Doktorarbeit / Dissertation, 2008
202 Seiten, Note: 3,0
0. Einleitung
1. Stereotypisierende Indianerbilder in der nordamerikanischen Literatur
1.1 Das Indianerbild der Puritaner
1.1.1 Der „teuflische Wilde“ der Captivity narrative
Exkurs: Der Begriff des Stereotyps und die religiöse Typologie der Puritaner
1.1.2 Revision der Erfahrung mit den Indianern und erste ethnologische Ansätze
1.2 Der „edle Wilde“ in der europäischen Tradition des Fremden
1.3 Der „edle Wilde“ der Amerikaner und andere amerikanisch-indianische Stereotypen
1.3.1 The vanishing American
1.3.2 Der „gute“ Indianer
1.3.3 Der blutrünstige und der degenerierte Indianer
2. Coopers problembewusste Indianer-Bearbeitung
2.1 Coopers Informationsquellen
2.2 Festschreibung und Verarbeitung der Quellen
2.2.1 Captivity narratives und melodramatische Erlebnismuster
2.2.2 Die Herrnhuter Indianermission
2.2.3 Der Missionar Heckewelder
3. Indianer-Typen in The Last of the Mohicans
3.1 Stereotype Charakterisierung des indianischen Wesens
3.1.1 „Typische“ Indianer und die „guten“ Delawaren
3.1.2 Die „bösen“ Huronen
3.2 Naturgebundenheit und Statik als Merkmale der indianischen Zivilisation
4. Magua: Der „teuflische Wilde“ mit komplexem Charakter
4.1 Äußere Erscheinung und Verhalten
4.2 Negative Charakterentwicklung und Widerspruch zur angloamerikanischen Zivilisation
5. Uncas: Der zivilisationswillige „edle Wilde“
5.1 Äußere Erscheinung und Verhalten
5.2 Positiver Entwicklungsprozess und Affiliation mit der angloamerikanischen Zivilisation
5.3 Uncas – Magua: Ein Antagonistenpaar mit Analogien
6. Chingachgook: Der unzivilisierbare „edle Wilde“
6.1 Ambivalentes Wesen des nicht zivilisierbaren „guten“ Indianers
6.2 Vom „guten“ zum degenerierten Indianer
7. Scalping Peter: Vom gefährlichen zum degenerierten Indianer
7.1 Ursprüngliche Gefährlichkeit und mangelnde Einsicht
7.2 Von der plötzlichen Konversion zum Relikt der Vergangenheit
8. Conanchet: Der akkulturierte „gute“ Indianer
8.1 Von der Gefangenschaft zur ansatzweisen Assimilation
8.2 Der Tod als endgültige Rückkehr zur indianischen Zivilisation
9. Resümee
Die Dissertation untersucht die stereotypisierende Darstellung und die Modifizierung von Indianerfiguren im Werk von James Fenimore Cooper, wobei die Forschungsfrage der Differenz zwischen zeitgenössischen Stereotypen und individualisierten indianischen Protagonisten nachgeht.
3.1.1 „Typische“ Indianer und die „guten“ Delawaren
(…) all fictive Indians are fine physical specimens, proficient in wilderness skills, stoical, and given to figurative speech.246
Auch bei Cooper erscheint der Indianer, wie generell in der frühen amerikanischen Nationalliteratur, als eine in ihren wesentlichen Zügen stereotypisierte Gestalt. Hierbei variieren äußeres Erscheinungsbild, Sprache und Verhaltensweisen nur unwesentlich, so dass seine Indianergestalten keine unverwechselbaren Individuen darstellen. Vielmehr exemplifiziert sich insbesondere in The Last of the Mohicans am Kontrast zwischen den edlen Delawaren und den barbarischen Irokesen eine Zweiseitigkeit von Coopers Indianerbild.247 Hierbei wird zu zeigen sein, dass Coopers Darstellung der „guten“ Mohikaner und der „schlechten“ Huronen im Wesentlichen einen Ausdruck verschiedener historischer Stadien des Verschwindens der Indianer bedeutet. Während die Huronen generell als degenerierendes Volk erscheinen, stellen die Delawaren den Höhepunkt der Entwicklung ihrer Rasse dar.
0. Einleitung: Die Einleitung führt in Coopers Rolle als amerikanischer Mythopoet ein und umreißt die Ambivalenz seiner Indianerfiguren sowie deren Bedeutung für das amerikanische Selbstverständnis.
1. Stereotypisierende Indianerbilder in der nordamerikanischen Literatur: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des stereotypisierenden Indianerbildes, von den puritanischen "teuflischen Wilden" bis hin zum europäischen Konzept des "edlen Wilden".
2. Coopers problembewusste Indianer-Bearbeitung: Hier werden Coopers Quellen, insbesondere Reiseberichte und Missionarsaufzeichnungen wie die von John Heckewelder, auf ihre Authentizität und ihre Rolle in der literarischen Konstruktion untersucht.
3. Indianer-Typen in The Last of the Mohicans: Das Kapitel analysiert die starre Typisierung der Indianer in diesem Roman, wobei der Gegensatz zwischen Delawaren und Irokesen als Ausdruck einer statischen, naturgebundenen Zivilisation herausgearbeitet wird.
4. Magua: Der „teuflische Wilde“ mit komplexem Charakter: Diese Analyse widmet sich der Figur des Magua und zeigt auf, wie Cooper trotz der Anlage als "böser" Indianer eine komplexe, demagogische Persönlichkeit schafft.
5. Uncas: Der zivilisationswillige „edle Wilde“: Dieses Kapitel betrachtet Uncas als Gegenentwurf, der einerseits das Ideal des "edlen Wilden" verkörpert und andererseits den Versuch einer kulturellen Annäherung andeutet.
6. Chingachgook: Der unzivilisierbare „edle Wilde“: Es wird die Ambivalenz von Chingachgook untersucht, der zwischen seiner Rolle als edler Krieger der Vergangenheit und verfallender Gegenwartsfigur oszilliert.
7. Scalping Peter: Vom gefährlichen zum degenerierten Indianer: Die Analyse von Scalping Peter verdeutlicht die radikale Aufgabe der indianischen Identität durch Konversion und das tragische Scheitern dieser Assimilation.
8. Conanchet: Der akkulturierte „gute“ Indianer: Dieses Kapitel thematisiert Conanchet als Figur, die am weitesten in die angloamerikanische Zivilisation assimiliert wurde, jedoch letztlich ebenfalls an deren Unvereinbarkeit scheitert.
9. Resümee: Das abschließende Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Cooper zwar Stereotype nutzt, diese aber gleichzeitig problematisiert und eine sozialkritische Dimension seiner Zeit widerspiegelt.
James Fenimore Cooper, Indianerdarstellung, Stereotype, Noble Savage, Puritaner, Captivity Narratives, Assimilation, Akkulturation, The Last of the Mohicans, The Pioneers, American Frontier, Literaturwissenschaft, Amerikanische Nationalliteratur, Identität, Zivilisationskritik.
Die Dissertation untersucht, wie James Fenimore Cooper in seinen Indianerromanen bestehende rassistische und literarische Stereotype seiner Zeit über nordamerikanische Ureinwohner aufgreift, nutzt und gleichzeitig durch die Individualisierung seiner Figuren problematisiert.
Zentrale Themen sind die literarische Konstruktion des Fremden, die Einflüsse historischer Quellen auf Coopers Werk, das Spannungsfeld zwischen den Idealtypen "edler" und "teuflischer" Wilder sowie die Darstellung von Akkulturations- und Assimilationsprozessen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Coopers Indianerdarstellung über eine bloße Schwarz-Weiß-Malerei hinausgeht und eine Zerrissenheit sowie Widersprüche widerspiegelt, die eine kritische Auseinandersetzung mit dem Fortschrittsmythos der weißen amerikanischen Zivilisation erlauben.
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Quellenanalyse, die Coopers Texte mit historischen Reiseberichten, captivity narratives und missionarischen Dokumenten (z.B. von John Heckewelder) vergleicht und in den Kontext der zeitgenössischen Ideengeschichte stellt.
Der Hauptteil analysiert die wichtigsten Indianergestalten (Magua, Uncas, Chingachgook, Scalping Peter, Conanchet) und untersucht an ihnen jeweils die spezifische Ausprägung oder Modifizierung der bekannten Stereotype und ihre Funktion im jeweiligen Roman.
Neben dem Autor und seinem Werk sind die zentralen Begriffe: "Noble Savage", "Stereotyp", "Indianerdarstellung", "Akkulturation", "Assimilation", "American Frontier" und "Zivilisationskritik".
Uncas zeichnet sich durch eine hohe Sensibilität, Tapferkeit und eine moralische Überlegenheit aus, die ihn von anderen Indianerfiguren abheben. Seine Annäherung an "weiße" Werte und seine Solidarität mit weißen Protagonisten machen ihn zum Hoffnungsträger für eine mögliche, wenn auch letztlich zum Scheitern verurteilte Verbindung der Kulturen.
Obwohl Magua primär als Schurke und "teuflischer Wilder" gezeichnet ist, verleiht Cooper ihm durch seine rhetorische Brillanz und politische Intelligenz eine Komplexität, die ihn zum Demagogen macht. Er wird nicht nur als tierisches Wesen, sondern als bewusster Akteur und Gegenspieler konstruiert, dessen Bosheit zudem als Reaktion auf das ihm von Weißen zugefügte Unrecht verstehbar wird.
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