Bachelorarbeit, 2010
49 Seiten, Note: sehr gut
Einleitung
1. Märchen als literarische Gattung
1.1. Historische Entwicklung
1.2. Formale und sprachliche Merkmale des Märchen
2. Translationswissenschaftliche Aspekte
2.1. Translationswissenschaft und literarische Übersetzung
2.1. Der Göttinger Sonderforschungsbereich „Die Literarische Übersetzung“
3. Die Contes von Charles Perrault
3.1. Entstehungsgeschichte
3.2. Die Contes von Charles Perrault im Vergleich zu den Märchen der Gebrüder Grimm
3.3. Le Petit Chaperon rouge
3.4. Cendrillon ou La petite pantoufle de verre
4. Die Übersetzungen von Friedrich Justin Bertuch, Walter Scherf und Doris Distelmaier-Haas im Vergleich
4.1. Vergleich der Übersetzungen auf dem Hintergrund ihrer Entstehungsgeschichte
4.2. Vergleich der Übersetzungen auf sprachlicher Ebene
4.2.1. Le Petit Chaperon rouge
4.2.2. Cendrillon ou La petite pantoufle de verre
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen und übersetzungswissenschaftlichen Aspekte der "Contes" von Charles Perrault. Dabei wird analysiert, wie sich verschiedene Übersetzungen über Epochen hinweg auf den deutschen Sprachraum ausgewirkt haben, mit besonderem Fokus auf der Berücksichtigung von Originalton, Zielpublikum und dem kulturellen Kontext.
3.3. Le Petit Chaperon rouge
Le Petit Chaperon rouge ist wohl das bekannteste Märchen von Charles Perrault. Ein kleines Mädchen, das von allen geliebt wird, bekommt von seiner Mutter den Auftrag, die kranke Großmutter zu besuchen und ihr Kuchen zu bringen. Auf dem Weg begegnet ihr der Wolf. Nichts ahnend, dass dieser sie fressen will, sagt sie ihm bereitwillig, wo ihre Großmutter wohnt, und dass sie auf dem Weg dorthin ist. Der Wolf gibt vor, auch die Großmutter besuchen zu wollen. Er nimmt den kurzen Weg dorthin, während Rotkäppchen sich auf dem langen Weg Zeit lässt und zwischendurch noch Blumen pflückt. Am Haus der Großmutter angekommen, gibt sich der Wolf als Rotkäppchen aus, sodass ihn die Großmutter einlässt. Dieser frisst die Großmutter sogleich auf. Als dann das Rotkäppchen am Hause ankommt, hat sich der Wolf als Großmutter verkleidet und liegt im Bett. Er lässt das Rotkäppchen zu sich ins Bett kommen und frisst es auf.
Anders als in der Grimmschen Fassung errettet niemand die Großmutter und das Rotkäppchen aus dem Bauch des Wolfes. Allerdings schließt Perrault eine Moral an diese Geschichte an, in der er den Wolf als potenziellen Verführer von jungen Mädchen hinstellt. So entschärft er das grausame Ende, indem er einerseits den Akt des Auffressens als Symbol für die sexuelle Verführung hinstellt, und andererseits indem er in einem etwas ironischen Ton auf die Sitten seiner Zeit hinweist.
Einleitung: Einführung in das Thema der Märchenüberlieferung und Zielsetzung der Untersuchung der französischen "Contes" im deutschen Sprachraum.
1. Märchen als literarische Gattung: Historische Entwicklung des Märchens und Abgrenzung von Volksmärchen zu Kunstmärchen.
2. Translationswissenschaftliche Aspekte: Theoretischer Rahmen zur literarischen Übersetzung mit Fokus auf den Göttinger Sonderforschungsbereich.
3. Die Contes von Charles Perrault: Analyse der Entstehungsgeschichte, des Vergleichs mit den Gebrüdern Grimm und Detailbetrachtung der zwei zentralen Märchen.
4. Die Übersetzungen von Friedrich Justin Bertuch, Walter Scherf und Doris Distelmaier-Haas im Vergleich: Empirischer Vergleich der drei Übersetzer hinsichtlich Entstehungshintergrund und sprachlicher Umsetzung.
Charles Perrault, Märchen, literarische Übersetzung, Translationswissenschaft, Friedrich Justin Bertuch, Walter Scherf, Doris Distelmaier-Haas, Volksmärchen, Rezeption, Kulturgeschichte, Le Petit Chaperon rouge, Cendrillon, Moralité, Gebrüder Grimm, Übersetzungskritik
Die Arbeit untersucht, wie die Märchen von Charles Perrault ("Contes") in den deutschen Sprachraum übersetzt und rezipiert wurden, wobei der Wandel der Übersetzungsstrategien über verschiedene Jahrhunderte beleuchtet wird.
Die Schwerpunkte liegen auf der literarischen Märchenforschung, der Geschichte der literarischen Übersetzung und dem Vergleich spezifischer deutscher Übersetzungen vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Entstehungszeit.
Ziel ist es, den Einfluss von Epoche und Intention der Übersetzer auf die Wiedergabe der Perraultschen Erzählungen sowie deren unterschiedliche Wirkung auf erwachsene versus kindliche Leserschaften aufzuzeigen.
Die Autorin stützt sich auf die Ansätze der translationswissenschaftlichen Forschung, insbesondere den historisch-deskriptiven Ansatz des "Göttinger Sonderforschungsbereichs", um Übersetzungsnormen und -differenzen zu analysieren.
Der Hauptteil widmet sich einer detaillierten Analyse der Übersetzungen von Bertuch, Scherf und Distelmaier-Haas anhand der zwei exemplarischen Märchen "Le Petit Chaperon rouge" und "Cendrillon".
Wichtige Begriffe sind Übersetzungstradition, literarische Adaptation, kulturelles Kolorit, Märchenstil und der Vergleich zwischen Ausgangs- und Zieltexten.
Die Arbeit betont, dass Perraults Moralités seine Märchen in einen realen, gesellschaftlichen Kontext stellen, was in vielen Übersetzungen jedoch vernachlässigt wurde.
Scherf tendiert in seiner Übersetzung deutlich stärker zu einer Ausrichtung auf ein kindliches Lesepublikum, wobei er durch Einschübe und eine bildhaftere Sprache eine höhere Emotionalisierung erzielt.
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