Fachbuch, 2014
170 Seiten
Vorwort. Wurm mit zwei Tatzen
Der Tatzelwurm
Der Tatzelwurm. Von Josef Victor von Scheffel
Frühe Berichte und Sichtungen
Die Tatzelwurm-Lawine der 1930-er Jahre
Das Tatzelwurm-Foto von Meiringen
Reaktionen auf die Tatzelwurm-Sensationsartikel
Offener Brief von „Nessie“ an den Tatzelwurm
Der „Tatzelwurm“ von Winterthur
Das Hallwiler Ungetüm
Ein Werbefilm über den Tatzelwurm
Der Tatzelwurm als Scherzartikel
Nur ein Knochenfisch?
Die Schlange der Wiesel
Ein Verwandter der Echsen?
Der Haselwurm
Die Krönleinschlange
Der Basilisk
Sichtungen von Tatzelwürmern
Das Hauptziel dieses Buches ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Tatzelwurms, einem legendären Fabeltier der Alpen, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, ob es sich dabei um ein tatsächlich existierendes, unentdecktes Lebewesen oder lediglich um eine kollektive Fehlinterpretation bekannter Tierarten handelt.
Der Tatzelwurm
Ein legendärer Halbdrache namens Tatzelwurm erregt seit Jahrhunderten die Phantasie vieler Menschen in Europa. Seine Heimat sind offenbar das Gebiet und das Vorland der Alpen in Deutschland (Bayern), Österreich (Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol), der Schweiz (Kantone Bern, Jura, Solothurn), Italien (Südtirol) und Frankreich. Der Tatzelwurm gilt als kleiner Verwandter von Drache und Lindwurm, erscheint in unterschiedlicher Gestalt und Größe und trägt zahlreiche Namen. Über seine wahre Natur streiten sich seit langem die Gelehrten. Viele halten ihn für ein Fabeltier, wenige dagegen für ein tatsächlich existierendes Lebewesen.
Laut Sagen und Beschreibungen von Augenzeugen erreicht der Tatzelwurm eine Länge zwischen einem halben Meter und zwei Metern. Sein Kopf erinnert an eine Raubkatze. Das Tier hat einen stechenden Blick. Der plumpe, schmutzig-weiße Körper mit einem Umfang wie ein menschlicher Oberarm bis zu einem Schenkel erscheint reptilartig. Die kurzen Vorderbeine sind mit Pranken bewaffnet. Manchmal wurden auch Hinterbeine beobachtet. Mit den Beinen sind Riesensprünge von zwei bis drei Metern möglich. Mitunter ist von Giftzähnen die Rede, durch deren Biss man sofort stirbt. Einerseits soll der Tatzelwurm relativ scheu sein, andererseits aber auch Menschen und Tiere angreifen. Angeblich entsteht der Tatzelwurm auf die selbe Weise wie ein Basilisk. Dabei handelt es sich um ein Mischwesen mit dem Oberkörper eines Hahns, mit einer Krone auf dem Kopf und mit einem Unterleib wie eine Schlange.
Dem Tatzelwurm schreibt man ungewöhnliche Eigenschaften zu. Wenn er durch den Sand kriecht, schmilzt der Sand zu Glas. Bewirkt werde dies durch die Hitze, die der Körper des Tatzelwurms ausstrahle. Die Stollen und Höhlen, die ihm als Behausungen dienen, gräbt er selbst in den Fels.
Vorwort. Wurm mit zwei Tatzen: Einführung in das Thema und Erläuterung, warum das mysteriöse Tier auch heute noch die Gemüter beschäftigt.
Der Tatzelwurm: Allgemeine Beschreibung des legendären Wesens, seiner Verbreitung und der verschiedenen Erscheinungsformen in Sagen.
Der Tatzelwurm. Von Josef Victor von Scheffel: Analyse der dichterischen Rezeption des Tatzelwurms.
Frühe Berichte und Sichtungen: Chronologische Aufarbeitung historischer Zeugnisse und Augenzeugenberichte.
Die Tatzelwurm-Lawine der 1930-er Jahre: Darstellung des medialen Hypes, der in den 1930er Jahren um das Phänomen entstand.
Das Tatzelwurm-Foto von Meiringen: Detaillierte Untersuchung des berüchtigten Fotos von Paul Balkin und seiner Hintergründe.
Reaktionen auf die Tatzelwurm-Sensationsartikel: Dokumentation der humorvollen und skeptischen Reaktionen in der zeitgenössischen Presse.
Offener Brief von „Nessie“ an den Tatzelwurm: Analyse dieses humoristischen Beitrags als Reaktion auf den Hype.
Der „Tatzelwurm“ von Winterthur: Untersuchung eines Falles, der sich als Scherz mit einem Gummimodell entpuppte.
Das Hallwiler Ungetüm: Bericht über ein verwandtes, ebenfalls als Ente entlarvtes Seeungetüm.
Ein Werbefilm über den Tatzelwurm: Beschreibung eines Werbeprojekts der 1930er Jahre, das den Tatzelwurm touristisch nutzen wollte.
Der Tatzelwurm als Scherzartikel: Dokumentation der Vermarktung des Tatzelwurms als Spielzeug.
Nur ein Knochenfisch?: Wissenschaftliche Einordnung des berüchtigten Fotos als bloße Präparation eines Fisches.
Die Schlange der Wiesel: Erklärung möglicher Sichtungen als Fehlinterpretationen durch das Gruppenverhalten von Wieselfamilien.
Ein Verwandter der Echsen?: Diskussion kryptozoologischer Thesen, die eine Verbindung zu Krustenechsen nahelegen.
Der Haselwurm: Abgrenzung und Beschreibung dieses verwandten Sagenwesens.
Die Krönleinschlange: Porträt des schlangenartigen Fabelwesens mit goldener Krone.
Der Basilisk: Darstellung des legendären Mischwesens aus Hahn und Schlange.
Sichtungen von Tatzelwürmern: Systematische, tabellarisch anmutende Zusammenfassung ausgewählter historischer und moderner Sichtungen.
Tatzelwurm, Kryptozoologie, Alpensagen, Stollenwurm, Meiringen, Paul Balkin, Berliner Illustrirte Zeitung, Fabeltier, Sichtung, Mythos, Naturgeschichte, Bergstutzen, Krustenechse, Haselwurm, Basilisk
Das Buch untersucht die Sagen und Sichtungsberichte rund um den sogenannten Tatzelwurm in den Alpen und beleuchtet kritisch, wie aus einem volkstümlichen Mythos durch Medienberichte und menschliche Phantasie ein mediales Phänomen wurde.
Die zentralen Felder sind die Kryptozoologie, die Volkskunde, die regionale Geschichte des Alpenraums sowie die mediale Inszenierung von Sensationen in den 1930er Jahren.
Das Ziel ist es, den Ursprung der Tatzelwurm-Legende zu ergründen und aufzuzeigen, wie Verwechslungen mit echten Tieren und mediale Effekthascherei zur Mythenbildung beigetragen haben.
Der Autor nutzt eine historisch-kritische Quellenanalyse, bei der Augenzeugenberichte mit biologischen Fakten abgeglichen und die Entstehung der Berichterstattung medienhistorisch hinterfragt wird.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Dokumentation der "Tatzelwurm-Affäre" von 1935, der Analyse verschiedener Sagenwesen und einer umfangreichen Liste historischer Sichtungsprotokolle.
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Tatzelwurm, Kryptozoologie, Alpen-Mythologie, mediale Sensationen und volkskundliche Überlieferung charakterisiert.
Das 1935 veröffentlichte Foto war der entscheidende Auslöser für den europaweiten Hype; es lieferte ein vermeintliches visuelles Beweisstück, das erst viel später als Fälschung bzw. Fischpräparat entlarvt wurde.
Experten erklären die Sichtungen häufig als Fehlinterpretationen. Oft wurden Tiere wie Wiesel, Fischotter, Eidechsen oder Feuersalamander in ungewöhnlichen Situationen oder bei ungünstigen Lichtverhältnissen als unbekanntes Wesen fehlgedeutet.
Beide Wesen tauchen in derselben mythologischen Tradition auf, werden als giftig beschrieben und ihre Entstehung wird in Sagen oft auf unnatürliche, fast alchemistische Prozesse zurückgeführt.
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