Bachelorarbeit, 2013
31 Seiten, Note: 1,0
1 Prolog
2 Was ist muǧūn?
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Klassifikation
2.3 Charakteristika
3 Muǧūn in seiner Blütezeit
3.1 Muǧūn im literarischen und sozio-kulturellen Umfeld
3.2 Rezeption und Intention
4 Vertreter des muǧūn
4.1 Baššār b. Burd
4.2 Ibn al-Ḥaǧǧāǧ
5 Epilog
6 Literaturverzeichnis
7 Übersetzung
7.1 Kitāb al-imtāʾ wa-l-muʾānasa
7.2 Ibn al-Ḥaǧǧāǧ
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das Phänomen des muǧūn innerhalb der arabischen Literatur des Mittelalters – insbesondere während der Abbasidenherrschaft – zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie sich dieser literarische Modus, der häufig mit Schamlosigkeit, Obszönität und Provokation assoziiert wird, in den literarischen Korpus integrierte und welches Spannungsverhältnis zwischen moralischen Normen und unterhaltendem Anspruch bestand.
2.1 Begriffsdefinition
Muǧūn ist ein Begriff, der genauso schwer definierbar ist wie die abstrakten Themen der Poesie, der Unterhaltung, des Niveaus und des guten Geschmacks, die damals wie heute im Orient und Okzident allgegenwärtig sind. Der Versuch, eine einheitliche und klare Definition von muǧūn zu erstellen, ist bereits den Linguisten des arabischen Mittelalters nicht gelungen, wie auch die Erläuterungen der modernen Wissenschaft weitgehend uneinheitlich sind. In diesem Kapitel werden demzufolge eher die verschiedenen Facetten der Definitionen in den Mittelpunkt gestellt, die über muǧūn existieren und die Arbeit damit erleichtern sollen. Auffällig ist, dass die Bearbeitung der Wurzel m-ǧ-n, soweit sie als diese definiert wird, größtenteils zuerst mit dem aktiven Partizip māǧin beginnt. Offensichtlich fiel es den Linguisten leichter, die Charakteristika eines Menschen, eines fāʿil, zu erläutern, als das weite Feld von muǧūn einzugrenzen und literarisch zu definieren.
Der König der arabischen Wörterbücher, das Lisān al-ʿarab, zeigt, dass diese Aufgabe selbst einem hochrangigen Lexikographen schwer fiel. Ibn Manẓūr geht zuerst davon aus, dass die Wurzel m-ǧ-n etwas Festes oder Verhärtung bedeutet (ṣaluba wa-ġaluẓa), wobei auch rau oder rücksichtslos im übertragenen Sinne gemeint sein kann. Dieser Gedanke wird mit der Ableitung zu al-māǧin weitergeführt als jemanden mit einer festen/unnachgiebigen Erscheinung (li-šalābat waǧhihi) und auch einem Mangel an Scham (qillat istiḥyāʾihi). Dort stößt man bereits auf ein wesentliches Merkmal des literarischen muǧūn: Schamlosigkeit und vor allem Indifferenz in Bezug auf Kritik bzw. Tadel (ʿaḏl) und auf die Reaktion anderer. Dadurch zeichnet sich ein māǧin laut Ibn Manẓūr hauptsächlich aus, wobei er selbst einen kritisierenden Unterton nicht verbergen kann.
1 Prolog: Einführung in die Thematik der Schamgrenze in der Literatur und Vorstellung der Fragestellung bezüglich der Integration von muǧūn in den arabischen literarischen Korpus.
2 Was ist muǧūn?: Analyse der Begriffsdefinitionen, Klassifikationsversuche sowie der zentralen Charakteristika wie Humor und Provokation.
3 Muǧūn in seiner Blütezeit: Untersuchung des sozio-kulturellen Umfelds der Abbasidenzeit sowie der Rezeption und Intention dieser literarischen Bewegung.
4 Vertreter des muǧūn: Detaillierte Betrachtung der Hauptvertreter Baššār b. Burd und Ibn al-Ḥaǧǧāǧ im Hinblick auf ihre Werke und ihre literarische Bedeutung.
5 Epilog: Zusammenführende Betrachtung von muǧūn als Stil der Gegensätze zwischen Unterhaltung, Provokation und literarischer Qualität.
6 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen, Übersetzungen, Nachschlagewerke und wissenschaftlichen Fachliteratur.
7 Übersetzung: Wiedergabe ausgewählter Quellentexte aus dem Kitāb al-imtāʾ wa-l-muʾānasa sowie von Ibn al-Ḥaǧǧāǧ.
muǧūn, arabische Literatur, Abbasidenzeit, Schamlosigkeit, Erotik, Humor, Satire, Baššār b. Burd, Ibn al-Ḥaǧǧāǧ, Adab, Hedonismus, Provokation, klassische Poesie, Skatologie, literarische Grenzziehung.
Die Arbeit untersucht das literarische Phänomen muǧūn im arabischen Mittelalter, welches sich durch eine bewusste Überschreitung von Schamgrenzen und provokante Inhalte auszeichnet.
Die zentralen Themen umfassen die Definition von muǧūn, die Einordnung in den literarischen Kontext der Abbasidenzeit, das Verhältnis zur Religion und Moral sowie die Analyse individueller Dichter.
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für muǧūn zu schaffen, indem es von einer bloßen Ansammlung obszöner Verse abgegrenzt und als komplexer, literarischer Modus aufgezeigt wird.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primäre Quellentexte (Dichtung und Anekdoten) heranzieht und diese in ihren historischen und literarischen Kontext einbettet.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Begriffs, der sozio-kulturellen Blütezeit im Abbasidenreich und detaillierten Porträts der Dichter Baššār b. Burd und Ibn al-Ḥaǧǧāǧ.
Zu den Schlüsselbegriffen gehören neben muǧūn auch Begriffe wie Provokation, Humor, Hedonismus sowie die spezifischen Gattungen oder Stile wie hiǧāʾ und suḫf.
Der Einfluss persischer Traditionen im Abbasidenreich förderte ein neues Interesse an Unterhaltung, Wein und freizügigen Lebensweisen, was dem muǧūn den nötigen Freiraum zur Entfaltung bot.
Nicht zwingend. Obwohl muǧūn oft religiöse Normen provoziert, wird in der Arbeit argumentiert, dass dies primär einer hedonistischen Lebenseinstellung und dem humoristischen Stil dient und nicht unbedingt Ausdruck einer atheistischen Überzeugung ist.
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