Bachelorarbeit, 2014
66 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Bewegungssteuerung und -kontrolle
2.1 Informationsverarbeitende Modelle
2.1.1 Regelkreismodelle und motorische Programme
2.1.2 Generalisierte motorische Programme (GMP-Theorie)
2.2 Systemdynamische Modelle
2.2.1 Synergie - Die Lehre der Zusammenhänge
3 Motorisches Lernen
3.1 Klassische Lerntheorien
3.1.1 Stufentheorie: Drei-Phasen-Modell nach Meinel und Schnabel
3.1.2 Schematheorie nach Schmidt
3.2 Differenzielles Lernen und Lehren
3.2.1 Praktische Konsequenzen
3.2.2 Andere Konzepte des variablen Übens
3.2.3 Differenzielles Lernen in der wissenschaftlichen Diskussion
4 Kontralateraler Transfer
4.1 Wirkungsmechanismen des kontralateralen Transfers
5 Zielstellung der Untersuchung
6. Untersuchungsmethodik und Trainingsdesign
6.1 Trainingsinhalte
6.2 Darstellung der Ergebnisse
6.3 Diskussion der Ergebnisse
7 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Effektivität des differenziellen Trainings im Vergleich zur klassischen Trainingsmethode hinsichtlich kontralateraler Transferleistungen vom nicht-dominanten auf das dominante Schussbein beim Torschusstraining im Fußball. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Optimierung von Trainingsprozessen durch die gezielte Ausnutzung systemimmanenter Schwankungen.
3.2 Differenzielles Lernen und Lehren
Das differenzielle Lernen und Lehren nach SCHÖLLHORN (1999; 2003) stellt eine der wenigen methodischen Konzeptionen dar, dessen Begründung sich auf die in systemdynamischen Analysen gewonnen Erkenntnisse zum Bewegungslernen, insbesondere dem Fingerexperiment von Haken-Kelso-Bunz (vgl. Kap. 2.2.1), stützen.
Aus SCHÖLLHORN (1999, S. 7; 2003, S. 55) Sicht sind an dieser Stelle die systemimmanenten Fluktuationen als besonders interessant anzusehen. Da das Auftreten dieser Schwankungen zum einen auf die Nichtwiederholbarkeit zweier identischer Bewegungen und zum anderen auf das in offen, dynamischen und komplexen System immanente Phänomen der Selbstorganisation hinweist (SCHÖLLHORN 2011, S. 63). Des Weiteren interpretiert SCHÖLLHORN (1999, S. 7) diese Schwankungen als eine Notwendigkeit für natürliche Adaptionsprozesse.
Aus traditioneller Sichtweise stellen diese Schwankungen allerdings eine Abweichungen von einer vorgegebenen idealisierten Zieltechnik und somit Fehler dar, die es zu vermeiden gilt. Doch zeichnen sich vor allem Spitzenathleten, an denen sich die klassischen Technikleitbilder orientieren, durch ein hohes Maß an Individualität (personencharakteristische Bewegungsmuster) und teilweise beträchtlichen Leistungsschwankungen aus (BIRKLBAUER 2012, S. 413). Im Zusammenhang mit der Unmöglichkeit zweimal dieselbe Bewegung auszuführen, scheint es deshalb durchaus verschiedene Lösungsmöglichkeiten (ein individuelles Optimum) zu geben, um z.B. am weitesten zu werfen oder am schnellsten zu laufen.
1 Einleitung: Einführung in das Thema der Beidseitigkeit im Fußball und Darstellung der Problemstellung hinsichtlich traditioneller Trainingsmethoden.
2 Bewegungssteuerung und -kontrolle: Theoretische Abgrenzung zwischen informationsverarbeitenden Modellen (Closed-Loop/Open-Loop) und systemdynamischen Ansätzen.
3 Motorisches Lernen: Erläuterung klassischer Lerntheorien sowie des differenziellen Lernansatzes und seiner wissenschaftlichen Einordnung.
4 Kontralateraler Transfer: Definition und Analyse der Wirkungsmechanismen des Transfers von Bewegungsfertigkeiten zwischen den Körperseiten.
5 Zielstellung der Untersuchung: Formulierung der Forschungshypothese zur Überlegenheit des differenziellen Trainings bei der kontralateralen Transferleistung.
6. Untersuchungsmethodik und Trainingsdesign: Beschreibung des experimentellen Designs, der Probanden, der Trainingsinhalte und der Datenauswertung.
7 Zusammenfassung: Resümee der Untersuchungsergebnisse und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Differenzielles Lernen, Kontralateraler Transfer, Torschusstraining, Fußball, Motorisches Lernen, Bewegungssteuerung, Systemdynamik, Trainingsmethodik, Schussgenauigkeit, Bewegungsoptimum, Selbstorganisation, Fluktuation, Transferleistung, Bewegungsvariabilität, Techniktraining.
Die Arbeit untersucht, ob differenzielles Training bei Fußballern effektiver ist als klassisches Training, um die Treffergenauigkeit des dominanten Beins durch das Üben mit dem nicht-dominanten Bein (kontralateraler Transfer) zu verbessern.
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen der Bewegungssteuerung, Theorien des motorischen Lernens (speziell das differenzielle Lernen nach Schöllhorn) und der Phänomenologie des kontralateralen Transfers.
Das Ziel ist die empirische Überprüfung der Hypothese, dass ein differenzieller Trainingsansatz zu einer signifikant höheren Leistungssteigerung beim kontralateralen Transfer führt als klassische, wiederholungsorientierte Übungsmethoden.
Es wurde ein experimentelles Zwei-Versuchsgruppen-Design mit Prä- und Posttest-Messungen bei Vereinsfußballern durchgeführt, wobei die Daten mittels Mann-Whitney-U-Test und Wilcoxon-Test statistisch ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Bewegungsmodellen und Lerntheorien sowie eine detaillierte Dokumentation des Trainingsdesigns und der statistischen Analyse der Ergebnisse.
Wichtige Begriffe sind differenzielles Lernen, kontralateraler Transfer, Bewegungsoptimierung, Systemdynamik und Torschussgenauigkeit im Fußball.
Klassische Methoden setzen auf hohe Wiederholungszahlen und Fehlerkorrektur zur Annäherung an ein Idealbild, während das differenzielle Training durch gezielte Variation der Bewegungsaufgaben systemimmanente Fluktuationen provoziert, um das individuelle Optimum zu finden.
Die Studie deutet auf eine Überlegenheit des differenziellen Trainings hin, da die differenzielle Gruppe eine signifikant höhere Verbesserung der Trefferleistung erreichte und die Nullhypothese erfolgreich verworfen werden konnte.
Die Ergebnisse stützen die Theorie, dass das Lernen einer Bewegungstechnik mit räumlich-motorischer Anforderungsstruktur (wie ein Torschuss) besonders effektiv ist, wenn der Prozess mit der nicht-dominanten Körperseite begonnen wird.
Der Autor weist auf die kleine Stichprobengröße, den Charakter einer Feldstudie mit zahlreichen Störfaktoren und die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen unter professionelleren Bedingungen hin.
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