Magisterarbeit, 2012
86 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Poetik und autobiographisches Schreiben – Begriffserklärungen
2.1. Poetik
2.2. Autobiographie und Elemente autobiographischen Schreibens
3. Stefan Zweig: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers
3.1. Beweggründe für Zweigs autobiographisches Schreiben
3.2. Die Welt von Gestern als Exilautobiographie
3.3. Die Welt von Gestern als Zeitzeugnis
3.4. Autobiographisches Erzählen: Zweigs literarische Konstruktion einer „Welt von Gestern“
3.4.1. Die Geschichte als Dichterin: Zweigs historiographisches Konzept
3.4.2. Konstruktion einer „Welt von Gestern“: „Das goldene Zeitalter der Sicherheit“
3.4.3. Zweigs konstruiertes Selbstbild: Als Jude, Schriftsteller, Pazifist und Humanist
3.5. Erzählformen in Die Welt von Gestern
3.5.1. Chronologie und Dramatik
3.5.2. Autobiographisches Subjekt
3.5.3. Stilistik
4. Fazit
Die vorliegende Magisterarbeit analysiert die Poetik des autobiographischen Schreibens in Stefan Zweigs Werk Die Welt von Gestern. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie Zweig seine eigene Lebensgeschichte im Exil ästhetisch konstruiert und dabei persönliche Erinnerungen mit dem Anspruch verbindet, als Zeitzeuge die untergegangene Welt Europas vor dem Zweiten Weltkrieg für die Nachwelt festzuhalten.
3.4.1. Die Geschichte als Dichterin: Zweigs historiographisches Konzept
Die Gattung Autobiographie ist zwischen Historiographie und Literatur anzusiedeln. Da Zweig sein Wissen als Historiker in Die Welt von Gestern einfließen ließ, gibt die Geschichte den Rahmen seiner Erzählung vor. Die ambivalenten Eigenschaften dieser Gattung werden auch an den sehr konträren Beurteilungen und verschiedenen Positionen bestimmter Verfasser deutlich. Der kritische Philologe Claudio Magris schätzte die Bemühungen des Schriftstellers um ein authentisches Bild der untergegangenen Welt von gestern: Zweig „gab dieser Welt wohl ihr berühmtestes und populärstes Bild, die nun schon klassisch und fast obligat gewordene Dimension.“ Indes kommt die Polemik gegen Zweigs bildliche Veranschaulichung in Kritiken wie der von Hannah Arendt zum Ausdruck: „Natürlich ist die Welt, die Zweig schildert, alles andere als die Welt von gestern; natürlich lebte der Autor dieses Buches nicht eigentlich in der Welt, sondern nur an ihrem Rande.“ Und nach Ansicht von Hans Mayer versagte Zweig bei der Darstellung geschichtlicher Ereignisse und schätzte daher auch seine eigene Zeit falsch ein:
Sein Lebensbuch zeigt einen Menschen, der keine Beziehung besitzt zu Ideen, der ein ganzes Zeitalter für sich in private Beziehungen auflöst. So bleiben ihm schließlich nur Begegnungen mit wertvollen Menschen, […] ohne daß er den „objektiven Geist“ seiner Zeit jemals empfunden hätte. Eine Welt läßt sich aber nicht in Gespräche und Kontakte auflösen. […] Er verstand einzelne Menschen, aber keine Zusammenhänge. Daran ist er schließlich zerbrochen.
1. Einleitung: Vorstellung des Autors Stefan Zweig, des Werks Die Welt von Gestern und der Zielsetzung der Analyse.
2. Poetik und autobiographisches Schreiben – Begriffserklärungen: Theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen Poetik und Autobiographie sowie deren Relevanz im literaturwissenschaftlichen Kontext.
3. Stefan Zweig: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers: Detaillierte Analyse der Exilsituation, des Zeitzeugnis-Charakters und der literarischen Konstruktion des Selbstbildes sowie der verwendeten Erzählformen.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur poetischen Gestaltung und dem kulturellen Wert von Zweigs Autobiographie.
Stefan Zweig, Die Welt von Gestern, Exilliteratur, Autobiographie, Poetik, Zeitzeugnis, Exil, Identitätsverlust, Erinnerung, Geschichtsschreibung, österreichische Literatur, Identitätskonstruktion, europäische Identität.
Die Arbeit untersucht Stefan Zweigs Autobiographie Die Welt von Gestern unter literaturwissenschaftlichen Aspekten, insbesondere im Hinblick auf die Poetik und die Art und Weise, wie Zweig seine Vergangenheit im Exil ästhetisch verarbeitet.
Im Zentrum stehen die Gattung der Autobiographie, die Bedingungen des Exils, das Konzept des kulturellen Gedächtnisses sowie die erzählerische Gestaltung von Geschichte und Selbstbild.
Ziel ist es, die Frage zu beantworten, wie Zweig seine Lebensgeschichte ästhetisch kreiert hat und wie er die „Welt von Gestern“ als literarische Konstruktion für die Nachwelt festhielt.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die textnahe Textanalysen mit gattungstheoretischen Ansätzen und Diskursen der Exilforschung verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung (Poetik/Autobiographie) und die detaillierte Analyse von Zweigs Werk, inklusive seiner Beweggründe, der Konstruktion der „Welt von Gestern“ und der spezifischen Erzählformen.
Wichtige Begriffe sind Poetik, Exilautobiographie, Identitätssicherung, Zeitzeugnis, Historiographie und das „goldene Zeitalter der Sicherheit“.
Zweig verzichtet in Die Welt von Gestern auf eine klassische, private Lebensbeichte; stattdessen rückt er das Zeitgeschehen in den Vordergrund und versteht sich eher als „Erklärer bei einem Lichtbildervortrag“ seiner Generation.
Das Exil ist der Katalysator für Zweigs autobiographisches Schreiben; es löste bei ihm ein Bedürfnis zur Identitätssicherung aus, um die durch die Emigration zerstörte Welt und das eigene Ich literarisch neu zu konstruieren.
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