Masterarbeit, 2014
85 Seiten
1. Einleitung
2. Theorie
2.1 Ökologie und Ecocriticism/ Ökokritik
2.1.1 Natur und Landschaft
2.2 Ökokritik und Sprache
2.2.1 Postmoderne und Dekonstruktion
2.2.2 Orientalismus und kontrapunktisches Lesen
2.2.3 Ökokritik und Dekonstruktion
2.3 Was ist eine Wüste? – Symbol und Verortung
2.4 The Empire Writes Back und die Wüste schreibt zurück
3. Methode
4. Analyse – Die Wüste schreibt zurück
4.1 Die Texte – Inhalte und Eckdaten
4.1.1 Himmel über der Wüste
4.1.2 Der englische Patient
4.2 Die Einschreibung
4.2.1 Himmel über der Wüste
4.2.2 Der englische Patient
4.3 Der Kontrapunkt
4.3.1 Himmel über der Wüste
4.3.1 Der englische Patient
5. Schlusswort
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Funktion der Wüste als literarisches Motiv in Paul Bowles’ „Himmel über der Wüste“ und Michael Ondaatjes „Der englische Patient“. Ziel ist es, die Wüste nicht bloß als passive Projektionsfläche menschlicher Befindlichkeiten zu begreifen, sondern aufzuzeigen, wie sie in den Texten als ein „zurückschreibendes“ Subjekt agiert, das die anthropozentrischen und kolonialen Machtstrukturen der Protagonisten kontrapunktisch unterwandert.
Die Wüste schreibt zurück
Doch zunächst stellen sich Fragen zur Wüste in der Geschichte der Literatur im Allgemeinen: Warum ist es immer wieder die Wüste, die zum Schauplatz besonderer Ereignisse gewählt wird? Welche symbolische Bedeutungskraft wird ihr dabei zu-/ eingeschrieben? Die Antwort auf diese und ähnliche Fragen werde ich direkt im Text suchen. Meine These ist, dass in den Texten zwei Ebenen enthalten sind, die einmal die zu-/eingeschriebenen Wüstenmotive erkennen lassen und diese andererseits aber, in einer Art Subtext, kontrapunktisch unterwandern. Diesen Subtext verstehe ich als die Wüste, die zurückschreibt. Denn in der Aufarbeitung und späteren Analyse der Wüstensymboliken wird schnell ersichtlich, dass diese oftmals einen bestimmten Zweck erfüllen. Die These ist, das Zurückschreiben der Wüste (u.a.) als Antwort auf diese eingeschriebene Zweckmäßigkeit zu sehen.
Die mögliche Relevanz dieser Untersuchung in einem transnationalwissenschaftlichen Rahmen wird schnell ersichtlich. So ist die Wüste ein wesentlicher Raum des (post)kolonialen und imperialen Machtdiskurses. Sie ist immer wieder Ort solcher Machtstrukturen gewesen, geworden und geblieben. Die Idee meines Titels, Die Wüste schreibt zurück, ist also eindeutig vor dem Hintergrund der postkolonialen Untersuchung The Empire Writes back entstanden und zu verstehen. Der Postkolonialismus und Saids Theorie des „kontrapunktischen Lesens“ werden die Wegweiser dieser Arbeit in einem transnationalwissenschaftlichen Zusammenhang sein.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an der Rolle der Wüste als literarischem Protagonisten und stellt die These vom „Zurückschreiben“ der Wüste als kontrapunktische Reaktion auf anthropozentrische Einschreibungen vor.
2. Theorie: Dieses Kapitel verknüpft ökokritische Ansätze mit postkolonialer Theorie (Said) und dekonstruktivistischen Methoden, um die theoretische Basis für die Analyse des Mensch-Natur-Dualismus zu legen.
3. Methode: Hier wird der induktive, kontrapunktische Analyseansatz dargelegt, der darauf abzielt, Diskontinuitäten und Brüche in den literarischen Wüstenbildern offenzulegen.
4. Analyse – Die Wüste schreibt zurück: Der Hauptteil untersucht die Inszenierung der Wüste in den beiden Romanen, wobei zwischen der „Einschreibung“ menschlicher Deutungsmuster und der „Ausschreibung“ durch die Wüste selbst unterschieden wird.
5. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt die Notwendigkeit einer Dehierarchisierung der Position des Menschen in der Umwelt durch die Berücksichtigung des „Ausgeschlossenen“.
Ökokritik, Ecocriticism, Wüste, Postkolonialismus, kontrapunktisches Lesen, Dekonstruktion, Literaturwissenschaft, Anthropozentrismus, Natur-Kultur-Dichotomie, Mapping, Identität, Raumtheorie, Paul Bowles, Michael Ondaatje, Transnationalität
Die Arbeit untersucht die literarische Darstellung der Wüste als einen Raum, der nicht bloß eine passive Kulisse für menschliche Handlungen ist, sondern aktiv als Protagonist oder Gegenmacht agiert.
Die Arbeit verknüpft Ökokritik, postkoloniale Literaturwissenschaft und Raumtheorie, um die Machtdynamiken zwischen menschlicher Wahrnehmung und der „außersprachlichen“ Realität der Wüste zu analysieren.
Wie lässt sich die Wüste in der Literatur als eine Landschaft verstehen, die der einseitigen menschlichen Projektion „zurückschreibt“, und wie unterwandert sie dabei koloniale und anthropozentrische Machtstrukturen?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus ökokritischer Analyse und Edward Saids Methode des kontrapunktischen Lesens, um Texte dekonstruktivistisch im Hinblick auf deren eingeschriebene Dualismen zu befragen.
Der Hauptteil analysiert Paul Bowles’ „Himmel über der Wüste“ und Michael Ondaatjes „Der englische Patient“ in zwei Schritten: Zunächst wird aufgezeigt, wie Menschen der Wüste Deutungen „einschreiben“, anschließend werden diese Deutungen durch die „Ausschreibung“ der Wüste dekonstruiert.
Die wichtigsten Begriffe sind Ökokritik, Kontrapunktisches Lesen, Einschreibung/Ausschreibung, Anthropozentrismus, Postkolonialismus, Raumtheorie (Spatial Turn) und Identitätskonstruktion.
In Bowles’ „Himmel über der Wüste“ dient die Sahara primär als Ort existentialistischer Grenzerfahrung und individueller Krise, während Ondaatjes „Der englische Patient“ die Wüste stärker mit politischen Machtstrukturen, Mapping und postkolonialer Geschichte verknüpft.
Es ist eine Metapher für Momente im Text, in denen die Wüste die menschlichen Projektionen und Machtansprüche durch Unvorhersehbarkeit, Zerstörung oder schlichte Ignoranz gegenüber menschlichen Konstrukten entlarvt und als widerständig erkennbar macht.
Es fasst das Scheitern der Protagonisten zusammen, die Wüste als einen neutralen oder rein spirituellen Ort zu nutzen, um den menschlichen Problemen (wie Krieg oder kolonialer Geschichte) endgültig zu entkommen.
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