Magisterarbeit, 2002
180 Seiten, Note: 1,0 (mit Auszeichnung)
1. Die Lehre von den Fundamentalkategorien und die Grundlegung einer triadischen Semiotik
1.1. Der erkenntnistheoretische Hintergrund: Sinnkritischer Realismus und die semiotische Transformation Kants
1.1.1. Grundgedanke und Grenzen von Kants Kritik der reinen Vernunft
1.1.2. Sinnkritischer Realismus: Peirces reflexive Begründungsstrategien und seine Kritik an unerkennbaren ›Dingen an sich‹
1.1.3. Semiotische Transformation Kants: Die Binnenlogik von Peirces früher Kategorienlehre in der New List
1.2. Die phänomenologische Begründung der Kategorienlehre
1.2.1. Die Kategorie ›Erstheit‹ (I)
1.2.2. Die Kategorie ›Zweitheit‹ (II)
1.2.3. Die Kategorie ›Drittheit‹ (III)
1.2.4. Kategorialer Irreduzibilitätsbeweis: Die Universalität der Kategorien
1.3. Das Programm einer triadischen Semiotik
1.3.1. Der Zeichenbezug des Zeichens (I)
1.3.2. Der Objektbezug des Zeichens (II)
1.3.3. Der Interpretantenbezug des Zeichens (III)
1.3.4. Semiotischer Irreduzibilitätsbeweis: Die Semiose als triadische Relation
2. Über einige illegitime Reduktionen der triadischen Zeichenrelation
2.1. Die Verabsolutierung der Kategorie ›Erstheit‹ in der Phänomenologie
2.1.1. Momente der Erstheit in Husserls phänomenologischer Philosophie
2.1.2. Das Problem des phänomenologischen Reduktionismus’: Methodischer Solipsismus und Bewusstseins-Idealismus
2.2. Die Verabsolutierung der Kategorie ›Zweitheit‹ im Materialismus
2.2.1. Momente der Zweitheit in Informationismus und Behaviorismus
2.2.2. Das Problem des materialistischen Reduktionismus’: Methodischer Solipsismus und Objektivismus
2.3. Die Verabsolutierung der Kategorie ›Drittheit‹ im Dekonstruktivismus
2.3.1. Momente der Drittheit in Derridas Theorie der Abdrift
2.3.2. Das Problem des dekonstuktivistischen Reduktionismus’: Semiotizismus und die Grenzen der Interpretation
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Peircesche Semiotik und ihren zentralen Gedanken einer irreduziblen triadischen Zeichenrelation für die gegenwärtige philosophische und semiotische Diskussion nutzbar zu machen, indem verschiedene, als defizitär eingestufte theoretische Ansätze einer kritischen Prüfung unterzogen werden.
Die Kategorie ›Erstheit‹ (I)
Bei einer genaueren Analyse der Kategorie ›Erstheit‹ wird sehr bald deutlich werden, dass dieser erste Pol der peirceschen Trias mit strukturell ähnlichen Problemen behaftet ist, wie sie sich bei der Untersuchung der Methode der phänomenologischen Kategorienlehre ergeben haben. Wie bereits ausgeführt, lehnt Peirce sich bei der Formulierung und Explizierung der Erstheit sehr stark an Hegel an. Den Zustand des Bewusstseins, der in der phänomenologischen Kategorienlehre auch als „Zustand des Künstlers“ veranschaulicht wird, charakterisiert Peirce folgendermaßen:
„Man stelle sich bitte ein Bewußtsein vor, in dem es keinerlei Vergleichung gibt, keine Relation, keinerlei erkannte Vielfältigkeit (da die Teile anders als das Ganze sein würden), keinen Wechsel, keine Vorstellung von irgendeiner Modifikation dessen, was positiv gegenwärtig ist, keine Reflexion – nichts als eine einfache positive Beschaffenheit“.
1. Die Lehre von den Fundamentalkategorien und die Grundlegung einer triadischen Semiotik: In diesem Kapitel wird die theoretische Basis von Peirces Kategorienlehre erarbeitet und deren Rolle bei der Begründung einer triadischen Semiotik aufgezeigt.
2. Über einige illegitime Reduktionen der triadischen Zeichenrelation: Dieser Teil analysiert verschiedene philosophische Ansätze, die die triadische Struktur unterlaufen, und wendet die Erkenntnisse des ersten Teils kritisch auf diese Positionen an.
Charles Sanders Peirce, Semiotik, Triadische Zeichenrelation, Erstheit, Zweitheit, Drittheit, Phänomenologie, Edmund Husserl, Behaviorismus, Dekonstruktivismus, Jacques Derrida, Erkenntnistheorie, Reduktionismus, Intentionalität, Repräsentation.
Die Arbeit befasst sich mit der Philosophie und Semiotik von Charles Sanders Peirce, insbesondere mit seinem Konzept der triadischen Zeichenrelation.
Die zentralen Themen sind die Kategorienlehre von Peirce, die Irreduzibilität triadischer Relationen sowie die Kritik an philosophischen Strömungen, die diese Triade vereinfachen.
Ziel ist es, die irreduzible triadische Struktur der Zeichenrelation als Instrument für eine kritische Analyse aktueller theoretischer Konzeptionen in Philosophie und Semiotik zu etablieren.
Die Arbeit folgt einer systematischen, grundlagentheoretischen Rekonstruktion und einer idealtypischen kritischen Analyse der genannten Positionen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung der Kategorienlehre und eine kritische Untersuchung von Reduktionen in der Phänomenologie, im Materialismus und im Dekonstruktivismus.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Peirce, Semiotik, Kategorienlehre, Zeichen, Erkenntnistheorie und Reduktionismus geprägt.
Husserls Phänomenologie wird als eine Theorie analysiert, die sich primär auf die Kategorie der Erstheit (Subjektivität) konzentriert und dabei andere notwendige Kategorien vernachlässigt.
Der Autor kritisiert, dass Derridas Theorie der unendlichen Semiosis eine Reduktion auf die Kategorie der Drittheit vornimmt und dabei den Bezug zum realen Objekt sowie die regulative Rolle des logischen Interpretanten ignoriert.
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