Diplomarbeit, 2012
114 Seiten, Note: 1,0
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Arbeitsgrundlagen und Arbeitsmethodik
1.3 Lage des Untersuchungsgebietes
2 Theoretische Überlegungen
2.1 Ethnizität
2.2 Nationalität – nationale Minderheit
2.3 Minderheit
2.4 Typen nationaler Minderheiten in Litauen
2.5 Minderheitenschutz als Politisches Konzept
2.5.1 Entwicklung Völkerbund
2.5.2 Moderner Minderheitenschutz
3 Historische Grundlagen in Litauen
3.1 Vom Werden Litauens bis zum Jahr 1918
3.2 Staatliche Unabhängigkeit
3.3 Litauen im Zweiten Weltkrieg
3.4 Die litauisch-sozialistische Sowjetrepublik
3.5 Wiedererlangung der Unabhängigkeit
4 Rechtliche Grundlagen
4.1 Verfassung 1992
4.2 Staatsbürgerschaftsfrage
4.3 Die Rolle der Europäischen Union
5 Die Bevölkerung Litauens
5.1 Bevölkerungsentwicklung
5.2 Ethnische Zusammensetzung der Minderheiten in Litauen
5.3 Religionen in Litauen
6 Ethnische Minderheiten in Litauen
6.1 Polen
6.2 Russen
6.3 Weißrussen
6.4 Ukrainer
6.5 Juden
6.6 Deutsche
6.7 Tataren
6.8 Roma
6.9 Letten
6.10 Karäer
6.11 Armenier
6.12 Sonstige Minderheiten
7 Räumliche Verteilung der Minderheiten in Litauen
7.1 Visualisierung
7.2 Ausreißergemeinden
8 Minderheitenpolitik
8.1 Bildung und Sprachgebrauch
8.2 Politische Mitbestimmung
8.3 Medien der Minderheiten
9 Resümee und Ausblick
10 Verzeichnis der Arbeitsgrundlagen
10.1 Zitierte Literatur
10.2 Statistiken
10.3 Internetquellen
11 Anhang
11.1 Liste der Selbstverwaltungsgemeinden in Litauen
11.2 Fragestellungen Census 2001
11.3 Fragestellungen Census 2011
11.4 Gesetz über nationale Minderheiten – (MinG)
Diese Arbeit untersucht die Situation der ethnischen Minderheiten in Litauen unter Berücksichtigung ihrer demographischen Entwicklung, räumlichen Verteilung sowie der Minderheitenpolitik. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, warum Litauen, im Gegensatz zu seinen baltischen Nachbarn Estland und Lettland, ein vergleichsweise harmonisches Verhältnis zu seinen Minderheiten pflegt und wie es zur Hypothese vom „Musterschüler des Ostens“ kam.
3.3 Litauen im Zweiten Weltkrieg
Im Jahr 1939 wurde Litauen im Rahmen des Hitler-Stalin-Paktes aufgeteilt. Das so genannte „Memelland“ fiel dem Deutschen Reich zu, der Rest von Litauen ging an die Sowjetunion. Mit diesem Pakt war das Ende der Unabhängigkeit Litauens besiegelt. Auf deutscher Seite kam es zur Umsiedelung so genannter „Litauendeutscher“, auf Seite der Sowjets kam es zu Säuberungswellen, denen rund 14.000 „antisowjetische Kräfte“ zum Opfer fielen. Die Litauische Aktivistenfront versucht im Juni 1941 mit einem Aufstand die Regierungsgewalt an sich zu reißen, dies mißlang jedoch und die meisten Aktivisten wurden entweder verhaftet oder mussten ins Exil flüchten (BUBNYS 2008, S.180). Nach dem Vormarsch Nazi-Deutschlands gegen die Sowjetunion im Jahr 1941 bildeten sich in Litauen antisemitische Gruppen, die Pogrome gegen die jüdische Minderheit organisierten. Die Säuberungswellen in Litauen waren sehr effektiv: Bis zum Ende des Jahres 1941, so rasch wie in keinem anderen Land unter Einflusssphäre der Nazis, galt Litauen bereits als „judenfrei“. Insgesamt fielen 220.000 Menschen in Litauen der Shoa zum Opfer. Traurige Berühmtheit erreichte der als „Schlächter von Vilnius“ bekannte Österreicher Franz Murer, der besonders grausam dem jüdischen Ghetto in Vilnius vorstand (PÖSCHL 2007). Die litauische Bevölkerung engagierte sich insbesondere an „spontanen“ Mordaktionen an der jüdischen Minderheit und hat daher noch heutzutage eine Kollektivschuld zu tragen. Die aktive Teilnahme an Ermordungen durch Litauer belegen rund 15.000 Morde, die dem 12.Litauischen Wehrmachtsbataillon zugerechnet werden (HOLLSTEIN 1999, S.377). Für die Nationalsozialisten stellte Litauen wertvolles landwirtschaftliches Gebiet dar, welches für die deutsche Siedlungspolitik Richtung Osten genutzt werden sollte. Die litauische Bevölkerung galt dabei als „minderwertigste baltische Rasse“.
1 Einleitung: Definiert die Problemstellung, Forschungsfragen und die methodische Herangehensweise der Arbeit zur Untersuchung ethnischer Minderheiten.
2 Theoretische Überlegungen: Klärt grundlegende Begriffe wie Ethnizität und Minderheit und erläutert die Entwicklung des Minderheitenschutzes vom Völkerbund bis hin zu modernen Konzepten.
3 Historische Grundlagen in Litauen: Bietet einen chronologischen Überblick über die Geschichte Litauens von den Anfängen bis zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit, inklusive der Konflikte während des Zweiten Weltkriegs.
4 Rechtliche Grundlagen: Analysiert die verfassungsrechtliche Situation, die Staatsbürgerschaftsregelungen sowie den Einfluss der Europäischen Union auf den Minderheitenschutz.
5 Die Bevölkerung Litauens: Beleuchtet die demographische Entwicklung, die statistischen Erhebungsmethoden bei Volkszählungen und die religiöse Zusammensetzung des Landes.
6 Ethnische Minderheiten in Litauen: Beschreibt detailliert die einzelnen Minderheitengruppen, deren Organisationsgrad, kulturelle Identität und demographische Entwicklung.
7 Räumliche Verteilung der Minderheiten in Litauen: Präsentiert eine kartographische Analyse der Verteilung von Minderheiten und identifiziert spezifische „Ausreißergemeinden“.
8 Minderheitenpolitik: Untersucht die Bildungs- und Sprachpolitik, politische Partizipation sowie das Medienangebot für ethnische Minderheiten in Litauen.
9 Resümee und Ausblick: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt eine Einschätzung zur zukünftigen Entwicklung der Minderheitenpolitik.
Litauen, ethnische Minderheiten, Minderheitenschutz, demographische Entwicklung, Polnische Minderheit, Russische Minderheit, Integration, Staatsbürgerschaft, Volkszählung, Siedlungsgebiete, politische Partizipation, kulturelle Identität, Baltikum, Sowjetunion, Sprachunterricht.
Die Arbeit analysiert die Situation und die politische Behandlung ethnischer Minderheiten in Litauen, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion neu formiert hat.
Die Arbeit umfasst historische Entwicklungen, demographische Statistiken, rechtliche Rahmenbedingungen sowie eine räumliche Analyse der Minderheitenverteilung und Aspekte der Minderheitenpolitik.
Das Ziel ist es, die Gründe für das relativ konfliktarme Verhältnis Litauens zu seinen Minderheiten zu identifizieren und zu untersuchen, ob der Staat seinem Ruf als „Musterschüler des Ostens“ gerecht wird.
Der Autor stützt sich auf eine intensive Literaturrecherche, die Auswertung von statistischen Daten der Volkszählungen (Census) sowie die Erstellung eigener Karten zur Visualisierung der Siedlungsstrukturen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die detaillierte Beschreibung einzelner Minderheitengruppen (Russen, Polen, Juden, etc.), eine kartographische Untersuchung der räumlichen Verteilung sowie die Analyse der aktuellen Minderheitenpolitik.
Kernbegriffe sind Minderheitenschutz, Litauen, Demographie, Ethnizität, politische Partizipation und die historische Entwicklung der baltischen Region.
Sie dienen als Fallbeispiele für Regionen mit signifikant abweichender Bevölkerungsstruktur, wie etwa Visaginas oder der Bezirk Vilnius, um lokale Dynamiken der Integration besser zu verstehen.
Sie werden als ein inoffizielles, aber essenzielles Instrument zur Bewahrung kultureller Identität und Sprache beschrieben, das besonders von kleineren Minderheiten intensiv genutzt wird.
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