Wissenschaftliche Studie, 2009
106 Seiten
1. Einleitung
1.1 Entstehung des Projektes und Projektskizze
1.2 Die Versuchsgruppe(n)
1.3 Das Forschungsdesign: Vorgehensweise und Forschungsstrategie
2. Schule und Gewalt
2.1 Von der Schwierigkeit einer Begriffsbestimmung: Aggression und Gewalt
2.2 Gewaltprävention durch Rugby im schulischen Kontext
2.3 Mögliche Funktionen und Ursachen aggressiven und gewalttätigen Verhaltens
3. Analyse
3.1 Analyse I
3.1.1 Auswertung der Schülerfragebögen I (Februar 2009)
3.1.2 Auswertung der Elternfragebögen I (Februar 2009)
3.1.3 Auswertung der Lehrerfragebögen I und Interviews I (Februar 2009)
3.1.4 Zusammenfassung
3.2 Analyse II
3.2.1 Auswertung der Schülerfragebögen II (Juni 2009)
3.2.2 Auswertung der Elternfragebögen II (Juni 2009)
3.2.3 Auswertung der Lehrerfragebögen II und Interviews II (Juni 2009)
3.2.4 Zusammenfassung
4. Rugby und Gewalt(-prävention)
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Rugby als Mittel zur Gewaltprävention in der Schule. Anhand einer Fallstudie an einer Hauptschule wird analysiert, ob und wie der Schulsport Rugby kurzfristig das Sozialverhalten und das Aggressionspotenzial von Kindern und Jugendlichen beeinflussen kann.
Die Versuchsgruppe(n)
Die Studie wurde an einer Brennpunktschule, der Karl-Jatho-Schule (Hannover), durchgeführt. Diese Hauptschule an der Grenze der Hannoverschen Stadtteile Vahrenwald/Hainholz, die ihrem Leitbild nach „Achtung und Aufrichtigkeit, Toleranz und Teilhabe, Höflichkeit und Humor, Obhut und Optimismus“ vermittelt, ist eine Schule mit etwa 200 Schülerinnen und Schülern und aufgeschlossenen Lehrkräften. Wie in jeder Jugend- und Bildungseinrichtung bleiben die Probleme aber nicht draußen vor dem Schulgelände, sondern verdichten sich vielmehr auf dem Schulhof. Die Lehrerinnen und Lehrer der Karl-Jatho-Schule haben es mit einer Schülerklientel zu tun, die oft aus sozial schwachen Familien stammt. Die Zukunftsaussichten der Schüler/-innen auf dem Arbeitsmarkt sind schwierig und wie sich in kleineren Gesprächen mit den Schülerinnen und Schüler ergeben hat, empfinden sich die Schüler z. T. selbst als abgehängtes Prekariat.
48% der Schülerinnen und Schüler der Karl-Jatho-Schule besitzen einen ausländischen Pass, 78% der Schülerinnen und Schüler haben einen Migrationshintergrund. Das pädagogische Personal der Schule besteht aus 17 Lehrerinnen und Lehrern, einer Sozialarbeiterin und einer Hausaufgabenhilfe. Neben den curricularen Vorgaben arbeitet die Schule gegenwärtig und schwerpunktmäßig in drei Bereichen: 1. in der Berufsorientierung, 2. im musischen Bereich und 3. im Sport, wo auch das Projekt „Rugby – ein Teamsport zur Gewaltprävention?“ einzuordnen ist.
Als an dem Projekt teilnehmende Klassen wurden die Klassen 6a und 6b der Karl-Jatho-Schule ausgewählt. Diese beiden Klassen (jeweils 11 bzw. 12 Schülerinnen und Schüler pro Klasse) werden seit dem Schuljahr 2008/2009 nur noch im Sportunterricht (ergo 23 Schüler/-innen) zusammen unterrichtet. Ursprünglich waren die 23 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse zusammengefasst. In dieser Lerngruppe war aber aufgrund des Lärmpegels, der Streitereien, des aggressiven Verhaltens etc. kein effektiver Unterricht möglich. Außerdem bildete die Klasse auch in der Alterstruktur keine homogene Gruppe: Der jüngste Schüler war 11 Jahre und der älteste 15 Jahre alt.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Gewaltprävention durch Rugby und Darlegung des Forschungsdesigns an einer ausgewählten Hauptschule.
2. Schule und Gewalt: Definition der zentralen Begriffe Aggression und Gewalt im schulischen Kontext sowie theoretische Grundlagen der Präventionsarbeit.
3. Analyse: Umfassende empirische Auswertung der Schüler-, Eltern- und Lehrerbefragungen sowie der Beobachtungen, aufgeteilt in zwei Untersuchungszeiträume.
4. Rugby und Gewalt(-prävention): Theoretische Reflexion über die Rolle von Sport, Entkörperlichung und Katharsiseffekten bei der Prävention von Gewalt.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion des Potenzials von Rugby als Instrument der Gewaltprävention.
Rugby, Gewaltprävention, Schulsport, Aggressionspotenzial, Sozialverhalten, Hauptschule, Migrationshintergrund, Empathie, Sozialisation, Sportpädagogik, Fallstudie, Verhaltensänderung, Schulklima, Körperkontakt, Konfliktlösung.
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern der Rugbysport als pädagogisches Instrument in der Schule dazu beitragen kann, Gewalt vorzubeugen und das Sozialverhalten von Schülern in schwierigen Lernumfeldern positiv zu beeinflussen.
Neben der sportwissenschaftlichen Untersuchung stehen soziologische Aspekte wie Zivilisationsprozesse, Entkörperlichung, männliche Rollenbilder und der Zusammenhang zwischen sportlicher Betätigung und Aggressionsabbau im Fokus.
Das Ziel ist es, durch eine wissenschaftliche Begleitung des Projekts „Rugby – ein Teamsport zur Gewaltprävention?“ empirisch zu prüfen, ob Rugbyspielen bei Schülern einer Hauptschule eine gewaltpräventive Wirkung entfaltet.
Es handelt sich um eine explorative Evaluationsstudie bzw. Einzelfallstudie, die sowohl quantitative Methoden (standardisierte Fragebögen für Schüler und Eltern) als auch qualitative Verfahren (Beobachtungen, problemzentrierte Lehrerinterviews) in einer Paneluntersuchung kombiniert.
Im Hauptteil erfolgt die detaillierte empirische Analyse der Daten aus zwei Zeiträumen (Februar 2009 und Juni 2009), um Veränderungen im Verhalten, in den Einstellungen zum Sport und im Aggressionspotenzial der Schüler zu dokumentieren.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rugby, Gewaltprävention, Sozialverhalten, Aggressionspotenzial, Sportpädagogik und Schulsport geprägt.
Die Wahl fiel auf eine sogenannte Brennpunktschule, um die Effektivität des Sportprojekts direkt dort zu testen, wo Probleme wie Aggression und soziale Benachteiligung im schulischen Alltag präsent sind.
Der Autor führt das Konzept der Entkörperlichung an, um zu begründen, warum moderne Menschen oft kaum Möglichkeiten zur Entladung körperlicher Aggressionen haben. Rugby wird als eine Art Ventil gesehen, das durch erlaubten Körperkontakt dieses Defizit ausgleicht.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Rugby mehr Aggressionen abbaut als aufbaut. Veränderungen sind messbar, aber subtil; eine grundlegende Verhaltensänderung erfordert längerfristige Ansätze, wobei Rugby als „Katalysator“ wirken kann.
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