Doktorarbeit / Dissertation, 2013
256 Seiten, Note: cum laude
1. Einleitung
2. Ausgangslage, Untersuchungsgang und Methode
3. Verortung des Phänomens der Ironie
3.0 Erste Abgrenzung zu ähnlich gearteten Phänomenen
3.0.1 Lüge und Heuchelei
3.0.2 Sarkasmus und Zynismus
3.0.3 Das Komische
3.0.4 Der Witz
3.0.5 Humor
3.0.6 Die Satire
3.1 Klassische Auffassungen
3.2 Literarische Ironie
3.2.1 Prototypen der Ironie
3.2.2 Der Text als Spielraum des Ironischen
3.3 Linguistische Konzeptionen
3.3.1 Pretense Theory
3.3.2 Echoic Mention Theory
3.3.3 Allusional Pretense Theory
3.4 Die Zusammenschau im Integrationsmodell
4. Die Ironie in Gottfried Kellers „Sinngedicht“
4.1 Poetologische Verortung und epochale Zuordnung
4.1.1 Abgrenzung von den ‚Originalgenies’
4.1.2 Positionierung zum Naturalismus
4.1.3 Humor und Ironie in poetologischer Hinsicht
4.2 Architektur des Zyklus
4.3 Die Eröffnung des ironischen Spielraums: Stilironie im Eingangssatz
4.4 Der männliche Sonderling und sein Entwicklungspotenzial in Gestalt des Herrn Reinhart auf Basis seiner erzählerischen Darbietungen
4.4.1 Die Ironisierung des Erwin ironisierenden Herrn Reinhart durch den 0-Narrator: Verweislinien zwischen Reinharts Einstellungen, Lucies Dialogironie und dem Ironieopfer Erwin
4.4.1.1 Reinharts Fehltritt und Erwins Einkauf der Dienstmagd auf dem Boden deutscher Kultur
4.4.1.2 Reinhart als Fremdling in der moralischen Welt – Erwin als Fremdling auf dem Boden deutscher Kultur
4.4.2 Die vermittelte Ironisierung Brandolfs durch den 0-Narrator und Herr Reinharts erster Entwicklungsschritt
4.4.1.1 Äußeres verliert an Gewicht und Ökonomisches bleibt Kriterium bei der Brautwahl
4.4.1.2 Reinharts Wollschäfchen und Brandolfs Liebhaben dieses haushälterisch begabten Frauchens
4.5 Historische Transformationen: Correa,Thibaut und weitere Entwicklungsschritte Reinharts
4.5.1 Der erfolgreiche Vorläufer des guten Bürgersohnes
4.5.2 Der erfolglose Vorläufer des schlechten Bürgersohnes
4.6 Religionskritik und Liebe: Ironisierung der Glasglockenfamilie, Bigotterie und Scheinheiligkeit der Donna Feniza und des Leodegar
4.7 „Die Geisterseher“ als Spiegelachse und Rückschau gesellschaftlicher Disparitäten
4.8 Parabasisches Verfahren: Das überzeichnete Abschlussidyll als ironische Replik im Widerstreit der Kulturen
4.9 Typologischer Vergleich: „Sinngedicht“ und „Symposion“
5. Zusammenfassung
Die vorliegende Dissertation untersucht die ironischen Strukturen in Gottfried Kellers Novellenzyklus „Das Sinngedicht“. Ziel ist es, durch eine detaillierte literaturtheoretische und linguistische Analyse aufzuzeigen, wie Ironie als Stilmittel und Strukturmerkmal zur kritischen Auseinandersetzung mit zeitgenössischen gesellschaftspolitischen Diskursen des 19. Jahrhunderts – insbesondere dem Geschlechterverhältnis und Fragen der Kultur – eingesetzt wird.
Die Eröffnung des ironischen Spielraums: Stilironie im Eingangssatz
Durch Gerhard Kaiser sind wir bereits auf die Ironie der Eingangspassage aufmerksam geworden; Sie soll nun einer differenzierten Untersuchung unterzogen werden.
Unter Bezug auf die Naturwissenschaften erfolgt im ersten Satz eine relativ genaue Angabe, in welchem historischen Zeitraum die Handlung anzusiedeln ist. Der sog. ironische Spielraum eröffne sich laut Allemann bereits in den ersten Sätzen eines literarischen Textes, wie dies in Kapitel 3.2.2 bereits erörtert wurde. Das „Sinngedicht“ wird mit der Beschreibung der Ausgangssituation des Naturwissenschaftlers Reinhart eingeleitet, der sich mit Experimenten auf dem Gebiet der Optik beschäftigt:
Vor etwa fünfundzwanzig Jahren, als die Naturwissenschaften eben wieder auf einem höchsten Gipfel standen, obgleich das Gesetz der natürlichen Zuchtwahl noch nicht bekannt war, öffnete Herr Reinhart eines Tages seine Fensterläden und ließ den Morgenglanz, der hinter den Bergen hervorkam, in sein Arbeitsgemach, und mit dem Frühgolde wehte eine frische Sommermorgenluft daher und bewegte kräftig die schweren Vorhänge und die schattigen Haare des Mannes.
1. Einleitung: Einführung in die literaturgeschichtliche Bedeutung Gottfried Kellers und die Zielsetzung der Arbeit, die Ironie im „Sinngedicht“ historisch und poetologisch zu verorten.
2. Ausgangslage, Untersuchungsgang und Methode: Überblick über den Forschungsstand und Erläuterung des hermeneutischen Verfahrens sowie der literaturwissenschaftlichen Kriterien für die Ironieanalyse.
3. Verortung des Phänomens der Ironie: Umfassende theoretische Grundlegung durch Abgrenzung der Ironie von benachbarten Begriffen wie Lüge, Sarkasmus und Humor sowie Darstellung linguistischer und literarischer Erklärungsmodelle.
4. Die Ironie in Gottfried Kellers „Sinngedicht“: Zentrale Werkanalyse, die die im Theorie-Teil erarbeiteten Modelle auf die Figuren, die Struktur und die thematischen Diskurse des Novellenzyklus anwendet.
5. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die das Wechselspiel von ironischer Erzählhaltung und der Entwicklung des Protagonisten Reinhart resümiert.
Gottfried Keller, Das Sinngedicht, literarische Ironie, bürgerlicher Realismus, Geschlechterdiskurs, Kulturkritik, Poetologie, Humor, Pretense Theory, narrative Ironie, Textanalyse, 19. Jahrhundert, Sonderling, intertextuelle Bezüge.
Die Arbeit analysiert die Ironie als zentrales, aber oft subtiles Stil- und Strukturmerkmal in Gottfried Kellers „Sinngedicht“, um die zugrunde liegenden gesellschaftskritischen und poetologischen Ebenen des Werkes aufzudecken.
Die Untersuchung konzentriert sich primär auf den Geschlechterdiskurs, die Kulturkritik sowie das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne im 19. Jahrhundert.
Ziel ist es, das „Sinngedicht“ über die bisherige Einordnung als „bürgerlicher Humor“ hinaus als ein Werk zu begreifen, das durch Ironie komplexe gesellschaftliche Widersprüche reflektiert und kommentiert.
Die Arbeit kombiniert hermeneutische Literaturanalyse mit linguistisch-pragmatischen Ironietheorien (wie der Pretense Theory oder der Allusional Pretense Theory), um ein integratives Analysemodell zu schaffen.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Novellen, der erzählerischen Rahmenstruktur, dem Auftreten von Typen wie dem „Sonderling“ und der kritischen Beleuchtung der Naturwissenschaften im Werk.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ironie, Gottfried Keller, Realismus, Genderdiskurs, Kulturkritik und Poetologie beschreiben.
Der Sonderling fungiert als Typus, an dem Keller gesellschaftliche Normverstöße auf ironische Weise sichtbar macht, wobei sich die Kritik oft durch eine Distanz zwischen Erzähler und Figur manifestiert.
Der Eingangssatz etabliert durch ein Oxymoron ironisch-kritische Distanz zur zeitgenössischen Wissenschaftseuphorie und setzt den ironischen Grundton für den gesamten Zyklus.
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