Masterarbeit, 2014
122 Seiten, Note: 1
1 Einleitung: Von der Impression zur Kompression
2 Begriffe, Markierungen und Abkürzungen
3 Forschungsstand und Methodik
4 Erzähler und Erzählen
4.1 Erzählsituation
4.1.1 Die Erzählung als Transskript mündlicher Kommunikation: Tradierte Mündlichkeit
4.1.2 Illusion der Echtzeit: Bruch mit echtem Erzählen
4.1.3 Der Erzähler: Zuhörer oder Zeuge?
4.1.4 Erzählreflexion im Text
4.1.5 Versuchte Grenzüberschreitung: Mediale Variation und Reflexion
4.1.6 Erzählerpräsenz in Zahlen
4.2 Modus
4.2.1 Distanz
4.2.1.1 Distanzminimierung durch Beschreibungsverzicht
4.2.1.2 Distanzvariation durch Tempowechsel
4.2.2 Perspektive – Fokalisierung: Wer sieht was wann von wo?
4.2.2.1 Auktoriales Krimi-Erzählen: sporadische Allwissenheit
4.2.2.2 Personales Krimi-Erzählen: Mitsicht nur beim Ermittler?
4.2.2.3 Neutrales Krimi-Erzählen: Außensicht des Lesers
4.2.2.4 Interaktives Krimi-Erzählen: Miteinbeziehung des Lesers
4.3 Stimme & Stimmen: Textinterferenz polyphon und unisono
4.3.1 Serielle Mehrstimmigkeit: Textwechsel
4.3.1.1 Autointerferenz: Der Erzähler in doppelter Funktion
4.3.1.2 Interferenz invers: Erzählertext in der Figurenrede
4.3.1.3 Interferenz konventionell: Figuren sprechen durch den Erzähler
4.3.1.4 Interferenz extern: Lesertext in der Erzählerrede
4.3.2 Konstruierte Einstimmigkeit: Der Erzähler und seine Hauptfigur
5 Weitere erzähltechnische Idiosynkrasien: Die Methode Brenner
5.1 Erzählung als Produkt des Erzählten: Spielart konkreter Poesie?
5.1.1 Peripheres Erzählen: Nebensächliches im Fokus
5.1.2 Induktives Erzählen: Aufwändiges Hinleiten
5.1.3 Oszillierendes Erzählen: Fokuswechsel
5.2 Ordnung: Rückblende und Vorschau als Säulen der Kriminalgeschichte und des Erzählsystems
5.2.1 Analepsen: Vorgeschichte, Erinnerungen, Nachreichungen
5.2.2 Prolepsen: Andeutungen, Ankündigungen, Vorwegnahmen
5.2.3 Invertierung von Ursache und Wirkung: Spannung & Komik
5.3 Inhaltliches Muster: In anderen Zuständen
6 Schluss: Niemals alleine
Die Arbeit untersucht die narrative Struktur der „Brenner“-Krimireihe von Wolf Haas, um die Erzähltechnik des außergewöhnlichen Erzählers und deren Korrespondenz mit den Genrevorgaben des Kriminalromans zu analysieren.
4.1.2 Illusion der Echtzeit: Bruch mit echtem Erzählen
Erzählen ist per definitionem ein retrospektiver Vorgang. Etwas Vergangenes wird im Nachhinein beschrieben. Während beim Drama noch strittig ist, ob die Handlung auf der Bühne buchstäblich ein Durch- oder besser: ein Nachspielen (Mimesis) einer Urhandlung bzw. fiktionalen diegetischen Matrize (die Handlung ist ja in der Regel erdacht) ist oder eben die eine echte Handlung, der man im Theater (oder beim Film) beiwohnen kann, ist die epische Form des Erzählens Ihrer Handlung zeitlich immer nachgeordnet, wobei es keine Rolle spielt, ob diese Handlung aus der Leserperspektive in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft angesiedelt ist oder ob das Erzähltempus das Präsens oder eine Vergangenheitsform ist. Ausschlaggebend ist die Perspektive des Erzählers. Er muss die Handlung kennen, um sie erzählen zu können. Dies gilt auch für den Live-Kommentar, der die Zeit zwischen Handlung und Erzählung zwar auf ein Minimum reduziert, jedoch niemals auf Null.
1 Einleitung: Von der Impression zur Kompression: Die Einleitung formuliert ausgehend vom Leseerlebnis die drei zentralen Fragekomplexe bezüglich Erzählmittel, Genrekonformität und narrativer Innovation.
2 Begriffe, Markierungen und Abkürzungen: Dieses Kapitel klärt die synonyme Verwendung von Begriffen wie Zuhörer, Leser und Rezipient sowie die Zitierweise der „Brenner“-Romane.
3 Forschungsstand und Methodik: Es erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Literaturwissenschaft zu Wolf Haas, wobei narratologische Ansätze basierend auf Genette und Schmid als methodische Basis festgelegt werden.
4 Erzähler und Erzählen: Der umfangreiche Hauptteil untersucht die zentrale Rolle des Erzählers als Haupthandelnde Instanz anhand von Erzählsituation, Modus und Stimme.
5 Weitere erzähltechnische Idiosynkrasien: Die Methode Brenner: Die Analyse konzentriert sich auf Besonderheiten der Haas’schen Erzählweise, wie das „periphere“ und „induktive“ Erzählen sowie den Umgang mit Rückblenden und Vorschauen.
6 Schluss: Niemals alleine: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die einzigartige Stellung des Erzählers, der als hybride Instanz und gleichberechtigter Partner des Lesers fungiert.
Wolf Haas, Simon Brenner, Narratologie, Erzähltechnik, Kriminalroman, Erzählsituation, Textinterferenz, Erzählerpräsenz, Distanz, Fokalisierung, Stimme, Idiosynkrasie, Metafiktion, Mündlichkeit, Echtzeit
Die Masterarbeit widmet sich einer fundierten narratologischen Untersuchung der „Brenner“-Krimireihe von Wolf Haas und analysiert, wie der Erzähler als aktive, prägende Instanz die narrative Struktur der Romane bestimmt.
Im Zentrum stehen die Erzählsituation, der Erzählmodus (Distanz und Perspektive) sowie die komplexe Erzählstimme, die oft zwischen Erzähler- und Figurenrede interferiert.
Ziel ist es, die Palette des Erzählinstrumentariums von Wolf Haas zu demonstrieren, zu analysieren, wie dieses mit den Anforderungen des Kriminalgenres korrespondiert, und die narrativen Besonderheiten/Innovationen der Reihe zu ergründen.
Die Arbeit basiert auf der klassischen Erzähltheorie, insbesondere auf der Systematik von Gérard Genette sowie ergänzend auf den narratologischen Arbeiten von Wolf Schmid und Martinez/Scheffel.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Erzählsituation (u.a. Mündlichkeit, Illusion der Echtzeit), des Modus (Distanz/Fokalisierung) und der Stimme (Textinterferenz), gefolgt von einer Untersuchung spezifischer erzähltechnischer Eigenheiten (Methode Brenner).
Wichtige Begriffe sind unter anderem Erzählerpräsenz, Textinterferenz, Mimesis-Illusion, Anachronie, Fokalisierung und die „Methode Brenner“.
Haas erzeugt durch die Gleichschaltung von Erzählzeit und erzählter Zeit sowie durch die Unterbrechung des Erzählertextes durch spontane Eindrücke der Figuren den Eindruck eines Echtzeitprotokolls, wodurch der Leser unmittelbar am Geschehen teilzuhaben scheint.
Der Erzähler tritt aus seiner Rolle als bloße Vermittlungsinstanz heraus, interveniert direkt im Geschehen (teilweise bis zum Tod und zur Wiederauferstehung) und bildet mit dem Leser eine Allianz, die die Distanz zwischen Text und Rezipient ständig neu verhandelt.
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