Diplomarbeit, 2004
91 Seiten, Note: gut
1. Einleitung
2. "Resozialisierung" und "Integration" – Definitionen
2.1. Resozialisierung
2.2. Integration
3. Gelungene soziale Integration?
3.1. Definitionen verschiedener Institutionen
3.1.1. Bundesministerium für Justiz
3.1.2. Verein Neustart
3.1.3. Caritaswohngemeinschaft WEGE
3.2. Beispiel für gelungene Integration
3.3. Integration aus der Sicht der Betroffenen
4. Strafe und Strafvollzug
4.1. Vom Sinn der Strafe
4.1.1. Gerechtigkeitstheorien
4.1.2. "Relative" Theorien
4.1.3. "Vereinigungstheorien"
4.1.4. Die negativen Aspekte der Strafe
4.2. Das Strafvollzugsgesetz
4.3. Alternativen zur Freiheitsstrafe
4.3.1. Diversion
4.3.2. Bedingte und teilbedingte Verurteilungen
4.3.3. Bedingte Entlassungen
4.4. Zusammenfassung
5. Situation von Häftlingen
5.1. Entmündigung der Insassen – Veränderung der Persönlichkeit
5.2. Deprivationen
5.2.1. Freiheitsverlust und Identitätsverlust
5.2.2. Entzug materieller und immaterieller Güter
5.2.3. Verlust der Privatsphäre und der Selbstbestimmung
5.2.4. Verlust heterosexueller Beziehungen
5.2.5. Verlust der eigenen Sicherheit
5.3. Das Gefängnis als totale Institution
5.4. Die Entlassungssituation
6. Situation von Haftentlassenen
6.1. Die soziale Dimension
6.1.1. Mangelnde Schul- und Berufsausbildung
6.1.2. Die Schuldenproblematik
6.1.3. Wohnsituation
6.1.4. Mangelnde soziale Kompetenzen
6.1.5. Aufbau eines tragfähigen sozialen Netzes
6.2. Die psychologische Dimension
7. Die Sozialarbeit mit Haftentlassenen in betreuten Wohnformen – Das Konzept der Caritaswohngemeinschaft WEGE
7.1. Zielgruppe, Aufnahmeverfahren und Aufnahmekriterien
7.2. Leistungsangebot
7.3. Ausstattung
7.3.1. Räumliche Ausstattung
7.3.2. Personelle Ausstattung
7.4. Zielsetzungen der WEGE
7.5. Betreuungsgrundsätze
7.5.1. Aufnahme und Gestaltung von Beziehungen
7.5.2. Entwicklung situationsgerechter Konfliktlösungsmuster
7.5.3. Umgang mit finanziellen Mitteln
7.5.4. Organisation des Haushalts
7.5.5. Arbeitsaufnahme
7.5.6. Freizeitgestaltung
7.5.7. Selbstwert- und Identitätsfindung
7.5.8. Vernetzung mit anderen Betreuungseinrichtungen
7.6. Öffentlichkeitsarbeit
7.7. Qualitätssicherung und Dokumentation
8. Möglichkeiten und Grenzen der Sozialarbeit in betreuten Wohnformen
8.1. Der persönliche Bereich
8.1.1. Die soziale Stabilisierung
8.1.2. Die psychische Stabilisierung
8.2. Der gesellschaftliche Bereich
8.2.1. Öffentlichkeitsarbeit
8.2.2. Vernetzung
9. Zusammenfassung
10. Anhang: Privatisierung von Gefängnissen und Arbeitspflicht von Gefangenen
11. Literatur und Quellen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der sozialen Integration von Haftentlassenen durch betreute Wohnformen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sozialarbeiterische Unterstützung in entsprechenden Wohneinrichtungen zur erfolgreichen Reintegration beitragen kann, welche Hürden bestehen und wie das Konzept einer solchen Einrichtung (am Beispiel der WEGE in Wels) gestaltet ist.
Die Entlassungssituation
Der Tag der Entlassung ist ein wichtiges aber auch schwieriges Ereignis im Leben eines Inhaftierten. Viele Erwartungen, Träume und Wünsche sind mit diesem Zeitpunkt verbunden. Oft sieht die Realität aber ganz anders als erwartet aus. Der Häftling wird nach einer unzureichenden Vorbereitung vor die Tür des Gefängnisses gestellt und sich selbst überlassen. Er ist ab sofort wieder selbst für sein Leben und sein weiteres Fortkommen verantwortlich. Aus der totalen Abhängigkeit und Unselbständigkeit in die totale Freiheit, meist ohne Übergangsfrist z. B. in einem Freigängerhaus. Und oft auch sehr überraschend.
Gerade bei bedingten Entlassungen wird dem Gefangenen oft sehr kurzfristig mitgeteilt, dass er aus der Haft entlassen wird. Mark Barnsley, ein Häftling aus England, von dem im Anhang ein Interview zu lesen ist, formuliert das so: "Und plötzlich wurde das Tor geöffnet und die Welt draußen wartete auf mich. [...] Nach den acht Jahren, in denen der Staat mich in seiner Gewalt hatte, spuckte er mich also wieder auf die Straße aus." Diese Sätze beschreiben sehr gut, wie sich Gefangene bei der Entlassung fühlen. Sie werden aus dem Gefängnis geworfen und sind auf sich selbst gestellt. Viele kommen mit dieser Situation nicht zurecht und der Teufelskreis, auftretenden Probleme wieder mit Delinquenz zu begegnen, beginnt von vorne. Um diesen Kreislauf unterbrechen zu können, brauchen sie Unterstützung. In welchen Bereichen diese Unterstützung notwendig ist, wird im nächsten Kapitel erläutert.
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation des Autors sowie Hinführung zum Thema der Integration von Haftentlassenen.
2. "Resozialisierung" und "Integration" – Definitionen: Theoretische Abgrenzung und begriffliche Analyse der beiden Kernbegriffe vor dem Hintergrund staatlicher Strafziele.
3. Gelungene soziale Integration?: Untersuchung unterschiedlicher Einrichtungsdefinitionen und Reflexion der Integration aus Sicht betroffener Häftlinge.
4. Strafe und Strafvollzug: Überblick über Straftheorien, das österreichische Strafvollzugsgesetz und Alternativen zur Freiheitsstrafe.
5. Situation von Häftlingen: Analyse der Haftfolgen, von Persönlichkeitsveränderungen bis hin zur Deprivation innerhalb der totalen Institution Gefängnis.
6. Situation von Haftentlassenen: Erläuterung der sozialen und psychologischen Dimensionen, die für eine erfolgreiche Rückkehr in die Gesellschaft entscheidend sind.
7. Die Sozialarbeit mit Haftentlassenen in betreuten Wohnformen – Das Konzept der Caritaswohngemeinschaft WEGE: Detaillierte Vorstellung des Praxisbeispiels inklusive Zielgruppen, Ausstattung und Betreuungsgrundsätzen.
8. Möglichkeiten und Grenzen der Sozialarbeit in betreuten Wohnformen: Reflexion über die Stabilisierung in persönlichen und gesellschaftlichen Bereichen.
9. Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse und Schlussbetrachtung zur Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Öffnung.
10. Anhang: Privatisierung von Gefängnissen und Arbeitspflicht von Gefangenen: Exkurs zur Problematik der Ökonomisierung von Strafvollzug.
11. Literatur und Quellen: Auflistung der verwendeten Fachliteratur und sonstiger Quellen.
Soziale Integration, Resozialisierung, Haftentlassene, Strafvollzug, Sozialarbeit, betreute Wohnformen, WEGE, Deprivation, Persönlichkeitsveränderung, Arbeitsmarktintegration, Strafe, Wiedereingliederung, Straffälligkeit, Rückfallprävention, Soziale Stabilisierung.
Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit der sozialen Integration von Menschen nach einer Haftstrafe und beleuchtet dabei, welche Rolle betreute Wohnformen bei diesem Reintegrationsprozess spielen.
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Definitionen von Resozialisierung, die Situation von Inhaftierten, der Sinn von Strafe sowie die konkrete Praxis sozialarbeiterischer Betreuung in Wohnprojekten.
Das Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen der sozialen Arbeit mit Haftentlassenen aufzuzeigen und ein konkretes Konzept einer betreuten Wohngemeinschaft (WEGE) als Weg zur erfolgreichen Integration zu evaluieren.
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus Literaturanalyse zu Straftheorien und Integrationskonzepten sowie auf praktische Erfahrungen, Beobachtungen und Gesprächsprotokolle aus seinem Praktikum in einer Wohngemeinschaft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Haftbedingungen, die Analyse der Situation nach der Entlassung und die detaillierte Darstellung des Betreuungskonzepts einer speziellen Caritas-Einrichtung.
Wichtige Begriffe sind Soziale Integration, Resozialisierung, Betreutes Wohnen, Haftentlassenenhilfe, Deprivation sowie die psychologische und soziale Stabilisierung von Klienten.
Haftentlassene sind oft stigmatisiert und weisen häufig eine lange Historie der Arbeitsmarktferne auf. Zudem fehlt oft die notwendige Qualifikation, was die Integration in die Erwerbsgesellschaft erschwert.
Das Titelbild mit Puzzleteilen symbolisiert den Integrationsprozess: Wie Puzzleteile müssen Individuum und Gesellschaft ineinandergreifen, wobei Flexibilität auf beiden Seiten gefordert ist, um ein gemeinsames Ganzes zu bilden.
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