Examensarbeit, 2014
114 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Begriffsklärung und Hinführung zum Thema
a.) Der Mythen- und Legendenbegriff
b.) Das kollektive Gedächtnis
c.) Das didaktische Konzept des Geschichtsbewusstseins
3. Die Nibelungenrezeption - vom Heldenlied zum Ursprungsmythos
4. Wagners „Der Ring des Nibelungen“ (1848-1874): Ein zeitgeschichtliches Exempel der Nibelungenrezeption und Wegbereiter einer völkisch-nationalen, germanischen Ideologie
5. Die Nibelungenrezeption vom Beginn des Kaiserreichs bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und ihre Wirkung auf das zeitgenössische Geschichtsbewusstsein, Identität und die Politik
5a) Täuschung oder Aufklärung? Die Ästhetik des Mythos und die Angst vor dem Fremden
5b) Die Verheißung zukünftiger Größe
5c) Der Mythos als Instrument der Herrschaft und der Politik
5d) Die Angst vor dem modernen Krieg - der Weltenbrand
5e) Der Aufbau von Fremd- und Eigencharakterisierungen: Das Motiv der Einkreisung
5f) „Die wirkungsmächtigste Geschichtslegende des 20. Jahrhunderts“: Der Dolchstoß, Rechtfertigung, Trost und Rachegedanken
6. Nibelungen-Didaktik: Beispiele der Mythenrezeption in der Schule
7. Schlussbetrachtung: Der Nibelungenmythos und die Deutschen. Warum brauchen wir Mythen in der Geschichtsdidaktik? Welche Wirkung haben sie auf das Geschichtsbewusstsein?
Die vorliegende Arbeit untersucht den Entstehungsprozess und die Veränderung von Mythen und Legenden, insbesondere des Nibelungenmythos, und analysiert deren politische Instrumentalisierung sowie ihre Auswirkungen auf das Geschichtsbewusstsein, insbesondere im Kontext des Ersten Weltkrieges.
Die Nibelungenrezeption - vom Heldenlied zum Ursprungsmythos
Der Ursprung des Nibelungenmythos trägt sicherlich seinen Teil dazu bei, dass das Thema bis in die heutige Zeit mysteriös und reizvoll bleibt – er ist nämlich bis dato nicht völlig geklärt. Joachim Heinzle führt die „Wurzeln“ der Überlieferung bis ins 5. und 6./7. Jahrhundert zurück, in der das Nibelungenlied meist mündlich oder in Form bildlicher Darstellungen und nur sporadisch schriftlich bzw. dichterisch geformt tradiert wurde. Das Nibelungenlied bezieht sich inhaltlich auf historische Begebenheiten, gibt diese jedoch nicht faktengetreu wie die moderne Wissenschaft wieder, sondern erzählt sie in dichterischer Form um. Dies ist kein ungebräuchlicher Umgang mit historischen Ereignissen, denn bereits Aristoteles schrieb: „Daher ist die Dichtung etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als Geschichtsschreibung; denn die Dichtung teilt mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit.“
Ein Beispiel für den historischen Kern des Stoffes wäre der zweite Teil des Nibelungenliedes, der den Untergang der Burgunden beschreibt. Der damalige burgundische König Gundicharius rückte mit seinen Truppen in die römische Provinz Belgica I vor, um sich dort dem Heermeister Aetius zu stellen. Ihnen wurde jedoch eine vernichtende Niederlage beigebracht. Eine weitere Begebenheit, die Einfluss auf die Entstehung des Textes gehabt haben könnte, ist die ständige Bedrohung seitens der Hunnen-Expansion.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Veränderung von Mythen und deren politisches Potenzial bei der Identitätsstiftung, unter besonderer Berücksichtigung der "Mythenmetamorphose" im Kontext des Ersten Weltkriegs.
2. Begriffsklärung und Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Mythos, Legende, kollektives Gedächtnis und das didaktische Konzept des Geschichtsbewusstseins.
3. Die Nibelungenrezeption - vom Heldenlied zum Ursprungsmythos: Untersuchung der historischen Wurzeln und der Entwicklung des Nibelungenstoffs von einer mündlichen Erzählung zum nationalen Ursprungsmythos.
4. Wagners „Der Ring des Nibelungen“ (1848-1874): Ein zeitgeschichtliches Exempel der Nibelungenrezeption und Wegbereiter einer völkisch-nationalen, germanischen Ideologie: Analyse der Nibelungen-Tetralogie als politisches Instrument und ihre Rolle in der Verbreitung völkisch-nationaler Denkmuster.
5. Die Nibelungenrezeption vom Beginn des Kaiserreichs bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und ihre Wirkung auf das zeitgenössische Geschichtsbewusstsein, Identität und die Politik: Vertiefende Untersuchung der Nutzung des Nibelungenmythos in Propaganda, Politik und zur Konstruktion von Feindbildern während des Kaiserreichs und des Ersten Weltkriegs.
6. Nibelungen-Didaktik: Beispiele der Mythenrezeption in der Schule: Darstellung der didaktischen Nutzung des Nibelungenstoffs in der schulischen Erziehung zur Förderung nationaler Identität und eines bestimmten Geschichtsbewusstseins.
7. Schlussbetrachtung: Der Nibelungenmythos und die Deutschen. Warum brauchen wir Mythen in der Geschichtsdidaktik? Welche Wirkung haben sie auf das Geschichtsbewusstsein?: Synthese der Ergebnisse und Reflexion über die Bedeutung von Mythen für das historische Lernen und die Notwendigkeit eines kritischen Umgangs mit ihnen.
Nibelungenmythos, Erster Weltkrieg, Geschichtsbewusstsein, Mythenmetamorphose, Identitätsstiftung, Wagner, Nationalismus, Propaganda, Geschichtsdidaktik, Kollektives Gedächtnis, Kontrafaktische Narration, Dolchstoßlegende, Kaiserreich, Heroismus, Politischer Mythos.
Die Arbeit analysiert, wie Mythen – speziell der Nibelungenmythos – entstehen, sich verändern und politisch instrumentalisiert werden, um kollektive Identitäten zu formen, insbesondere in Deutschland während des Kaiserreichs und des Ersten Weltkriegs.
Zentrale Themen sind die "Mythenmetamorphose", das Konzept des Geschichtsbewusstseins, die instrumentalisierte Nibelungen-Rezeption bei Richard Wagner sowie die Nutzung des Mythos in Schule, Politik und Kriegspropaganda.
Ziel ist es herauszuarbeiten, welches Potenzial Mythen für die Gesellschaft besitzen, wie sie das Geschichtsbewusstsein beeinflussten und wie ein mündiger, kritischer Umgang mit solchen kontrafaktischen Narrationen in der Geschichtsdidaktik aussehen kann.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, bei der Definitionen und Theorien (u.a. von Assmann, Pandel, Rüsen) herangezogen werden, um die historische Rezeption des Nibelungenstoffes zu untersuchen und didaktische Schlussfolgerungen zu ziehen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wagners Nibelungen-Rezeption, die politische Nutzung des Mythos vom Kaiserreich bis zum Ende des Ersten Weltkriegs sowie die Analyse der didaktischen Praxis in Schulen jener Zeit.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nibelungenmythos, Identitätsstiftung, Geschichtsbewusstsein, politischer Mythos, Propaganda und nationale Mythen charakterisiert.
Wagner wird als zentraler Vermittler betrachtet, der durch seine Tetralogie eine ästhetisierte, völkisch-nationale Neuinterpretation schuf, die maßgeblich zur Popularisierung des Mythos und dessen ideologischer Aufladung beitrug.
Der Stoff diente als Mittel der Identitätsarbeit und Erziehung zum Heroismus, wobei er im Geschichts- und Deutschunterricht dazu genutzt wurde, patriotische Gesinnungen zu festigen und das Kaiserreich ideologisch zu stützen.
Die Dolchstoßlegende wird als eine der "wirkungsmächtigsten Geschichtslegenden" analysiert, die den Nibelungenmythos für eine rückblickende Rechtfertigung der militärischen Niederlage instrumentalisierte und so den Nährboden für zukünftige Entwicklungen bereitete.
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