Masterarbeit, 2013
84 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Modelle der Integrationsforschung
2.1 Integration – ein unbefriedigender Begriff
2.1.1 Assimilation / Integration
2.1.2 Inklusion/ Integration
2.2 Dimensionen der Integration
2.3 Modelle der Integration
2.3.1 Sozial - ökologischer Ansatz der Chicagoer Schule
2.3.2 Stufenmodell von Gordon
2.3.3 Strukturelles Migrationsmodell von Hoffmann-Nowotny
2.3.4 Handlungstheoretisches Modell von Hartmut Esser
2.3.5 Offene, mehrdimensionale Integrationsmodelle
2.3.5.1 Integrationsdimensionen nach Heitmeyer/Anhut
2.3.5.2 Modell der pluralistischen Assimilation
2.3.5.3 Das normative Modell einer multikulturellen Gesellschaft
2.4 Wissenschaftstheoretische Ansätze
2.4.1 Soziale Arbeit
2.4.2 Soziologie
2.4.3 Psychologie
2.4.4 Pädagogik
3. Integrations- Ausländerpolitik
3.1 Einwanderungsgeschichte in der BRD/ „Ausländerpolitik“
3.2 Integrationspolitik (ab 2005)
4. Integrationsmonitoring als Spiegel des zugrunde liegenden Integrationsverständnisses
4.1 Integrationsmonitoring der Bundesregierung aktuell
4.2 Lebenslagen der Menschen mit Migrationshintergrund
4.3 Interkulturelle Öffnung der Institutionen und der Gesellschaft
4.4 Vergleich von Ansätzen auf Bundes,- Länder und kommunaler Ebene
4.5 Subjektive „weiche“ integrationsrelevante Faktoren
5. Partizipation
5.1 Partizipative Ansätze in der Gesundheitsförderung und der Sozialen Arbeit
5.1.1 Entstehungsgeschichte
5.1.2 Partizipative Forschung
5.1.2.1 Community-Based Participatory Research (CBPR)
5.1.3 Partizipation, Kernstrategie der Gesundheitsförderung
5.1.4 Partizipative Qualitätsentwicklung
5.1.5 Bedeutung für die Soziale Arbeit
6. Chancen und Herausforderungen bei der partizipativen Arbeit mit Migranten
6.1 Herausforderungen
6.1.1 Teilnahmebereitschaft / Teilnahmeermöglichung
6.1.2 Gesellschaftliche und politische Herausforderungen
6.1.3 Reziproke Anerkennung als Herausforderung
6.2 Chancen/ Ressourcen
6.2.1 Soziales Kapital
6.2.2 Wohnviertel
6.2.3 Frauen und Familie
6.2.4 Moscheen und religiöse Vereine
6.2.5 Migrantenselbstorganisationen (MSO)
6.2.6 Lokales Wissen
7. Praxisbeispiele
7.1 Gesundheitsförderung: Projekt PAKoMi
7.2 Soziale Arbeit: Projekt MIGRALTO
Fazit
Zusammenfassung
Die vorliegende Master-Thesis untersucht die Potenziale partizipativer Ansätze als wirksames Instrument einer zeitgemäßen Integrationspolitik in Deutschland. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, inwiefern partizipative Methoden, die Betroffene als aktive Subjekte und nicht als passive Objekte von Integrationsmaßnahmen begreifen, Defizite herkömmlicher, staatlich verordneter Integrationskonzepte überwinden und eine gleichberechtigte Teilhabe in einer multikulturellen Gesellschaft ermöglichen können.
2.3.5.2 Modell der pluralistischen Assimilation
Bereits 1953 unterteilte der australische Psychologe Ronald Taft die Assimilationsmodi von Einwanderern in 3 Typen (Pries, 2012). Während monistische Assimilation vollständige Anpassung der Einwanderer an die dominante Leitkultur des Aufnahmelandes meint, entwirft er als 2. Typ das Modell der pluralistischen Assimilation, welches eine partielle Anpassung an die öffentlichen Verkehrsformen und die politische Kultur der Aufnahmegesellschaft, bei Bewahrung der ethnischen Identität unter den Bedingungen von Gleichberechtigung und Toleranz beinhaltet.
Taft beschreibt als drittes Modell das der Interaktionistischen Assimilation, welches ein Lernen und Annähern auf gleichberechtigter Basis beinhaltet. „Assimilation is thus viewed by us in the light of this two-way interaction with resulting group norms emerging from the interaction of the original norms of the members of both groups”. (Taft, 1953; zitiert nach Pries, 2012, S.16)
Von Migranten kann eine Anpassung an die in der politischen Kultur verankerten Prinzipien, jedoch keine Anpassung an die dominierende Lebensweise der Aufnahmegesellschaft gefordert werden (Govaris, Athanassiadis, Xanthakou & Kaila, 2009, S.175). Dieses Modell, was die ethnische und kulturelle Pluralität ausdrücklich begrüßt, entspricht im Wesentlichen dem liberalen Multikulturalismus. Unter Kultur versteht Heckmann (1997) „grundlegende Idendifikationsmuster, die kollektive Orientierungen und individuelle Identitäten prägen und aus Merkmalen wie Ethnizität, Sprache oder Religion gespeist werden können“ (S. 51). Multikulturalismus ist ein Konzept mit dieser kulturellen Vielfalt umzugehen. Hierbei sind zwei entscheidende Herangehensweisen zu unterscheiden. „Das Konzept der Gleich- und das Konzept der Sonderbehandlung“ (Schmitz, 1998; zitiert nach Dietrich 2002, S.29). Nach dem Prinzip der Gleichbehandlung, soll „jedes Individuum unabhängig von Schicht, Einkommen, Bildung, Geschlecht, Religion und Ethnizität, gleiche Chancen haben, gesellschaftliche Positionen zu erreichen, am öffentlichen Leben teilzunehmen und politische Ämter zu begleiten“ (Dietrich, 2002, S.20). Dies soll durch eine „differenz- beziehungsweise farbenblinde Verfassung garantiert werden“ (S.20). Nach Kymlicka (1995) bestimmt die Kultur die individuellen Handlungskompetenzen des Individuums (range of options) (Dietrich, 2002). In einem anderen kulturellen Umfeld stehen aber diese Wahlmöglichkeiten nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügung (Kymlicka). Da jedoch „gleiche formale Rechte unter faktisch ungleichen Bedingungen für die betreffenden Personen ungleiche Rechte und Chancen bedeuten“ (Gerdes, 1996; zitiert nach Dietrich, 2002, S.21), wurde von Will Kymlicka die Theorie des kultursensitiven liberalen Multikulturalismus entwickelt.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Herausforderungen der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik Deutschland und führt in die These ein, dass partizipative Ansätze eine notwendige Ergänzung zu bisherigen Integrationsmaßnahmen darstellen.
2. Modelle der Integrationsforschung: Dieses Kapitel reflektiert kritisch den Integrationsbegriff und stellt verschiedene sozialwissenschaftliche Modelle – von assimilatorischen bis hin zu offenen, multidimensionalen Ansätzen – gegenüber, ergänzt um wissenschaftstheoretische Perspektiven.
3. Integrations- Ausländerpolitik: Der historische Rückblick auf die Ausländer- und Integrationspolitik der BRD zwischen 1955 und 2005 zeigt die Versäumnisse der Vergangenheit und beleuchtet die Anfänge sowie den heutigen Stand der offiziellen Integrationspolitik.
4. Integrationsmonitoring als Spiegel des zugrunde liegenden Integrationsverständnisses: Hier wird das aktuelle Integrationsmonitoring der Bundesregierung analysiert, wobei kritisch hinterfragt wird, wie die Auswahl der Indikatoren das zugrunde liegende Integrationsverständnis sowie die Chancen und Grenzen einer rein strukturellen Betrachtungsweise widerspiegelt.
5. Partizipation: Das Kapitel definiert den Begriff der Partizipation, beleuchtet deren Entstehungsgeschichte in der Gesundheitsförderung und Sozialen Arbeit und führt zentrale Instrumente wie die Partizipative Forschung und die Partizipative Qualitätsentwicklung ein.
6. Chancen und Herausforderungen bei der partizipativen Arbeit mit Migranten: Hier werden die spezifischen Hürden, wie etwa die Teilnahmebereitschaft oder politische Rahmenbedingungen, sowie die Chancen, insbesondere die Nutzung von Ressourcen wie sozialem Kapital und lokalem Wissen, detailliert erörtert.
7. Praxisbeispiele: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand der Projekte PAKoMi (Gesundheitsförderung) und MIGRALTO (Soziale Arbeit) die praktische Umsetzung und Evaluierung partizipativer Ansätze.
Integration, Partizipation, Migrationshintergrund, Partizipative Forschung, Soziale Arbeit, Gesundheitsförderung, Empowerment, Interkulturelle Öffnung, Migrantenselbstorganisationen, Lokales Wissen, Diversity, Sozialkapital, Lebensweltorientierung, Politische Teilhabe, Integrationsmonitoring.
Die Arbeit untersucht, wie partizipative Ansätze als wirksames Instrument zur Gestaltung einer erfolgreichen Integrationspraxis in der multikulturellen Gesellschaft Deutschland eingesetzt werden können.
Die Schwerpunkte liegen auf Integrationsmodellen der Sozialwissenschaften, der deutschen Einwanderungs- und Integrationsgeschichte seit 1955, dem aktuellen Integrationsmonitoring sowie den Prinzipien und Methoden der Partizipation und des Empowerments.
Ziel ist es, aufzuzeigen, dass herkömmliche, oft rein assimilatorisch ausgerichtete Integrationsmaßnahmen an ihre Grenzen stoßen und durch partizipative, ressourcenorientierte Ansätze ersetzt oder ergänzt werden sollten, um eine echte gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen.
Der Fokus liegt auf einer intensiven Literaturrecherche und der vergleichenden Analyse von Integrationsmodellen, Monitoring-Ansätzen sowie der Auswertung von zwei spezifischen Praxisbeispielen aus der Gesundheitsförderung und Sozialen Arbeit.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Integrationsmodelle), die historische und politische Analyse, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Integrationsmonitoring und eine umfassende Darstellung der partizipativen Forschungsmethodik inklusive Chancen und Herausforderungen.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Integration, Partizipation, Empowerment, Migrationshintergrund, Interkulturelle Öffnung, Sozialkapital und Lokales Wissen geprägt.
Lokales Wissen bezeichnet das Wissen der Zielgruppe über die eigene Lebenswelt. Die Arbeit argumentiert, dass dieses Wissen die essenzielle Grundlage für passgenaue, effektive und nachhaltige Integrationsprojekte bildet.
MIGRALTO ist ein partizipatives Modell für ältere Migranten, das gezielt auf einen bidirektionalen Aushandlungsprozess setzt, bei dem die Bedürfnisse und Ressourcen der Betroffenen von Beginn an auf Augenhöhe in die Projektstruktur einfließen.
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