Examensarbeit, 2013
66 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1. Erkenntnisinteresse der Arbeit
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Initiation à la poésie urbaine
2.1. L’hétérotropie
2.1.1. La définition
2.2. Le café/la brasserie
2.2.1. Leur relation personnelle
2.2.2. La brasserie dans Lundi Rue Christine
2.2.3. Le café dans Dans un Café à Nimes
2.2.4. Das Café bei Benn
2.2.4.1 Nachtcafé 3 und Nachtcafé
2.1.5. Die Café-Gedichte Benns und Apollinaires im Vergleich
2.2. L’hôtel chez Apollinaire: Hôtels
2.3.1. Apollinaire: Marizibill
2.3.2. Benn: Puff und Dirnen
2.3.3. Le motif de la prostituée chez Benn et Apollinaire
3. Benns und Apollinaires poetologische Gemeinsamkeiten
3.1. Gemeinsamkeiten
3.1.1. Die Entmimetisierung
3.1.2. Die Montage-Technik
3.1.3. Dekadente Großstadtbewohner
3.1.4. Le motif de la cité
3.2. Differenzen
4. Conclusion
5. Bibliographie
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur
Die vorliegende Arbeit untersucht den Paradigmenwechsel vom traditionellen mimetischen Prinzip hin zu einem modernen, amimetischen Darstellungsstil in der Großstadtlyrik von Guillaume Apollinaire und Gottfried Benn. Dabei wird analysiert, wie beide Autoren das Leben in urbanen Heterotopien wie Cafés, Hotels und Bordellen literarisch verarbeiten und welche Rolle die Fragmentarisierung und Montage bei der Darstellung der modernen, dissoziierten Großstadterfahrung spielen.
2.2.4. Das Café bei Benn
Das Café-Gedicht Nachtcafé 3 (1914) löste bei den zeitgenössischen Lesern Entsetzen aus und Benns Lyrik war vor dem Hintergrund der bisherigen Lyrik ein Skandal, da er in seinen Gedichten gesellschaftliche Tabuthemen wie Tod, Krankheit, körperlicher Verfall und Sexualität behandelte. Dazu trägt insbesondere die Tatsache bei, dass seine Gedichte explizit von Prostituierten, Freiern und sonstigen zwielichtigen Nachtgestalten bevölkert werden. Speziell die Prostitution war als Beruf gesellschaftlich unerwünscht und wird bis heute wenig anerkannt.
Benns Gedicht setzt sich aus vier Strophen mit jeweils drei Versen zusammen. Das Gedicht weist weder ein Reimschema, noch ein Metrum auf. Der Verzicht auf traditionelle Formalia ist charakteristisch für den Expressionismus. Der Dichter rebelliert gegen die lyrischen Konventionen, die vor der Moderne vorherrschten und sorgt mithilfe des Gedichtes für Zerstreuung. Damit versucht er eine moderne Haltung beim Leser zu erzeugen, welche das Klassische ablehnt. Dazu trägt gleichermaßen die Verwendung von Enjambements innerhalb mancher Strophen bei, wie zum Beispiel: „Ein Medaillon des Mittelstandes staunt/ von Fett umträumt das Kinn: da bist du ja“ (V. 1 und 2) oder: „Ein Lied wölbt eine Kuppel in die Decke/ aus Glas: Die kalte Nacht verwölkt die Sterne“ (V. 6 und 7).
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Großstadtlyrik zu Beginn des 20. Jahrhunderts und Darstellung des Erkenntnisinteresses sowie des methodischen Aufbaus.
2. Initiation à la poésie urbaine: Theoretische Grundlegung durch den Heterotopie-Begriff Foucaults und Analyse der Cafés, Hotels und Bordelle als urbane Mikrokosmen.
3. Benns und Apollinaires poetologische Gemeinsamkeiten: Untersuchung der gemeinsamen ästhetischen Merkmale wie Entmimetisierung, Montagetechnik und der Darstellung der Großstadtbewohner bei beiden Autoren.
4. Conclusion: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Bestätigung der amimetischen und montagebasierten Ästhetik als gemeinsames Merkmal der untersuchten Lyrik.
5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Großstadtlyrik, Expressionismus, Kubismus, Heterotopie, Montage-Technik, Entmimetisierung, Guillaume Apollinaire, Gottfried Benn, Nachtcafé, Prostitution, Moderne, Wirklichkeitszertrümmerung, Amimetik, Stadtsoziologie, Individuum.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und dem Vergleich von Gedichten von Gottfried Benn und Guillaume Apollinaire, wobei der Fokus auf der Darstellung urbaner Räume (Heterotopien) und dem Paradigmenwechsel in der Lyrik des frühen 20. Jahrhunderts liegt.
Zentrale Themen sind die Großstadt als Erfahrungsraum, die Veränderung der Wahrnehmung durch die Moderne, die Darstellung sozialer Randgruppen (insbesondere Prostituierte) sowie die ästhetischen Mittel wie Montage und amimetische Gestaltung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie beide Dichter durch neue poetische Ausdrucksformen auf die veränderten Lebensbedingungen der Moderne reagierten und wie sie die traditionellen literarischen Konventionen bewusst durchbrachen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die sich auf biografische Kontexte, die Theorie der Heterotopie nach Foucault sowie eine formale und inhaltliche Interpretation der ausgewählten Gedichtkorpora stützt.
Im Hauptteil werden die Begriffe der Heterotopie und Mimesis angewendet, um die Darstellung von Cafés, Bordellen und Hotels in den Gedichten zu untersuchen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Technik der Dekomposition und Rekomposition aufzuzeigen.
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Großstadtlyrik, Expressionismus, Kubismus, Heterotopie, Montage-Technik und Amimetik beschreiben.
Während Benn die Großstadt und die in ihr stattfindenden Beziehungen meist kritisch, medizinisch-analytisch und satirisch durch das "Ekelhafte" betrachtet, zeigt sich Apollinaire offener und faszinierter von den technischen Neuerungen und der modernen Dynamik, ohne dabei eine moralische Verurteilung vorzunehmen.
Der Begriff beschreibt eine Abkehr von der wirklichkeitsgetreuen Nachahmung (Mimesis). Die Autoren konstruieren stattdessen eine eigene, textimmanente Wirklichkeit, die den Zustand einer fragmentierten und komplexen modernen Welt widerspiegelt.
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