis von Literatur (Problem 6)
5.1.6. Lösungsansatz 6: Rolle der Lehrkraft im Schreibunterricht (Problem 8)
5.1.7. Fazit: Chancen und Möglichkeiten eines fächerübergreifenden Schreibunterrichts in Deutschland
5.2. Effektiver Schreiben – welche Methoden sind im Unterricht wirksam?
5.3. (K)ein Curriculum für den fächerübergreifenden Schreibunterricht – ein Konzept für das Schreiben an Schulen und Universitäten in Deutschland
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Chancen und Möglichkeiten eines fächerübergreifenden Schreibunterrichts in Deutschland zu evaluieren, wobei das US-amerikanische Modell des Schreibunterrichts als kontrastiver Referenzrahmen dient. Die Forschungsfrage untersucht, wie die institutionellen und didaktischen Strukturen in Deutschland angepasst werden müssen, um Schreiben als eigenständige und fächerübergreifende Kompetenz zu etablieren, anstatt es rein als reproduktives Element des Deutschunterrichts zu behandeln.
2.2.1.1. Expressionistic Rhetoric – der expressive Ansatz
Der expressive Ansatz bzw. die expressionistic rhetoric ist ein Schreibmodell, das „die Wirklichkeit innerhalb der Vorstellungen des Individuums lokalisiert“. Das Individuum entfaltet sich im Schreibprozess durch die Verwendung einer „metaphorisierten Sprache“ selbst, d.h. Schreiben kann „als ein Medium für subjektives Erkennen verstanden“ werden, bei dem nicht unmittelbar die Erkenntnis im Vordergrund steht, sondern das „Erkennen als subjektiver Prozess“, der durch die Rezeption fremder und der eigenen Texte erfolgt. Wichtigste Erkenntnis des expressiven Ansatzes ist, dass aus der Sicht der expressionistic rhetoric „Schreiben (individuell) erlernt, aber nicht (als Wissen) gelehrt“ werden kann, so hebt „Schreibunterricht [...] die Trennung von Lehrenden und Lernenden auf“ und „fördert die Autonomie des einzelnen“ (vgl. ebd., 108).
Die Fokussierung auf Normen und Konventionen der Gesellschaft und den Schreiber als Teil einer (Schreib-)Kultur und in Abhängigkeit von ihr, wie es beispielsweise im sozialen Ansatz der Fall ist, vollzieht sich im expressiven Ansatz als Abhängigkeit vom und als Fokussierung auf den Schreibenden als treibende Kraft im Schreibprozess.
1. Einführung in das Thema Schreiben und Schreibunterricht: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe und Abgrenzungen, wie Mündlichkeit und Schriftlichkeit, und führt in die Komplexität des Schreibprozesses als Werkzeug des Denkens und Lernens ein.
2. Schreibforschung: Hier werden die historischen Entwicklungen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Schreibforschung in den USA und Deutschland vergleichend dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf prozessorientierten Ansätzen liegt.
3. Schreibdidaktik – institutioneller und curricularer Aufbau von Schreibunterricht in Deutschland und in den USA: Dieses Kapitel analysiert spezifische Programme wie Composition und Creative Writing in den USA sowie die deutsche Situation und zeigt auf, wie institutionelle Rahmenbedingungen den Schreibunterricht prägen.
4. Schreibpraxis – Probleme bei der didaktischen Umsetzung von Schreibunterricht: Das Kapitel identifiziert zehn zentrale Problemfelder, die einer effektiven schreibdidaktischen Umsetzung in Deutschland entgegenstehen, wie etwa das Übergewicht des Literaturunterrichts gegenüber der Schreibpraxis.
5. Fächerübergreifender Schreibunterricht: Den Abschluss bildet die Entwicklung von Lösungsansätzen für die zuvor identifizierten Probleme sowie die Entwürfe für ein didaktisches Konzept und ein Unterrichtsmodell, das auf kognitiven und sozialen Aspekten des Schreibens basiert.
Schreibunterricht, Schreibdidaktik, Schreibforschung, Schreibkompetenz, Fächerübergreifender Schreibunterricht, Prozessorientierung, Schreibprozess, Schreibroutinen, Literacy, Creative Writing, Composition, Schreibpädagogik, Schreibzentren, Sprachschaffender Aufsatz, Metakognition.
Die Arbeit untersucht die Chancen und Möglichkeiten eines fächerübergreifenden Schreibunterrichts in Deutschland, indem sie diesen mit den Strukturen und Modellen in den USA vergleicht, um Verbesserungspotenziale für das deutsche Bildungssystem aufzuzeigen.
Die Arbeit umfasst die Geschichte der Schreibdidaktik, die Analyse der Schreibforschung (u.a. Hayes & Flower, Bereiter), den Vergleich verschiedener Schreibprogramme wie Composition und Writing Across the Curriculum sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen deutschen Bildungspolitik.
Ziel ist es, die Fehlinterpretationen des Schreibunterrichts in Deutschland aufzuzeigen und ein didaktisches Konzept zu entwickeln, das Schreiben als eigenständige, komplexe Kompetenz etabliert, die über den rein rezeptiven Literaturunterricht hinausgeht.
Der Autor stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur, historische Vergleiche der Schreibpädagogik sowie eine Auswertung von metaanalytischen Befunden zur Wirksamkeit verschiedener Schreibförderansätze.
Der Hauptteil analysiert die Unterschiede zwischen der US-amerikanischen und der deutschen Schreibdidaktik, beleuchtet institutionelle Strukturen und arbeitet zehn zentrale Probleme heraus, die einer didaktischen Verbesserung im Schreibunterricht im Weg stehen.
Die wichtigsten Begriffe sind Schreibdidaktik, Schreibkompetenz, Schreibprozess, Fächerübergreifender Schreibunterricht, Literacy, Schreibforschung und Prozessorientierung.
Der Autor kritisiert, dass Schreiben in Deutschland zu sehr als Hilfsdisziplin für den Literaturunterricht missverstanden wird, wobei Individualität durch zu starre curriculare Vorgaben und einen rezeptiven Fokus unterdrückt wird.
Die USA dienen als Referenzbeispiel für Strukturen, in denen Schreiben als eigenständige Disziplin unterrichtet wird und Schulen wie Universitäten stärker kooperieren, um Schreibkompetenz ganzheitlich zu fördern.
Der Autor beschreibt damit die Notwendigkeit, sowohl subjektive individuelle Impulse als auch objektive Anforderungen der Diskursgemeinschaft auszubalancieren, was ein zentraler Teil des Schreibprozesses ist.
Der Lehrer sollte weg von der Rolle einer Kontrollinstanz hin zur Rolle eines Facilitators oder Schreibberaters, der individuelle Lernprozesse begleitet, anstatt nur fertige Texte zu bewerten.
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