Masterarbeit, 2014
109 Seiten, Note: 1,7
1 Abstract
2 Das Kind im Fokus der Betreuung – Eine Einführung
3 Terminologie
3.1 Das Domizil- oder Residenzmodell
3.2 Die paritätische Doppelresidenz (Wechselmodell)
3.3 Das Nestmodell
3.4 Der Kindeswohlbegriff
4 Psychologische Grundlagen
4.1 Scheidungsfolgen für Kinder
4.2 Aspekte der Bindungstheorie
4.3 Bedürfnisorientierung nach Brazelton/Greenspan
4.4 Theoretische Schlussfolgerungen für die Forschungsfrage
5 Rechtlicher Exkurs
5.1 Fakten und Zahlen zu Sorgerechts- und Umgangsverfahren
5.2 Kinderrechte
5.2.1 Internationale Normen
5.2.2 Europäische Normen
5.2.3 Deutsche Normen
5.3 Theoretische Schlussfolgerungen für die Forschungsfrage
6 Eigene Forschung
6.1 Interviews mit Kindern
6.1.1 Zugang
6.1.2 Methodik
6.1.3 Ethische Fragen
6.2 Durchführung der Interviews
6.2.1 Sarah
6.2.2 Nicole und Marie
6.2.3 Elisabeth
6.2.4 Dana und Lukas
6.3 Datenanalyse
6.4 Reflexion des Forschungsprozesses
7 Zusammenfassung der Ergebnisse und kritische Betrachtung
8 Ausblick
Die Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob die paritätische Doppelresidenz als gerichtlicher Standard für Betreuungsbeschlüsse in Sorgerechtsfällen geeignet ist und welche Voraussetzungen hierfür gelten sollten, wobei das Wohl des Kindes und dessen Bedürfnisse im Zentrum stehen.
4.4 Theoretische Schlussfolgerungen für die Forschungsfrage
Ob die paritätische Doppelresidenz als gerichtlicher Standard für Beschlüsse in Sorgerechtsfällen geeignet erscheint und ob dessen Anwendung an Voraussetzungen geknüpft sein sollte, wird an dieser Stelle erstmals anhand theoretischer Erkenntnisse beurteilt. Entsprechend dem Kapitel liegen dabei vorrangig psychologische und bedürfnisorientierte Aspekte zugrunde. Zusätzlich wird sich an diskursrelevanten Gesichtspunkten der einschlägigen Literatur orientiert.
Es gilt als überholt, dass Kleinkinder lediglich zu einem Menschen in ihrem frühen Leben eine Beziehung aufbauen können. Je mehr deutlich wurde, dass Babys durchaus in der Lage dazu sind, Beziehungen mit mehreren Personen einzugehen und diese auch zu unterscheiden, trat die Betrachtung der Triade zwischen Vater, Mutter und Kind zunehmend in den Fokus analytischer Studien (vgl. Datler / Wininger 2014: 373). Dies führte zu dem Konsens, Mutter und Vater leisten gerade durch ihre erzieherischen Diversität gemeinsam einen wertvollen Beitrag zur normativen kindlichen Entwicklung. Demnach könnte davon ausgegangen werden, dass eine gleichmäßige Betreuung durch beide Elternteile auch nach einer Trennung generell am wohltuendsten für ein Kind zu sein scheint und die paritätische Doppelresidenz als Standardmodell geeignet ist. Aufgrund der multiplen sich ergebenden Veränderungen, welche mit einer Scheidung der Eltern einhergehen, ist diese Pauschalität jedoch deplatziert.
Anhand der Ergebnisse aus der Bindungstheorie wurde deutlich, dass bereits vorhandene Bindungen so gut es nur möglich erscheint, dem Kind zu erhalten sind. Eine sichere Bindung bietet dem Kind Stabilität und Schutz, lässt es kritischen Lebensereignissen widerstandsfähiger gegenüberstehen. Da Bindungen zwar nicht nur zu einer Person, gleichzeitig aber auch nicht zu vielen aufgebaut werden, sollte der Erhalt des Kontaktes zu diesen Personen vorranginge Beachtung finden. Demnach gilt es festzustellen, zu wem ein Kind eine solche schützenswerte Form der Beziehung eingegangen ist. Hierfür erscheint die bisher gelebte Struktur der Trennungsfamilie maßgeblich.
Abstract: Zusammenfassung der wissenschaftlichen Zielsetzung, der angewandten Methoden und der Schlussfolgerung, dass die paritätische Doppelresidenz keine pauschale Standardlösung sein kann.
Das Kind im Fokus der Betreuung – Eine Einführung: Hinführung zum Thema unter Berücksichtigung der hohen Zahl betroffener Kinder und der Notwendigkeit einer kindzentrierten Betrachtung bei Betreuungsmodellen.
Terminologie: Definition und Abgrenzung gängiger Betreuungsformen sowie des Begriffs des Kindeswohls.
Psychologische Grundlagen: Darlegung von Scheidungsfolgen, Bindungstheorie und Grundbedürfnissen von Kindern als Basis für die Forschungsfrage.
Rechtlicher Exkurs: Übersicht über die rechtliche Situation, Kinderrechte und die Praxis an Familiengerichten.
Eigene Forschung: Präsentation der qualitativen Feldstudie mittels narrativer Interviews und thematischer Zeichnungen von Kindern im Wechselmodell.
Zusammenfassung der Ergebnisse und kritische Betrachtung: Synthese der theoretischen Erkenntnisse und empirischen Ergebnisse mit Blick auf die Anwendbarkeit der Doppelresidenz.
Ausblick: Forderung nach weiteren nationalen Studien zur Multilokalität von Scheidungskindern und Betonung der elterlichen Verantwortung.
Paritätische Doppelresidenz, Wechselmodell, Kindeswohl, Trennung, Scheidung, Bindungstheorie, Kindesrechte, Narrative Interviews, Familienrecht, elterliche Sorge, Erziehungsberatung, Kindheitsforschung, Bindungsqualität, Konfliktmanagement, Elternautonomie.
Die Arbeit untersucht die Eignung der paritätischen Doppelresidenz (Wechselmodell) als gerichtliches Standardbetreuungsmodell für Kinder nach einer elterlichen Trennung.
Die Untersuchung verknüpft psychologische Aspekte wie Bindungstheorie und kindliche Bedürfnisse mit den rechtlichen Rahmenbedingungen und einer qualitativen empirischen Forschung an betroffenen Kindern.
Es wird analysiert, ob das Wechselmodell als universelle Standardlösung für Sorgerechtsfälle geeignet ist und ob dessen Anwendung an spezifische, einzelfallabhängige Voraussetzungen geknüpft werden muss.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse (Psychologie, Recht) und einer qualitativen Feldforschung, basierend auf narrativen Interviews und thematischen Zeichnungen mit Kindern.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Kindeswohl und Bindungsaspekten, einen rechtlichen Exkurs sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung der eigenen Interviews.
Zentrale Begriffe sind Paritätische Doppelresidenz, Kindeswohl, Bindungstheorie, Sorgerecht und Kindheitsforschung.
Die Arbeit zeigt, dass neue Partner einen signifikanten Einfluss haben. Insbesondere Stiefmütter wurden in den Interviews teilweise als Quelle von Konflikten und strengem Regelwerk wahrgenommen.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das Wechselmodell nicht standardmäßig angeordnet werden sollte, da eine Einzelfallprüfung der kindlichen Bedürfnisse und familiären Dynamik zwingend erforderlich bleibt.
Jüngere Kinder benötigen für eine gesunde Entwicklung eine höhere Stabilität und Beständigkeit (eindeutiges Zuhause), während sich die Anforderungen mit zunehmendem Alter und Reifegrad des Kindes verändern.
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