Bachelorarbeit, 2013
42 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Struktur der Familie
3. Religion
4. Tugend und Moral
5. Miss Sara Sampson
5.1 Sir William Sampson
5.2 Sara Sampson
5.3 Vater-Tochter-Beziehung
5.4 Symbole
5.4.1 Traum
5.4.2 Abgrund
5.4.3 Dolch
5.5 Resümee Miss Sara Sampson
6. Emilia Galotti
6.1 Odoardo Galotti
6.2 Emilia Galotti
6.3 Vater-Tochter-Beziehung
6.4 Symbole
6.4.1 Traum
6.4.2 Rose
6.4.3 Perlen
6.4.4 Die Zahl ‚drei’
6.4.5 Dolch
6.5 Resümee Emilia Galotti
7. Schlussbemerkung
Die Arbeit untersucht die Hintergründe und Ursachen des Todes der Protagonistinnen in Gotthold Ephraim Lessings Trauerspielen "Miss Sara Sampson" und "Emilia Galotti" mit einem besonderen Fokus auf die Vater-Tochter-Beziehung und die zeitgenössischen Vorstellungen von Tugend und Moral.
5.1 Sir William Sampson
Sir William eröffnet mit der entsetzten Frage „Hier meine Tochter? Hier in diesem elenden Wirtshause?“ (I, 1, 5) und bricht sogleich in Tränen aus. Den tröstenden Worten seines Dieners Waitwell vermag er kein Gehör zu schenken, verlangt gar von diesem, er möge ihn wegen seiner Zärtlichkeit tadeln (I, 1, 6). Bereits hier wird deutlich, dass mit Sir William zwischenzeitlich eine Veränderung vorgegangen sein muss. Er wird sich im Vorfeld als patriarchalisch-autoritärer Vater gezeigt haben, was er inzwischen aber bedauert, wie die Worte Waitwells Sara gegenüber deutlich machen: „Und vielleicht ein aufrichtiges Betauern, dass er die Rechte der väterlichen Gewalt gegen ein Kind brauchen wollen, für welches nur die Vorrechte der väterlichen Huld sind.“ (III, 3, 48).
Er hat sich besonnen und ist seiner Tochter gefolgt, die ihn heimlich mit ihrem Verführer verlassen hat. Indes ist seine Vergebung in erster Linie zunächst egoistisch geprägt, was er deutlich artikuliert, wenn er von ihr als der „Stütze“ seines Alters spricht (I, 1, 6). Zwar ist sie, indem sie sich ihrer Liebe zu Mellefont hingegeben hat, nach ihrem eigenen Verständnis zur Verbrecherin geworden (III, 3, 47), aber einzig ihrer Liebe sich gewiss sein zu können, ist für ihn von Bedeutung. Dabei lässt er außer Acht, dass Sara gesellschaftlich zu einem lasterhaften und ‚gefallenen Mädchen’ geworden ist. Er will nur geliebt werden (I, 1, 6).
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Lessings Dramen für die Aufklärung heraus und definiert den Fokus auf die problematische Vater-Tochter-Beziehung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Strukturen.
2. Die Struktur der Familie: Dieses Kapitel analysiert das Erziehungsideal und das Machtgefüge der bürgerlichen Familie, in dem der Vater eine zentrale, patriarchalische Rolle einnimmt.
3. Religion: Hier wird Lessings Position zur religiösen Aufklärung und seine Kritik an dogmatischen Glaubensvorstellungen als zentraler Bestandteil seiner Weltanschauung erläutert.
4. Tugend und Moral: Das Kapitel untersucht die Entwicklung des Tugendbegriffs im 18. Jahrhundert von einer allgemein bürgerlichen Eigenschaft hin zu einem stark weiblich kodierten Keuschheitsideal.
5. Miss Sara Sampson: Eine detaillierte Analyse der Figuren, Symbole und der spezifisch empfindsamen Vater-Tochter-Beziehung in Lessings erstem bürgerlichen Trauerspiel.
6. Emilia Galotti: Dieses Kapitel befasst sich mit der Entstehung, den Figurenkonstellationen und der Symbolik des Trauerspiels, wobei besonders Odoardos Rolle als Vater hervorgehoben wird.
7. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass Lessing durch die Darstellung der weiblichen Protagonistinnen eine Kritik an patriarchalen Strukturen und veralteten religiösen Autoritäten übt.
Lessing, Miss Sara Sampson, Emilia Galotti, Vater-Tochter-Beziehung, Aufklärung, Tugend, Moral, Empfindsamkeit, Patriarchat, Religion, Schuld, Symbolik, Freiheit, Geschlechterrollen, Selbsterkenntnis.
Die Bachelorarbeit befasst sich mit der Darstellung von Väterlichkeit und den moralischen Erwartungen an Töchter in den Dramen "Miss Sara Sampson" und "Emilia Galotti" von Gotthold Ephraim Lessing.
Zentral sind die Untersuchung familiärer Strukturen, der Einfluss des christlichen Glaubens und der bürgerlichen Moral auf das Individuum sowie die literarische Verwendung von Symbolen.
Das Ziel ist es, die Hintergründe der dramatischen Tode der beiden Hauptfiguren Sara und Emilia aus psychologischer und gesellschaftshistorischer Sicht zu erklären.
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse der Primärtexte unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zu Lessing, zeitgenössischer Moralvorstellungen und psychoanalytischen Deutungsansätzen.
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Einzelanalyse der Väter, der Töchter, der Vater-Tochter-Beziehungen und der verwendeten Symbole in beiden Trauerspielen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Aufklärung", "Tugendbegriff", "Patriarchat", "Empfindsamkeit" und "Leib-Seele-Dualität" charakterisieren.
Die Arbeit argumentiert, dass religiöse Dogmen das Leben der Figuren maßgeblich bestimmten und Lessing durch die Thematisierung des "strafenden Gottes" diese Ideologien kritisch hinterfragen wollte.
Der Dolch wird als phallisches Symbol und als Werkzeug männlicher Machtausübung gedeutet, das sowohl als Mittel zur Unterdrückung als auch zur finalen, gewaltsamen Kontrolle über die weibliche Identität fungiert.
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