Diplomarbeit, 2008
88 Seiten, Note: Sehr gut
I. Einleitung
II. „Europa“ als Begriff in antiken Quellen
1. Das 5. Jahrhundert: Die Rezeption der Perserkriege
1.1. Vorbemerkungen: Geographische Vorstellungen, Selbstwahrnehmung und Situierung in der Oikumene
1.2. Aischylos’ „Perser“
1.2.1. Der „Traum der Atossa“: „Europa“ und sein Gegenteil „Asien“?
1.2.2. „Griechen“ vs. „Perser“?
1.2.3. Die Rolle Athens und der „Athenocentrism“ in den „Persern“
1.3. Der Europa-Asien-Gegensatz in der Umweltschrift
1.3.1. Klimatheorie und Europa-Asien-Gegensatz
1.3.2. Der Einfluss der Verfassung
1.3.3. Reflexion der Perserkriege
1.4. Das Europabild bei Herodot
1.4.1. Klimatheorie in den „Historien“
1.4.2. Die Darstellung der Erde bzw. der Oikumene
1.4.3. Die Einteilung der Erdteile
1.4.4. Europa und Asien
1.5. Zusammenfassung
2. Vom Peloponnesischen Krieg zu Alexander
2.1. Isokrates
2.1.1. Historisch-politischer Hintergrund
2.1.2. Geographische Bedeutung von Europa bei Isokrates
2.1.3. Die Funktionalisierung des Europa-Begriffs bei Isokrates
2.1.3.1. Funktionalisierung am Beispiel des „Panegyrikos“
2.1.3.2. Funktionalisierung am Beispiel des „Philippos“
2.1.4. Isokrates’ Rezeption des Hellenen–Barbaren–Gegensatzes
2.2. Ephoros und Theopomp
2.3. Aristoteles
3. Die Römer und der Europabegriff
3.1. Die Römer und der Europabegriff im 2. Jahrhundert v. Chr.
3.2. Livius
3.3. Der Europabegriff im 1. Jahrhundert n. Chr.
3.3.1. Strabon
3.3.2. Manilius
3.3.3. Plinius
3.4. Die Spätantike
4. Zusammenfassung: Der Befund der Quellen
III. „Europa in der Antike“ und „Das Europa der Deutschen“
1. Europaideen und „Europa“ in der deutschen Altertumswissenschaft vor 1989
1.1. Vom Kaiserreich zum Nationalsozialismus: Orient-Okzident, Abendland und Reichsgedanke
1.2. Abendland oder Westeuropa? – Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zu den Umbrüchen 1989/90
1.2.1. Berve: Europa, das Abendland und seine Feinde aus dem Osten
1.2.2. Orient – Okzident und Abendland
2. „Europa“ nach 1989: Neue Feinde aus dem Osten?
2.1. Die Antike als Ursprung der „Kulturgemeinschaft“?
2.1.1. Europa und Asien – Griechen und Barbaren – Osten und Westen
2.1.2. „Europa“ in der Antike – Rückprojektion der modernen Forschung?
2.2. Überlegungen zur Verwendbarkeit von Geschichte
2.3. Europa und seine – neuen? – Barbaren
2.4. Das Imperium Romanum als Vorbild supranationaler Ordnungen?
IV. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und den Wandel des Europabegriffs in der Antike sowie dessen Rezeption in der deutschen Altertumswissenschaft des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es zu klären, warum der Begriff in den antiken Quellen unterschiedlich interpretiert wird und welche politischen oder ideologischen Funktionen er in verschiedenen Kontexten einnahm.
II.1.2.1. Der Traum der Atossa: „Europa“ und sein Gegenteil „Asien“?
„Es deuchte mir, der Frauen zwei in schönem Kleid – die eine in der Perser Peplos eingehüllt, im Dorerkleid die andre – träten vor mein Aug, an Wuchs bei weitem herrlicher als sonst die Fraun, an Schönheit sonder Makel, Schwestern gleichen Stamms und Bluts. Als Heimat hatten sie – in Griechenland durchs Los erlangt, und jene wohnt’ in Asiens Reich.
Die beiden fingen an – so deucht’ es mir im Traum – zu streiten miteinander. Wie’s mein Sohn erfuhr, hielt fest, beruhigt’ er sie, und vor den Wagen dann spannt er sie beide; und ein Joch den Nacken legt er auf. Die ein’ in solchem Schmuck hob sich voll Stolz, und in den Zügeln hielt leicht lenkbar sie den Mund. Doch die – bäumt, stampft, und Hand um Hand des Wagens Zeug packt sie und reißt’s und schleift’s gewaltsam mit sich fort, ledig der Zügel, bricht das Jochholz mitten durch. Hinstürzt mein Sohn; sein Vater, weh, tritt neben ihn, Dareios, Jammers voll; doch kaum, dass ihn gewahrt Xerxes, reißt er die Kleidung rings am Leib entzwei.“
Diese Quellenstellen, vor allem die erste, werden immer wieder genannt, wenn die Frage nach dem Vorhandensein einer antiken „Europaidee“ in der modernen Forschung auftaucht. Dies ist insofern interessant, als der Begriff „Europa“ an dieser Stelle überhaupt nicht vorkommt – genauso wenig wie der – vermeintliche? – Gegenbegriff „Asien“. Wie kann diese Stelle also interpretiert werden und wo könnten Interpretationen hier einen „Europa-Asien-Gegensatz“ sehen?
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des antiken Europabegriffs ein und umreißt die wissenschaftliche Debatte sowie das Ziel der Arbeit, diese Differenzen zu beleuchten.
II. „Europa“ als Begriff in antiken Quellen: Dieses Kapitel analysiert zentrale antike Texte, um aufzuzeigen, dass Europa als politisches Konstrukt und geographische Schablone im Gegensatz zu Asien fungierte.
III. „Europa in der Antike“ und „Das Europa der Deutschen“: Hier wird untersucht, wie deutsche Altertumswissenschaftler im 20. Jahrhundert den antiken Begriff für eigene zeitgeschichtliche und ideologische Zwecke instrumentalisierten.
IV. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass der Europabegriff kein statisches Konzept ist, sondern stets in Abhängigkeit von zeitgenössischen politischen Rahmenbedingungen geformt wurde.
Europa, Antike, Isokrates, Herodot, Aischylos, Perserkriege, Asien, Griechen, Barbaren, Altertumswissenschaft, Identität, Klimatheorie, Hellenismus, Imperium Romanum, politische Ideologie
Die Arbeit untersucht, welche Bedeutung der Begriff „Europa“ in antiken Texten hatte und wie er sich im Laufe der Zeit wandelte.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Europa-Begriffs in geographischer und politischer Hinsicht sowie auf dessen Instrumentalisierung in der modernen Altertumswissenschaft.
Das Ziel ist zu klären, warum antike Quellen zu Europa oft widersprüchlich interpretiert werden und welche ideologischen Konstrukte dahinterstecken.
Die Arbeit basiert auf einer philologischen und wissenschaftsgeschichtlichen Analyse zentraler antiker Primärquellen und einer kritischen Auseinandersetzung mit der einschlägigen Forschungsliteratur.
Der Hauptteil analysiert die antiken Quellen (z.B. Aischylos, Herodot, Isokrates) und untersucht anschließend, wie deutsche Altertumswissenschaftler diese im 20. Jahrhundert rezipierten.
Zentrale Begriffe sind Europa, Antike, Hellenen-Barbaren-Gegensatz, Ideologie und Identitätskonstruktion.
Diese Stelle aus Aischylos’ „Persern“ dient als wichtiges Beispiel für die Interpretation des Konflikts zwischen Griechen und Persern, auch wenn der Begriff „Europa“ dort gar nicht explizit genannt wird.
Weil der Begriff in der Antike oft nicht präzise geographisch definiert war, sondern als ideologisches Werkzeug diente, um den Gegensatz zwischen dem „freien“ Westen und dem „unterwürfigen“ Osten zu untermauern.
Strabon zeichnet ein deutlich positiveres und autarkes Bild von Europa, das im 1. Jahrhundert n. Chr. als Hort der Zivilisation und Ordnung idealisiert wurde.
Die Arbeit zeigt auf, dass viele Konzepte einer „Europaidee“ in der Antike als Rückprojektionen späterer Wissenschaftler zu betrachten sind, die eigene Zeitfragen in die Antike hineininterpretiert haben.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

