Bachelorarbeit, 2014
32 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Beschreibung
2.1 Circus HalliGalli
2.1.1 Der Countdown-Moment
2.1.2 Sleep ’n’ Greet
2.2 Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt
2.2.1 Mexiko: Joko beim Lucha Libre
2.2.2 Vanuatu: Klaas’ Reise zum Vulkan
3. Rahmenbruch und Ensemblewechsel
3.1 Ensemble und Ensemblewechsel
3.2 Rahmen und Rahmenbruch
4. Authentizität durch Inszeniertheit
4.1 Spielart 1: Ausstellung von Technik
4.2 Spielart 2: Stark inszeniert vs. wenig inszeniert
5. Zusammenfassung: Wie entsteht die Unentscheidbarkeit?
6. Ausblick: Postdramatisches Theater in der Popkultur?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktion in den Unterhaltungssendungen von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Dabei wird analysiert, durch welche medientechnischen und inszenatorischen Mittel eine bewusste Unentscheidbarkeit erzeugt wird, die beim Zuschauer den Eindruck von Authentizität hervorruft.
2.1.1 Der Countdown-Moment
Eines der vielen Inszenierungselemente, mit denen in der Show gearbeitet wird, ist der sogenannte Countdown-Moment: Am Anfang jeder Sendung wird, begleitet durch dramatische Musik, oben links im Bild ein kleines Feld eingeblendet, in dem eine scheinbar willkürlich festgesetzte Zeit angezeigt wird, die rückwärts läuft. Die Moderatoren Joko und Klaas nehmen davon jedoch keine Notiz, sodass dem Fernsehzuschauer suggeriert wird, es handle sich um einen nur für ihn bemerkbaren Vorgang. Nach Ablauf des Countdowns wird das Studio mit erneuter dramatischer Musikuntermalung und Lichteffekten komplett verdunkelt. Kurz darauf passiert dann stets etwas Unvorhergesehenes, das mit der vorangegangenen Sendung in keinerlei inhaltlichem Verhältnis steht. So tauchte nach der kurzen Dunkelheit zum Beispiel schon ein als Slash verkleideter Gitarrist auf, der eine Performance zu Guns N’ Roses’ Song November Rain lieferte, oder auch eine ganze Gruppe von Rockern mit dazugehörigen Harley-Davidson-Motorrädern, die das Studio für sich in Beschlag nahmen. Nach diesen kurzen Intermezzi verdunkelt sich das Studio erneut für einige Sekunden und meist erinnert, wenn das Licht wieder angeht, nichts mehr daran, was geschehen ist.
Wichtig ist hierbei, dass Joko, Klaas und eventuelle Gäste scheinbar genauso überrascht sind, wie die Zuschauer. Von den Machern der Sendung wird also behauptet, dass Joko und Klaas von den Ereignissen während des Countdown-Moments im Vorfeld nichts wissen und sie in diesem Punkt nicht in den Ablauf der Sendung eingeweiht sind.
1. Einleitung: Vorstellung der Moderatoren und der Sendungsformate sowie Definition des Forschungsinteresses an der Unentscheidbarkeit zwischen Realität und Fiktion.
2. Beschreibung: Detaillierte Darstellung der Sendungsformate "Circus HalliGalli" und "Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt" anhand konkreter Einspieler.
3. Rahmenbruch und Ensemblewechsel: Soziologische Analyse der Sendungen mittels Erving Goffmans Konzepten des Rahmenbruchs und des Ensemblewechsels zur Erklärung des Authentizitätseindrucks.
4. Authentizität durch Inszeniertheit: Untersuchung der Formate aus theaterwissenschaftlicher Perspektive unter Anwendung von Annemarie Matzkes Theorie der szenischen Selbstinszenierung.
5. Zusammenfassung: Wie entsteht die Unentscheidbarkeit?: Zusammenführende Analyse der Gestaltungsmittel, die sowohl Authentizität suggerieren als auch Zweifel an der Echtheit der Ereignisse wecken.
6. Ausblick: Postdramatisches Theater in der Popkultur?: Diskussion der Frage, ob die beobachteten Phänomene als Einzug postdramatischer Theaterformen in die Unterhaltungsindustrie zu werten sind.
Joko und Klaas, Circus HalliGalli, Duell um die Welt, Authentizität, Fiktion, Realität, Inszenierung, Unentscheidbarkeit, Rahmen-Analyse, Erving Goffman, postdramatisches Theater, Scripted Reality, Selbstinszenierung, TV-Unterhaltung, Medienforschung.
Die Arbeit untersucht, wie in Fernsehsendungen von Joko und Klaas durch gezielte Inszenierungen eine Unentscheidbarkeit zwischen echter Realität und Fiktion erzeugt wird.
Die zentralen Themen sind Authentizität im Fernsehen, mediale Inszenierungsstrategien sowie die Übertragung von theaterwissenschaftlichen und soziologischen Theorien auf moderne Unterhaltungsformate.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, durch welche Mittel Joko und Klaas den Zuschauer gezielt verunsichern und warum wir dazu neigen, das Gezeigte trotz offensichtlicher Inszenierung für wahr zu halten.
Es wird eine qualitative Analyse von Sendungsausschnitten durchgeführt, die durch die soziologischen Ansätze von Erving Goffman und die theaterwissenschaftliche Theorie von Annemarie Matzke fundiert wird.
Der Hauptteil analysiert spezifische Formatelemente wie den "Countdown-Moment" oder das "Sleep ’n’ Greet" hinsichtlich ihrer Funktion für den Rahmenbruch und die Authentifizierung der Selbstdarstellung der Moderatoren.
Die wichtigsten Schlagworte sind Authentizität, Inszenierung, Unentscheidbarkeit, Rahmen-Analyse, Postdramatisches Theater und Scripted Reality.
Die Arbeit zeigt, dass die Sendungen widersprüchliche Signale senden: Einerseits wird durch "Ausstellen der Konstruktion" (z.B. Zeigen von Technik) Transparenz vorgetäuscht, andererseits durch komplexe Inszenierungen die Grenze zwischen Rollenspiel und Realität verwischt.
Die Arbeit stellt fest, dass Joko und Klaas tatsächlich eine "Ästhetik der Unentscheidbarkeit" nutzen, die Parallelen zum postdramatischen Theater aufweist, da auch hier der Zuschauer im Unklaren darüber gelassen wird, was real und was fingiert ist.
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