Masterarbeit, 2014
100 Seiten, Note: 1,8
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
1. Einleitung
2. Die Gesellschaft Englands zu Beginn des 19. Jahrhunderts
2.1 Struktur der Gesellschaft
2.2 Auswirkungen der industriellen Revolution
3. Kindheit, Jugend und Lehrzeit der labouring poor
4. William Lovett und wesentliche Strukturen, Ereignisse und Entwicklungen der Frühphase der britischen Arbeiterbewegung
4.1 Politisierung der Arbeiterschaft und Entstehung von Klassenbewusstsein – Lovetts politisches Erwachen
4.2 Genossenschaften und Gewerkschaften – Lovetts Prägung durch Owen
4.2.1 Sozialismus als Gegenmodell zum Kapitalismus
4.2.2 Owens Anstoß für eine Einheitsgewerkschaft
4.3 The Great Reform Bill − Arbeiterklasse und Mittelklasse gemeinsam für politische Beteiligung – Opposition der Londoner Arbeiterintelligenz
4.4 Der Chartismus − der zweite Versuch der Arbeiterschaft, politische Beteiligung zu erhalten
4.4.1 Entstehung − Die London Working Men’s Association (LWMA) dominiert
4.4.1.1 Gründung der LWMA und Entwurf der People’s Charter
4.4.1.2 Entwicklung des Chartismus zur Massenbewegung
4.4.1.3 Die Strategiefrage – physical force vs. moral force
4.4.2 Erste Petition und Konvent – Euphorie und Ernüchterung
4.4.2.1 Der erste Chartistenkonvent in London und Birmingham – Streitpunkt ulterior measures
4.4.2.2 Niederlage im Parlament – Kollaps des Konvents,Konspiration und Gewalt
4.4.3 Die National Charter Association (NCA) und die zweite Petition − O’Connor übernimmt die Führung
4.4.3.1 O’Connor, die NCA und Lovetts Gegenentwurf
4.4.3.2 Erneuter Versuch mit der Mittelklasse – Lovett und die Complete Suffrage Union (CSU)
4.4.3.3 Ablehnung der zweiten Petition und plug plot riots
4.4.4 Das endgültige Scheitern der Petitionen für die People’s Charter – Ende des Chartismus
4.4.4.1 Belebung durch O’Connors Bodenprogramm und letztes Aufbäumen durch die kontinentalen Revolutionen von 1848 − Lovetts People’s League
4.4.4.2 Dritter Fehlschlag und Versuche, den Niedergang aufzuhalten
5. Lovetts Rolle im historischen Kontext
6. Fazit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Frühphase der britischen Arbeiterbewegung (1820–1850), indem sie wesentliche historische Strukturen und Entwicklungen am Lebenslauf und Wirken von William Lovett spiegelt. Ziel ist es, das Ringen um politische Teilhabe zu analysieren und zu bewerten, inwiefern Lovetts Wirken beispielhaft für die gesamte Bewegung steht.
4.1 Politisierung der Arbeiterschaft und die Entstehung von Klassenbewusstsein – Lovetts politisches Erwachen
Im 18. Jahrhundert war England eine „aristocracy tempered by riots“45. Volkstumulte (riots) gab es z.B. gegen Lebensmittelpreise (Weizen, Brot), gegen Gebühren zur Straßennutzung, Einhegungen, gewaltsames Rekrutieren von Matrosen (pressing), bei Konflikten um Lohn, auch bei Wahlen (angestiftet, um bestimmte Wähler abzuhalten) und wenn die Bevölkerung sich provoziert fühlte.46 Riots waren meistens gezielt geplant und verliefen organisiert. Die Unterschicht war vom politischen Prozess ausgeschlossen, konnte aber so den Herrschenden (lokal und auch landesweit) vor Augen führen, dass sie zu weit gegangen waren, dass ein Umstand oder Verhalten nicht mehr als hinnehmbar angesehen wurde und dass Abhilfe notwendig war. Dies wurde als Warnsignal, Unmutsventil und Meinungsumfrage gleichermaßen angesehen, nicht als Angriff auf das bestehende System. Die Oberschicht erhielt die Möglichkeit zu reagieren.
Aus den Gilden des Mittelalters hatten sich schon früh gewerkschaftsähnliche Zusammenschlüsse gebildet, Unternehmer beklagten sich bereits im frühen 18. Jahrhundert im Parlament über bargaining by riot.47 Zum Ende des 18. Jahrhunderts begannen die revolutionären Ideen vom Kontinent in England zu wirken. Linke Ideen (Jacobinismus) breiteten sich in Mittel− und Unterschicht aus. Die herrschenden Klassen versuchten, revolutionäre Ideen der radicals im Keim zu ersticken. Ihre Abwehrhaltung gegenüber den Aktivitäten der Arbeiterschaft verstärkten sich, seien es Bildung, Freizeit, Gewerkschaften, Vereine u.a. .48 Die Arbeiter kämpften, wenn sie kämpften, um Löhne und Arbeitsbedingungen. Dabei war der Rahmen für formelle oder informelle Vereine der Arbeiter eng gesetzt. So hatten die Combination Acts von 1799 und 1800 Gewerkschaften (und politische Vereinigungen) verboten und Zuwiderhandelnde zu Kriminellen gemacht.
The laws, as finally amended, sentenced to three months in jail or to two months’ hard labour any workingman who combined with another to gain an increase in wages or a decrease in hours or who solicited anyone else to leave work or objected to working with any other workman.49
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Frühphase der britischen Arbeiterbewegung und die zentrale Bedeutung von William Lovetts Autobiographie als Zeitzeugnis.
2. Die Gesellschaft Englands zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Analyse der sozialen Struktur zwischen Adel und Arbeiterschaft sowie der tiefgreifenden sozialen Auswirkungen der industriellen Revolution.
3. Kindheit, Jugend und Lehrzeit der labouring poor: Betrachtung der harten Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kindern der Unterschicht und die Bedeutung handwerklicher Ausbildung.
4. William Lovett und wesentliche Strukturen, Ereignisse und Entwicklungen der Frühphase der britischen Arbeiterbewegung: Detaillierte Untersuchung des politischen Erwachens der Arbeiterschaft, der Rolle von Owen, der Reformbewegung und umfassende Behandlung des Chartismus.
5. Lovetts Rolle im historischen Kontext: Historische Einordnung und Bewertung von Lovett durch verschiedene Biographen und Historiker sowie seine Bedeutung als Reformer.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der wissenschaftlichen Arbeit und Bestätigung des Sinnbildcharakters von Lovetts Leben für das Ringen der Arbeiterklasse um politische Teilhabe.
William Lovett, britische Arbeiterbewegung, Chartismus, People's Charter, Industrielle Revolution, Arbeiterklasse, moral force, physical force, politische Teilhabe, Klassenbewusstsein, Gewerkschaften, Robert Owen, soziale Reformen, 19. Jahrhundert, radikale Politik.
Die Arbeit analysiert die Frühphase der britischen Arbeiterbewegung zwischen 1820 und 1850 und nutzt das Leben von William Lovett als Fallbeispiel, um die sozialen und politischen Entwicklungen dieser Zeit zu spiegeln.
Zentral sind der Industrialisierungsprozess in England, die Entstehung eines Klassenbewusstseins in der Arbeiterschaft, die Rolle von Bildungsbewegungen und das politische Streben nach Wahlrechtsreformen.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie die Arbeiterschaft versuchte, politische Teilhabe zu erlangen, und dabei die Bedeutung von Lovetts Handeln und seiner Strategie der "moral force" im Kontext des Chartismus zu bewerten.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine historiographische Analyse, die Lovetts Autobiographie kritisch mit zeitgenössischen Dokumenten, Pressequellen und einer breiten Sekundärliteratur vergleicht.
Der Hauptteil befasst sich mit der sozialen Lage Englands, Lovetts politischem Erwachen, dem Einfluss von Robert Owens Ideen sowie einer tiefgehenden Untersuchung des Chartismus, der Petitionen und des Scheiterns der Bewegung.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Chartismus, People's Charter, Arbeiterbewegung, politische Teilhabe und industrielle Revolution charakterisiert.
Für Lovett war der Chartismus der zentrale organisatorische Rahmen, um die Forderungen der Arbeiterschaft nach politischen Rechten, insbesondere das allgemeine Wahlrecht, in eine strukturierte, gesetzeskonforme und demokratische Form zu gießen.
Lovett setzte konsequent auf "moral force", also auf Bildung, Erziehung und Gewaltfreiheit, während O'Connor als Wortführer der "physical force" eher zu Protest, Massendemonstrationen und impliziter Gewaltbereitschaft neigte.
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