Examensarbeit, 2014
64 Seiten, Note: 2.0
1. Einleitung
2. Inzestmotiv
2.1 Das Inzestmotiv bei Mirra und Phèdre
3. Die Funktion der Mythologie in Mirra und Phèdre
3.1 Die Anschuldigung der Göttin Venus
3.2 Tiefes Schuldempfinden bis hin zur Sehnsucht nach dem Tod
3.3 Die ‚jansenistische‘ Interpretation von Phèdre
3.3.1 Racine und der Jansenismus
3.3.2 Phèdre – ein jansenistisches Stück?
3.4 Die negative Anthropologie des 17. Jahrhunderts
4. Die Figuren in Mirra und Phèdre
4.1 Die Sorge um Mirra
4.1.1 Vater Ciniro
4.1.2 Mutter Cecri
4.1.3 Die Vertraute Euriclea
4.1.4 Der Liebhaber Pereo
4.2 Die tragischen Figuren in Phèdre
4.2.1 Hippolyte
4.2.2 Thésée
4.2.3 Die Vertraute ɶnone
4.3 Zwischenfazit
5. Die Bedeutung der Sprache
5.1 Sprachwissenschaftliche Grundlagen: die Sprechakttheorie
5.2 Schweigen als indirekter Sprechakt
5.3 Die Sprache in den Werken
6. Vergleich des formalen Aufbaus bei Mirra und Phèdre
7. Schuldfrage
8. Tragödientheorie
8.1 Merkmale der französischen und italienischen Tragödie des 17. und 18. Jahrhunderts
8.2 Die Tragödientheorie bei Alfieri
8.3 Die Konzeption der Leidenschaft bei Alfieri – Il forte sentire
8.4 Tragödientheorie bei Racine
8.5 Zwischenfazit
9. Schlussbetrachtung
10. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit vergleicht die Tragödien Mirra von Vittorio Alfieri und Phèdre von Jean Racine, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Behandlung des zentralen Inzestmotivs herauszuarbeiten. Die Untersuchung geht dabei der Forschungsfrage nach, inwieweit Racines Werk als Modell für Alfieris Tragödie gedient haben könnte und wie die Protagonistinnen mit ihrer unzulässigen Leidenschaft umgehen.
3.1 Die Anschuldigung der Göttin Venus
Eine Gemeinsamkeit der beiden Protagonistinnen besteht darin, dass sie die Gründe für ihre inzestuöse Liebe und das daraus resultierende Leiden nicht bei sich selbst suchen, sondern fest davon überzeugt sind, dass etwas Übermenschliches als Auslöser für diese Liebe fungiert.
Alfieris Mirra glaubt, von den Göttern befallen zu sein, vor allem von der schonungslosen Liebesgöttin Venus, wie sie gleich zu Beginn ihres Auftritts in einem Gespräch mit ihrer Amme voller Furcht äußert:36
Oimè! Che ardir? Che festi? Venere?...Oh ciel!... contro di me… Lo sdegno della implacabil Dea… Che dico?... Ahi lassa!... inorridisco, tremo…[…] Abbandonata io son dai Numi; aperto è il mio petto all’Erenni; esse v’han sole possanza, e seggio. […]37
Auch ihren Eltern, Cecri und Ciniro, erzählt sie von einem Schmerz, der über das Natürliche hinausgeht, und der in ihr regiert, ihr schlaflose Nächte bereitet und ihre Trauer und ihr Leiden wachsen lässt, sodass sie sich sogar dem Tode nahe fühlt:
Oltre i confini del natural dolore il mio trascorre; […] in me cogli anni sempre la fatal mia tristezza orrida era ita ogni di più crescendo: Irato un Nume, implacabile, ignoto, entro al mio petto si alberga; e quindi, ogni mia forza è vana contro alla forza sua… […] ma il debil corpo, egro ei soggiace;… e a lenti passi in tomba andar mi sento… - Ogni mio poco e rado cibo, mi è tosco: ognor mi sfugge il sonno; […].38
1. Einleitung: Stellt die beiden Autoren Alfieri und Racine sowie ihre Werke vor und definiert die Zielsetzung eines Vergleichs der Inzestthematiken.
2. Inzestmotiv: Erläutert das literarische Tabu des Inzests und dessen psychologische Einordnung mittels Freuds Schriften.
3. Die Funktion der Mythologie in Mirra und Phèdre: Untersucht, wie Venus als Personifikation der Leidenschaft in beiden Stücken als Rechtfertigung für das Handeln dient.
4. Die Figuren in Mirra und Phèdre: Analysiert die unterschiedlichen Konstellationen und die funktionale Rolle der Nebenfiguren für das Handlungsgeschehen.
5. Die Bedeutung der Sprache: Behandelt die Sprechakttheorie und die zentrale Rolle des Schweigens als Handlungselement.
6. Vergleich des formalen Aufbaus bei Mirra und Phèdre: Gegenüberstellung der aristotelischen Einheiten und der dramatischen Struktur beider Stücke.
7. Schuldfrage: Diskutiert, inwieweit die Protagonistinnen für ihr Handeln oder die Katastrophe verantwortlich gemacht werden können.
8. Tragödientheorie: Beschreibt die theoretischen Grundlagen des Klassizismus sowie die spezifische Konzeption der Leidenschaft bei den beiden Autoren.
9. Schlussbetrachtung: Fasst die Ergebnisse des Vergleichs zusammen und unterstreicht die Individualität beider Tragödien trotz gemeinsamer Stoffwahl.
10. Literaturverzeichnis: Listet die verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf.
Tragödie, Mirra, Phèdre, Inzestmotiv, Vittorio Alfieri, Jean Baptiste Racine, Mythologie, Venus, Schuldfrage, Sprechakttheorie, Schweigen, klassische Tragödie, Leidenschaft, Aristotelische Einheiten, Jansenismus.
Die Arbeit analysiert die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Tragödien Mirra von Alfieri und Phèdre von Racine in Bezug auf die thematische Behandlung der inzestuösen Liebe.
Die Schwerpunkte liegen auf dem Inzestmotiv, der Funktion der Mythologie, der Figurenanalyse, der Bedeutung von Sprache und Schweigen sowie der theoretischen Tragödienkonzeption der beiden Autoren.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie beide Autoren das gleiche mythologische Motiv in unterschiedlichen Epochen und mit verschiedenen dramaturgischen Mitteln verarbeiten.
Die Autorin nutzt eine vergleichende Literaturwissenschaftsmethode, unter Einbeziehung von psychoanalytischen Aspekten (Freud) und sprechakttheoretischen Ansätzen (Austin).
Der Hauptteil ist in zwei Teile gegliedert: Der erste Teil analysiert spezifisch die beiden Werke (Inzest, Mythologie, Figuren, Sprache), der zweite Teil fokussiert die Tragödientheorie des 17. und 18. Jahrhunderts.
Die wichtigsten Begriffe sind Tragödie, Inzestmotiv, Leidenschaft, Schuldfrage und die dramaturgische Funktion der Sprache.
Das Schweigen ist bei Alfieri ein zentrales Gestaltungselement; da die Protagonistin ihr Geheimnis beharrlich hütet, wird es zum Motor der Handlung, der erst durch das unvermeidliche Brechen des Schweigens in der Katastrophe endet.
Während bei Racine die mythologische Verwurzelung sehr umfassend ist, reduziert Alfieri die Mythologie auf die Personifikation der Leidenschaft (Venus), um den Fokus stärker auf die psychologische Innenwelt von Mirra zu legen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

