Bachelorarbeit, 2012
68 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. (Geschlechter-) Diskurse und literarische Rollenmuster
2.1. Diskurse der Wiener Moderne
2.2. Das Eheleben um 1900
2.3. Rollenmuster in der Literatur der Jahrhundertwende
3. Inszenierungen von Geschlechterverhältnissen und sozialen Regelbrüchen im Reigen
3.1. Die junge Frau
3.2. Der Gatte
3.3. Zwischenfazit Reigen
4. Inszenierungen von Geschlechterverhältnissen und sozialen Regelbrüchen in der Traumnovelle
4.1. Albertine
4.2. Fridolin
4.3. Zwischenfazit Traumnovelle
5. Vergleichende Überlegungen zu Reigen und Traumnovelle
6. Schluss
Diese Arbeit untersucht vergleichend Arthur Schnitzlers "Reigen" und "Traumnovelle" im Hinblick darauf, wie Geschlechterverhältnisse und der Umgang mit Untreue in der bürgerlichen Ehe um 1900 inszeniert werden, um die Gültigkeit tradierter Rollenmuster zu hinterfragen.
Die Inszenierung der jungen Frau
Wenn man sich aus der vorangegangenen Szene – Das Stubenmädchen und der junge Herr – vor Augen hält, mit welcher beiläufigen Lässigkeit der junge Herr das Stubenmädchen verführt hat, fällt auf, dass er nun bei seinen Vorbereitungen für das Rendezvous mit der jungen Frau einen großen Aufwand betreibt. Er scheint für diesen Zweck extra eine Wohnung angemietet zu haben: „Ein mit banaler Eleganz möblierter Salon in einem Haus der Schwindgasse.“ Schon durch die irritierende semantische Inkongruenz zwischen dem Adjektiv „banal“ und dem Substantiv „Eleganz“ – im Grunde eine verdichtete Antithese – weist Schnitzler darauf hin, dass auch in dieser Szene eine Wiederholung des Immergleichen stattfinden wird und weder der höhere gesellschaftliche Stand der am Geschehen Beteiligten noch der größere Aufwand an Requisiten und Inventar darüber hinwegtäuschen kann. Der junge Herr ist sichtlich nervös und angespannt. Er inspiziert die Räume und parfümiert sie, lässt Hinweise darauf, dass sich eine andere Frau in diesen Räumen aufgehalten hat, diskret verschwinden, geht im Zimmer auf und ab, kämmt sich Haar und Schnurbart und „fährt leicht zusammen“ als es klingelt. Diese im Vergleich zu den vorhergehenden Szenen sehr lange und detaillierte Regieanweisung macht deutlich, dass auch der junge Herr von den gesellschaftlichen Normen und dem Nimbus der „Anständigkeit“ einer Ehefrau geprägt ist.
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Inszenierung von Geschlechterverhältnissen und Untreue bei Arthur Schnitzler anhand der beiden ausgewählten Werke.
2. (Geschlechter-) Diskurse und literarische Rollenmuster: Darstellung des sozio-kulturellen Hintergrunds der Wiener Moderne, der Rolle der Frau und der sozialen Konstruktion von Geschlechterrollen um 1900.
3. Inszenierungen von Geschlechterverhältnissen und sozialen Regelbrüchen im Reigen: Detaillierte Analyse ausgewählter Szenen, welche die Scheinheiligkeit der bürgerlichen Doppelmoral und das patriarchale Machtgefälle verdeutlichen.
4. Inszenierungen von Geschlechterverhältnissen und sozialen Regelbrüchen in der Traumnovelle: Untersuchung des Gesprächs zwischen Albertine und Fridolin sowie deren individueller Erfahrungen als psychologischer Reifungsprozess.
5. Vergleichende Überlegungen zu Reigen und Traumnovelle: Zusammenfassender Vergleich der Kommunikationsstile und der verschiedenen Umgangsweisen mit den Themen Untreue und Rollenbildern.
6. Schluss: Synthese der Ergebnisse, welche die Hypothese bestätigt, dass Schnitzler kritische und neue, aus den Klischees ausbrechende Perspektiven auf Geschlechterrollen entwirft.
Arthur Schnitzler, Reigen, Traumnovelle, Geschlechterverhältnisse, Untreue, Wiener Moderne, Rollenmuster, Ehe, Doppelmoral, Gender-Analyse, Subjektivität, Patriarchat, Identitätskrise, Intimkommunikation, Geschlechtscharaktere
Die Arbeit analysiert die Inszenierung von Geschlechterverhältnissen und Untreue in Arthur Schnitzlers Werken "Reigen" und "Traumnovelle" vor dem Hintergrund der bürgerlichen Moralvorstellungen um 1900.
Zentrale Themen sind die Diskurse der Wiener Moderne, das Eheleben um 1900, gesellschaftliche Rollenkonstruktionen und die tabuisierte weibliche Sexualität.
Die Arbeit untersucht, ob die Figuren traditionellen geschlechtsspezifischen Rollenvorstellungen folgen oder ob Schnitzler neue Frauen- und Männerbilder entwirft, die ein emanzipatorisches Potenzial besitzen.
Es wird eine gender-orientierte, textnahe Analyse durchgeführt, die literarische Figuren vor dem historischen und soziokulturellen Kontext der Jahrhundertwende betrachtet.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse spezifischer Szenen aus dem "Reigen" (die junge Frau und der Gatte) sowie auf das zentrale Gespräch zwischen Albertine und Fridolin im ersten Kapitel der "Traumnovelle".
Wichtige Begriffe sind unter anderem "soziale Rolle", "Doppelmoral", "Schein und Sein", "Identitätskrise" und der Diskurs über "anständige" versus "unanständige" Frauen.
Während im "Reigen" das patriarchale Diktat dominiert und eine Kommunikation auf Augenhöhe durch Doppelmoral verhindert wird, zeigt die "Traumnovelle" einen Prozess, in dem das Ehepaar durch Krisenbewältigung und Dialog eine reifere Beziehung anstrebt.
Der Traum fungiert als Katalysator für eine Selbsterkenntnis, in der sich Albertine von ihrer passiven Rolle als "Objekt" befreit und ihr eigenes Begehren als Teil ihrer Identität akzeptiert.
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